Kreis Ludwigsburg: Rüstung könnte weitere Aufträge bringen

Bei Thales in Ditzingen werden hochmobile Radargeräte zur Boden- und Küstenüberwachung entwickelt und gefertigt. Diese sind laut Unternehmen zur Absicherung der Umgebung bei Streit- und Sicherheitskräften weltweit im Einsatz.
/ThalesDer Angriff Russlands unter Präsident Putin auf die Ukraine auf der einen Seite, die Sorge vor einem Ausstieg der USA unter Präsident Trump aus der Nato auf der anderen Seite haben auch in Deutschland dazu geführt, dass man mehr für die Verteidigung tun will. Die schwarz-roten Koalitionäre in spe haben dazu die Aufnahme von Sonderschulden ins Grundgesetz schreiben lassen. Die Rüstungsbranche ist dadurch zur boomenden Industrie geworden, teilweise wollen jetzt auch Unternehmen, die bislang nur zivile Güter hergestellt haben, in die militärische Produktion einsteigen. Die BZ zeigt an drei Beispielen, dass auch im Landkreis Ludwigsburg die Herstellung von Rüstungsgütern mehr in den Fokus rückt.
Dürr prüft noch
Bei der Dürr-Gruppe in Bietigheim-Bissingen ist das Geschäft im wehrtechnischen Bereich nach Auskunft von Sprecher Mathias Christen aktuell von geringer Bedeutung und mit marginalen Umsätzen verbunden. Es gehe um einzelne Aufträge über die Lieferung von Lackier- und Auswuchttechnik für Militärflugzeuge. „Konkretes über darüber hinausgehende Geschäftsmöglichkeiten können wir derzeit nicht sagen“, so Christen.
Klar ist aber, dass sich einige der Technologien des Anlagen- und Maschinenbaukonzerns für die Produktion wehrtechnischer Güter einsetzen ließen. So hat der Vorstandsvorsitzende Dr. Jochen Weyrauch jüngst auf der Bilanzpressekonferenz als Beispiel den Einsatz der Dürr-Montagesysteme in der Drohnenproduktion als denkbar bezeichnet. „Da die Wehrtechnikproduktion in den kommenden Jahren zunehmen wird, werden wir prüfen, welche Geschäftsmöglichkeiten sich daraus für Dürr ergeben könnten“, erklärt Christen. Das bedürfe aber erst sorgfältiger Analysen und Planungen, woran auch das im Bundestag beschlossene „Sondervermögen“ nichts ändere.
Auch bei dem Maschinenbaukonzern und Lasertechnik-Spezialisten Trumpf in Ditzingen wird noch geprüft, es gibt aber schon relativ konkrete Überlegungen. „Trumpf prüft den Einstieg in die Verteidigungsindustrie zu rein defensiven Zwecken der Drohnenabwehr“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Möller. Eine endgültige Entscheidung der Eigentümerfamilie dazu gebe es aber noch nicht.
Neubewertung bei Trumpf
Möller betont, dass der Diskussionsprozess über eine Nutzung der Laser zur Drohnenabwehr ausdrücklich nicht krisengetrieben sei, sondern mit einer Neubewertung dessen zu tun habe, was „gesellschaftliche Verantwortung für ein wertegeleitetes Technologieunternehmen“ heute bedeute. Die internen Diskussionen fänden bereits seit längerem statt, deutlich vor den Entscheidungen der Bundesregierung bezüglich sogenannter Sondervermögen. „Sie wurden seinerzeit initiiert durch die geopolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre“, so Möller.
Dagegen ist im französischen Elektronik-Konzern Thales, dessen deutscher Hauptsitz sich in Ditzingen befindet, Militärtechnik schon immer ein wesentlicher Teil des Geschäftsfelds. In Ditzingen sind die Geschäftstätigkeiten nach dem Verkauf des Bahngeschäftes an Hitachi Rail im Jahr 2023 sogar zu etwa 80 Prozent militärisch, teilt Sprecher Pitt Marx auf Anfrage mit.
So werden hier hochmobile Radare zur Boden- und Küstenüberwachung entwickelt und gefertigt, die bei Streit- und Sicherheitskräften weltweit im Einsatz sind, nennt Marx ein Beispiel. „Radare von Thales sichern den Luftraum, unsere Küste sowie im mobilen Einsatz je nach Bedrohungslage Ereignisse wie Gipfeltreffen oder kritische Infrastrukturen.“
Thales erwartet höhere Umsätze
Thales bietet Sicherheitslösungen für die Überwachung und Absicherung von grünen Grenzen sowie für Grenzkontrollen, für den Schutz ziviler und militärischer Liegenschaften. In Ditzingen werden auch seit Jahrzehnten Funkgeräte für die vernetzte Operationsführung im militärischen Einsatz entwickelt und gefertigt. Unter anderem gehören auch Nachtsichtbrillen und multi-funktionale Wärmebildgeräte zur Erledigung von Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben von Soldaten und polizeilichen Einheiten oder Systemlösungen für Sichtsysteme für gepanzerte, militärische Fahrzeuge zum Portfolio.
Die geplante Aufrüstung in Deutschland und Europa könnte weitere Aufträge für Thales bringen. „Wir rechnen in den nächsten Jahren am Thales-Standort Ditzingen mit steigenden Umsätzen und einer Zunahme der militärischen Aktivitäten“, sagt Sprecher Pitt Marx.