Kreis Ludwigsburg: Silvester 2023: unspektakulärer Wechsel eines dramatischen Jahres

Feuerwerk über der Bietigheimer Altstadt: Zum Glück startete 2024 ohne größere Zwischenfälle.
Martin KalbRund 180 Millionen Euro Umsatz machte die Feuerwerksbranche 2022 – Rekord. Und auch zu diesem Jahreswechsel erwarten die Anbeter von Böllern und Raketen noch einmal ein sattes Plus.
Wo viel Schwarzpulver auf eine ebenso alkoholgetränkte Stimmung treffen, steigt das Risiko von Bränden und Verletzungen normalerweise deutlich an. Doch diese Gleichung ging zumindest im Landkreis Ludwigsburg diesmal kaum auf. Für die Sicherheits- und Rettungskräfte war Silvester 2023 durchschnittlich bis ruhig, wie eine BZ-Umfrage ergab.
Betrunkener bespuckt Sanitäter
Das Polizeipräsidium Ludwigsburg verzeichnete nach eigenen Angaben 224 Einsätze in seinem Zuständigkeitsbereich, der die Kreise Ludwigsburg und Böblingen umfasst. Die Beamten registrierten demnach unter anderem Körperverletzungen, vier Eigentumsdelikte, drei Sachbeschädigungen, zehn Verkehrsdelikte mehrere verbale Streitigkeiten.
In Asperg stürzte ein betrunkener 43 Jahre alter Mann am späten Sonntagabend. Als er gegenüber Sanitätern immer aggressiver wurde und um sich spuckte, wurde er von herbeigerufenen Polizisten fixiert. Der Mann kam zur weiteren Untersuchung ins Klinikum Ludwigsburg. Es wurde niemand verletzt.
Notaufnahmen relativ ruhig
„Eher einen Ticken ruhiger als sonst“ war das Silvester-Geschehen in den Notaufnahmen in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen, wie Alexander Tsongas, Sprecher der RKH-Kliniken mitteilte. An beiden Standorten habe es je rund zehn silvestertypische Notfallbehandlungen gegeben. In etwa einem Drittel der Fälle seien Menschen mit Verbrennungen und Verletzungen an den Händen verarztet worden, die von Böllern oder Raketen verursacht wurden. Hinzu komme etwa dieselbe Anzahl von Patienten, die behandelt werden mussten, weil sie zu viel getrunken hatten.
In insgesamt fünf Fällen wurden Patienten verarztet, weil sie sich etwa durch einen Sturz die Schulter ausgekugelt oder Platzwunden zugezogen hatten. „Vermutlich auch im Zusammenhang mit Alkohol.“
Im Vergleich zum übrigen Patientenaufkommen seien die Silvesterfälle sogar relativ unbedeutend. „Die Notfallkliniken in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen haben gerade alle Hände voll zu tun“, sagte Tsongas. Das liege zum einen an dem eingeschränkten Dienst der Notfallpraxen, denen aufgrund eines Urteils des Bundesgerichtshofs ein großer Teil ihrer Bereitschaftsärzte von den Kassenärztlichen Vereinigungen gestrichen wurde. Zudem streikten viele niedergelassene Ärzte zwischen den Jahren aus Protest gegen die Gesundheitspolitik. Zugleich hat die Zahl der Atemwegserkrankungen stark zugenommen. Insofern sei es ganz schön, wenn die Leute zu diesem Jahreswechsel etwas vernünftiger gefeiert hätten. „Das macht den Einsatzkräften das Leben etwas leichter“, sagte RKH-Sprecher Tsongas.
