Kreis Ludwigsburg
: RKH-Kliniken geben Pläne für Standort Marbach auf

Im Verwaltungsausschuss ging es um das Defizit der Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH. 
Von
Uwe Mollenkopf
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Der Kliniken-Standort Marbach aus der Luft.

Werner Kuhnle

Der Verlust der RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH im vergangenen Jahr war seit geraumer Zeit kein Geheimnis mehr (die BZ berichtete). Bei der Sitzung des Kreis-Verwaltungsausschusses am Montag wurde die Summe von minus 48,3 Millionen Euro nun offiziell festgestellt und einstimmig beschlossen, dass der Kreis dafür gerade steht (alles als Empfehlung für den Kreistag). Ebenso sprachen sich die Mitglieder des Gremiums für die Entlastung der Kliniken-Geschäftsführung aus, die ja mit dem Ausscheiden des Medizinischen Geschäftsführers Jörg Martin und der Berufung von Marc Nickel als seinem Nachfolger inzwischen eine andere ist.

Fehlbetrag weitaus höher

als ursprünglich erwartet

Wie den Zahlen der Kliniken gGmbH zu entnehmen ist, die deren kaufmännischer Geschäftsführer Axel Hechenberger in der Sitzung präsentierte, hatte man ursprünglich für 2024 ein Minus in Höhe von 14,5 Millionen Euro vorauskalkuliert. Als Gründe dafür, dass dieses Ziel gewaltig verfehlt wurde, werden im Klinikenbericht zum einen zurückgehende Leistungen im Vergleich zum Vorjahr angeführt. Deshalb sei bei gleichzeitig gestiegenen Kosten die Schere zwischen Kosten und Erlösen auseinandergegangen. Der beabsichtigte Abbau der hohen Kosten für Leiharbeit sei nicht gelungen. Zudem sei auch die Anzahl der ambulanten Patienten gesunken, heißt es weiter. Nach wie vor steige die Anzahl der Notfallpatienten, die aufgrund ihres Versorgungsbedarfs nicht in den Kliniken versorgt werden müssten.

Zu dem Defizit steuerte das Klinikum Ludwigsburg ein Minus von 35,6 Millionen Euro bei. Das Minus im Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen betrug 10,7 Millionen Euro. Fast zwei Millionen Euro Verlust wurden am Standort Marbach gemacht.

Umgestaltung kann nicht

finanziert werden

Um gegenzusteuern, läuft seit Oktober 2024 ein Konsolidierungsprogramm der neuen Geschäftsführung. Davon betroffen ist jetzt auch der Standort Marbach. Das auf Basis eines städtebaulichen Wettbewerbes entstandene Großprojekt zur Errichtung eines Pflege- und Ausbildungscampus wurde laut dem Bericht der Kliniken inzwischen eingestellt. Eine planmäßig erstellte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung habe gezeigt, dass die einzelnen Bausteine und insbesondere die dann notwendige Erschließung und Umgestaltung des Geländes von den Kliniken nicht finanziert werden könnten. In der Konsequenz werde bereits untersucht, welche Chancen und Risiken der Gebäudebestand mit sich bringe. Das Ziel sei, neben den Angeboten im bestehenden Ärztehaus auch an Stelle des Altbaubestandes weitere gesundheitsnahe Dienstleistungen anzusiedeln und die dazugehörenden Flächen zu vermarkten.

Am Standort Marbach wurde bereits Mitte 2020 der stationäre Betrieb nach der ersten Pandemiewelle eingestellt. Ärztliche Kooperationspartner nutzen nun die bestehende ambulante OP-Struktur, weiter werden Flächen für Arztpraxen vermietet. Teilflächen des Krankenhausgebäudes werden außerdem zur Unterbringung von Flüchtlingen an den Landkreis Ludwigsburg vermietet.

Für das laufende Jahr sind die Aussichten trotz der eingeleiteten Gegenmaßnahmen noch alles andere als rosig: Laut dem Klinikenbericht wird nach aktueller Einschätzung mit einer Deckungslücke „im zweistelligen mittleren Millionenbereich“ gerechnet.