Kreis Ludwigsburg
: Rettungsfahrten im Notfall auch mit Azubis

Ein Maßnahmenpaket des baden-württembergischen Innenministeriums ermöglicht es Rettungsdiensten bei Personalengpässen auch Azubis auf Einsatzfahrten einzusetzen. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Maßnahme. Für die Rettungsdienste im Kreis ist es ein notwendiger Schritt.
Von
Petra Neset-Ruppert
Ludwigsburg
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Um zu verhindern, dass Rettungsfahrzeuge nicht Einsatzbereit sind, dürfen laut Innenministerum, auch Azubis bei Rettungsfahrten eingesetzt werden.

/ Martin Kalb

Noch bis Ende Oktober können laut baden-württembergischen Innenministerium auch Azubis bei Notfalleinsatzfahrten eingesetzt werden. Trotz Personalmangels soll so gewährleistet werden, dass die Rettungsdienste einsatzbereit bleiben. „Verdi sieht die geplanten Maßnahmen zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Rettungsdienstes während der Corona-Pandemie kritisch, da sie die Ausbildungs- und Fortbildungsqualität gefährden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft.

„Die Personalsituation ist relativ dramatisch“, sagt Hermann Rometsch, Leiter der Notfallrettung DRK Ludwigsburg. Zu wenig Personal habe der Rettungsdienst nicht erst seit Kurzem. Das habe vielfältige Gründe, erklärt Rometsch. In diesem Sommer kamen dann noch die hohen Covid-Infektionszahlen hinzu, die in der Urlaubszeit noch zusätzlich zu Personalmangel führen. „Wir hatten schon länger darauf hingewiesen, dass dies ein Problem wird. Es war quasi ein Hilferuf“, so Rometsch.

Einsatzfahrzeuge weiter besetzt

„Diese Ausnahmen werden schnell zur Regel. Denn ein Ende der Personalnot ist nicht in Sicht. Und damit wird auch mit dieser Maßnahme die Qualität der Notfallrettung verschlechtert“, sagt hingegen Yvonne Baumann, die bei Verdi für den Rettungsdienst zuständig ist.

Auch Rometsch ist nicht glücklich über die Situation, doch ganz so dramatisch wie Verdi bewertet der Leiter der Notfallrettung die Situation nicht. „Würden wir im Notfall nicht die Azubis einsetzen, wäre die Konsequenz, dass Einsatzfahrzeuge stehen bleiben“, betont Rometsch. Viele der DRK-Azubis hätten bereits ihren Rettungssanitäter gemacht und waren auch schon auf Einsatzfahrten. „Die dürfen wir einsetzten und das machen wir bei Bedarf auch“, so Rometsch.

Die Azubis, die in Notfällen Personalengpässe entzerren können, sind beim DRK-Ludwigsburg bereits im zweiten Lernjahr und haben dann schon den Stand eines Rettungssanitäters erreicht. Um die zehn Azubis stehen dem Roten Kreuz in Ludwigsburg für diese kurzfristige Lösung derzeit zur Verfügung.

„Jahrzehnte lange Bemühungen haben leider nicht zu einer besseren Personalstruktur bei der Notfallrettung geführt“, bedauert der Leiter der Notfallrettung: „Jetzt mussten wir auf diese Möglichkeit zurückgreifen, doch wir achten dabei auch drauf, dass das Ausbildungsziel nicht gefährdet wird“, sagt Rometsch.

Bei den Maltesern im Kreis Ludwigsburg sieht es ähnlich aus wie beim Roten Kreuz. Auch für sie ist es wichtig die Ausbildungsqualität nicht zu gefährden. „Wir freuen uns über die Möglichkeit, kurzfristige Personalengpässe so abzufedern“, sagt Klaus Weber, Regionalgeschäftsführer der Malteser: „Bisher mussten wir in Ludwigsburg noch nicht Gebrauch davon machen.“

Doch wenn Azubis zum Einsatz kommen, wie es bereits in anderen Regionen der Fall ist, haben die Malteser hierzu einige Regeln aufgestellt: „Unsere Azubis werden nicht an einem Wochenende vor oder zwischen den Schulblöcken eingesetzt, damit die Belastung nicht zu hoch ist“, sagt Weber: „Außerdem nehmen wir uns sehr viel Zeit für die Nachbesprechung nach den Einsätzen“, so Weber. Alle Auszubildenden, die bei den Maltesern auf Notfalleinsätze geschickt werden, sind bereits komplett in die Medizintechnik eingewiesen.

„So hohe Infektionszahlen wie in diesem Sommer hatten wir noch nie. Das hat die Planung natürlich schwer gemacht“, sagt Weber. Jährlich bilden die Malteser drei Notfallsanitäter im Landkreis Ludwigsburg aus. Daher könnten momentan neun Azubis bei Personalengpässen eingesetzt werden.

Wert des Gesundheitswesens

Nach zwei Jahren Corona-Pandemie sei die Personalfluktuation auch im Rettungsdienst sehr hoch. Doch das liege eben auch an den Arbeitsbedingungen wie einer 45-Stunden-Woche und immer wieder kurzfristigem Einspringen für erkrankte Kollegen, sagt DRK-Leiter der Notfallrettung Ludwigsburg Hermann Rometsch. „Es stellt sich auch bei uns im Rettungsdienst, wie auch in anderen Bereichen, die Frage: Was ist die Gesellschaft bereit für ein gutes Gesundheitswesen auszugeben?“, fragt Hermann Rometsch. Die Problematik sei leider nicht neu.