Kreis Ludwigsburg: Noch kein „Kümmerer“ in Sicht

Ein Vollernter im Einsatz. In den Steillagen ist die Lage schwieriger.
/U. J. AlexanderDer Weinkonsum sinkt, immer öfter werden Anbauflächen aufgegeben: Um Winzern in der Region Stuttgart eine Perspektive zu geben und den Weinbau vor allem in den schwer zu bewirtschaftenden Steillagen langfristig zu erhalten, hatte die SPD-Regionalfraktion einen Vorschlag. Der Verband Region Stuttgart (VRS) sollte einen „Masterplan Steillagen“ erstellen, in dem in Zusammenarbeit mit Kommunen, Kreisen und Winzern „besonders erhaltenswerte Weinlagen“ als Kernzonen ausgewiesen werden.
Idee ist eine gezielte Förderung
Diese könnten dann gezielt fördern – mit Geld, aber auch durch Ausgleichsmaßnahmen und Projekte von Ökokonten, hieß es in dem Antrag, den die SPD in den regionalen Planungsausschuss einbrachte (wir haben berichtet). Das sollte auch helfen, den „Flickenteppich an bewirtschafteten und unbewirtschafteten Flächen“ neu zu ordnen für „zukunftsfeste Weinlagen“.
Die Fraktion regte an, einen sogenannten Steillagenkümmerer einzusetzen, der in der Region Landwirtschaft und Verwaltung vernetzt und die Umsetzung des Masterplans begleitet. Außerdem sollte der Verband prüfen, ob mehr touristische Angebote rund um den Weinbau geschaffen werden könnten, ausnahmsweise auch in Landschaftsschutzgebieten und Regionalen Grünzügen.
Der VRS wandte jetzt allerdings ein, dass zu dem Thema bereits diverse Konzepte, Förderungen und Projekte laufen oder geplant sind. Erst im September habe das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium angekündigt, die Weinbaustrategie des Landes weiterzuentwickeln. Die Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepte, kurz: Ilek, sollten noch mehr für den Erhalt der Steillagen genutzt werden.
Was im Kreis schon getan wird
Neu sei, berichtet der VRS, dass die Bewirtschaftung von Steillagen unter gewissen Voraussetzungen mit 1000 Euro pro Hektar unterstützt werde, und die Fördersätze für die Wiederbepflanzung deutlich gestiegen seien. Dazu gibt es ab dem kommenden Jahr das Konzept der Rotationsbrache. Damit können vorübergehend nicht wirtschaftliche Rebflächen aus der Produktion genommen werden, ohne sie dauerhaft dem Weinbau zu entziehen, teilt das Ministerium mit. Auf lokaler Ebene gebe es ebenfalls zahlreiche Ansätze, so der Verband weiter. Im Landkreis Ludwigsburg seien das beispielsweise das Maßnahmenpapier des Kreises mit Handlungsempfehlungen und Hinweisen auf Fördermöglichkeiten, das Regionalbudget vom Verein Regionalentwicklung Neckarschleifen, die Förderung der Sanierung von Trockenmauern, die gemeinsame Vermarktung von Steillagenwein und die Unterstützung von Landtausch.
„Besonders interessant für die Verbindung von Weinbau, Landschaft und Tourismus ist der Ansatz gemeinschaftlicher Ausschank- und Bewirtungsanlagen im Außenbereich in einer Größenordnung von 80 Quadratmetern. Vorgeschlagen wird, dass Kommunen oder Genossenschaften solche Anlagen errichten und interessierten Weinbaubetrieben zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung stellen“, heißt es in der Vorlage des VRS, die im Planungsausschuss vor einigen Tagen Thema war.
Regionaler Zukunftspakt
Unterm Strich will der Verband daher den SPD-Antrag zwar aufgreifen, aber verändert. Statt ein weiteres Konzeptpapier zu erstellen, schlägt die VRS-Verwaltung das Verknüpfen bestehender Ansätze vor – auch über Kreisgrenzen hinweg. Für mögliche Hindernisse bei Genehmigungen und Einschränkungen durch die Regionalplanung will man gegebenenfalls Lösungen finden. Gelten soll das nicht nur für die Steillagen, sondern den gesamten Weinbau in der Region Stuttgart. Daher nennt der VRS die Idee nicht Steillagen-Masterplan sondern „Regionaler Zukunftspakt Weinlandschaft“. Der Pakt ist demnach als verbindlicher Rahmen gedacht, in dem die beteiligten Akteure ihr Handeln untereinander abstimmen. Und er soll „ein klares Zeichen für die Bedeutung und Zukunft der Weinlandschaften in der Region“ sein.
Um mehr vor allem touristische und gastronomische Nutzungen in den Weinbergen zu ermöglichen, hat der Verband ebenfalls einen Vorschlag: Wenn Projektideen blockiert werden durch Restriktionen, die die Regionalplanung vorgibt, könnte der VRS diese prüfen, Spielräume ausloten und die Hürden gegebenenfalls beseitigen. Zu prüfen seien dabei auch fach- und landesplanerische Vorgaben, etwa durch Landschaftsschutzgebiete und Landesentwicklungsplan, so der Verband. Auf regionaler Ebene gebe es dazu bereits politische Impulse
Ist die neue Stelle wirklich nötig?
Einen Steillagenkümmerer, wie von der SPD vorgeschlagen, sieht der Pakt ebenfalls vor, und Verbindungen zur Bundesgartenschau 2043, so die in der Region stattfindet. Die Regionalräte diskutierten die Vorlage in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses intensiv und stellten sie schließlich vorerst zurück. Grund sind damit verbundene Kosten. Das Gremium war sich nach Angaben des VRS unsicher, ob tatsächlich eine Stelle für den Kümmerer geschaffen werden soll. Nun würden vor allem auch noch finanzielle Details geklärt, bevor der Pakt zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Ausschuss kommt.