Routine bei der Feuerwehr
Auch für die Feuerwehr im Kreis war es eine zwar arbeitsreiche, aber relativ unaufgeregte Nacht, wie Kreisbrandmeister Andy Dorroch bilanziert: „Unsere Wehren waren mit rund 50 Einsätzen gut frequentiert, es ist aber nichts außergewöhnlich Schlimmes passiert.“
Lediglich in Ludwigsburg und Hemmingen habe es größere Einsätze gegeben. So mussten in Ludwigsburg zehn Bewohner eines Behindertenwohnheims der Karlshöhe vorübergehend evakuiert werden: Im Zimmer eines Bewohners war ein großer Mülleimer in Brand geraten und infolgedessen ist es zu starker Rauchentwicklung gekommen. Die Bewohner konnten jedoch nach einer Stunde wieder nach Hause zurückkehren. Die Ursache für den Brand ist noch unklar. Der Sachschaden beträgt rund 30 000 Euro. „In Hemmingen gab es zudem einen Balkonbrand, der allerdings von den Bewohnern selbst gelöscht wurde“, erzählte Andy Dorroch.
Auch bei der Wehr in Bietigheim-Bissingen war es vergleichsweise ruhig, wie Kommandant Frank Wallesch berichtete. „Für uns war es ein durchschnittliches Silvester.“ Es habe ein paar Kleinbrände gegeben, eine Hecke und Mülleimer. Auch zu Neujahr habe die Wehr noch einmal zwei brennende Abfallbehälter löschen müssen. „Es ist aber nicht exorbitant mehr passiert als in den Vorjahren“, sagte Wallesch.
Seine Vermutung: „Vielleicht ist uns die Witterung zugute gekommen. Die Böden, Büsche, Hecken und Bäume seien feucht, das senke die Brandgefahr. Auch dass zu Silvester regelmäßig Mülltonnen brennen, konnte der Feuerwehrmann erklären. Das sei einerseits auf groben Unfug zurückzuführen, wenn beispielsweise absichtlich Feuerwerkskörper in Abfallbehältern gezündet würden. Die zweite Ursache sei Übereifer beim Aufräumen: Wenn beispielsweise gerade erst abgebrannte Feuerwerksbatterien oder Raketen in der Tonne landen. „Da können noch Glutreste vorhanden sein, die einen Brand auslösen.“
Am Ende: ziemlich viel Müll
Beim Saubermachen an bestimmten Hotspots fehlt es nach Walleschs Beobachtung hingegen an der schwäbischer Gründlichkeit: „Auf der Lug wurde viel Feuerwerk gezündet“, sagte Wallesch. „Leider haben viele die Überreste einfach dort liegen lassen“, ärgerte sich der Feuerwehrmann. Auf der Enzbrücke sei offenbar ausgiebig geböllert worden.
Diesen Eindruck bestätigte auch die Stadt Bietigheim-Bissingen. „Das Müllaufkommen nach Silvester war sehr hoch in diesem Jahr, vor allem im Bereich südlich Bissingen, aber auch in der ganzen Stadt“, sagte Stadtsprecherin Anette Hochmuth auf BZ-Anfrage. Der städtische Bauhof war demnach den gesamten Dienstag mit zehn Personen, Kehrmaschinen, Besen und Schaufeln unterwegs, um die Hinterlassenschaften der Nacht einzusammeln. Zusammen kamen bei der Aktion rund 60 Kubikmeter Silvester- und Wochenendabfälle; das entspricht zwei vollen Müllcontainern – etwa doppelt so viel wie an einem normalen Wochenende.
Auch im nordwestlichen Landkreis blieb es überwiegend ruhig, wie Sachsenheims Stadtsprecher Arved Oestringer auf BZ-Anfrage mitteilte. Die Feuerwehr sei lediglich zu zwei kleinen Einsätzen ausgerückt, davon war einer ein Heckenbrand, der aber unspektakulär gewesen sei.
Hinter den Erwartungen zurück lag hingegen die Menge des Silvestermülls. Vor allem am Bahnhof und auf dem großen Parkplatz an der Realschule sei viel Feuerwerk abgebrannt worden. Insgesamt sei auf den öffentlichen Flächen aber weniger Müll angefallen als im Vorjahr.
Die Reinigung durch die Mitarbeiter des Baubetriebshofs laufe mit dem üblichen Tagesgeschäft. Sonderschichten oder sogar besondere Reinigungsgeräte seien dafür nicht nötig. „Bei abgebrannten Böllern und Raketen bleiben ja nur Pappe und Holzstiele übrige“, sagt Oestringer. Die werden über den Hausmüll entsorgt.