Kreis Ludwigsburg
: Neuer Geschäftsführer beim DRK

Alfred Kühn aus Dresden folgt auf Wolfgang Breidbach. Der 40-Jährige möchte Haupt- und Ehrenamt im DRK-Kreisverband stärker vernetzen und strebt eine Führung auf Augenhöhe an. 
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
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Bereichsleiter Steffen Schassberger (von links), der neue Geschäftsführer Alfred Kühn und Präsident Gerd Maisch beim Pressegespräch in der DRK-Kreisgeschäftsstelle.

/Martin Kalb

Seit 1. Juli hat der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuz (DRK) einen neuen Geschäftsführer: Alfred Kühn folgt damit auf Wolfgang Breidbach, der den Verband seit 2019 leitete und bei der Kreisversammlung im Oktober in den Ruhestand verabschiedet wird. Bei einem Pressegespräch am Dienstag hat Kühn sich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Seine Laufbahn im Rettungsdienst begann vor rund 15 Jahren: Rettungsassistent, Ausbilder in Erster Hilfe, Notfallsanitäter, Praxisanleiter. Auch einen Bachelor-Abschluss in Gesundheitsökonomie kann der 40-Jährige vorweisen. Seine Berufserfahrungen bei den Johannitern, dem Arbeiter-Samariter-Bund und als Schichtleiter bei der Kassenärztlichen Vereinigung möchte er nun in seinem neuen Job einbringen. Alfred Kühn ist verheiratet, Vater einer zweijährigen Tochter und stammt aus Dresden.

Haupt- und Ehrenamt stärken

Sein Ziel: Dafür zu sorgen, dass es auch künftig Menschen im Kreis gibt, die füreinander da sind. Dafür möchte er die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt stärken, etwa durch gemeinsame Fortbildung und Events, neue Projekte auf den Weg bringen, Verwaltungsprozesse digitalisieren und die Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz prüfen.

Kühn lebt seit Kurzem mit seiner Familie in Bönnigheim und fühlt sich dort herzlich und gut aufgenommen. Er habe auch schon bei einer Blutspende in Erligheim vorbeigeschaut und sei vom dortigen familiären Engagement begeistert.

Rund 330 hauptamtlichen Mitarbeitern stehen in den Ortsvereinen des Kreises etwa 3000 Ehrenamtliche und 24.000 Fördermitgliedern gegenüber. Auch die Ehrenamtlichen seien unverzichtbar bei Veranstaltungen und bei Blutspenden, betonte DRK-Präsident Gerd Maisch. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ nächste Woche in Bietigheim-Bissingen werden zum Beispiel 14 Ehrenamtliche aus dem Schulsanitätsbereich und Azubis aus der Notfallrettung zusammenarbeiten. Zwei Drittel der 38 Ortsverbände hätten zudem ein Jugendrotkreuz, dadurch sei auch der Nachwuchs des DRK gesichert. Die Blutspender hielten dem Verband seit Jahren die Treue. Die Möglichkeit, einen Termin zu buchen, werde positiv wahrgenommen.

Der Verband sei finanziell auch weiterhin auf Förderer angewiesen. Die Haustürwerbung funktioniere im Kreis – im Gegensatz zu Stuttgart oder Mannheim – gut und ermögliche es, den Menschen das breite Aufgabenspektrum des DRK zu vermitteln. Neben Krankentransporten, Sanitätsdiensten und Blaulicht-Einsätzen engagiere sich das Rote Kreuz auch in der Schulsozialarbeit, bei der Flüchtlingsbetreuung, bei Kurse für jugendliche Straffällige und beim Menüservice. „Die schlanke Geschäftsstelle ist gut aufgestellt“, fand Maisch.

Das finanzielle Volumen des Kreisverbands beträgt rund 20 Millionen Euro. Die finanziellen Altlasten von rund 6 Millionen Euro seien zwar nicht abgearbeitet, der Verband sei aber „auf gutem Kurs“, so der Präsident. In 2023 und 2024 sei jeweils ein kleiner Überschuss von rund 100.000 Euro erwirtschaftet worden. Dennoch geht Maisch davon aus, dass die Altlasten den Verband noch etliche Jahre belasten werden.

„In gutem Fahrwasser“

Angesichts der angespannten Haushaltslage des Landkreises, geht Maisch davon aus, dass das DRK künftig nicht mehr alle Aufgaben in der jetzigen Form werde weiterführen können – etwa die Migrationsberatung von Erwachsenen. Das Projekt wird bisher von Kreis und Stadt Ludwigsburg gefördert. Wenn die Förderung nicht mehr in ausreichender Höhe erfolge, müssten sich die drei Träger des Projekts überlegen, „ob man es noch voll gewährleisten kann“, sagte Maisch.

Der Fall einer früheren Mitarbeiterin, die versucht haben soll, Kollegen mithilfe von Medikamenten zu vergiften, werde ab dem 11. August am Landgericht Heilbronn verhandelt. Das DRK unterstütze die Betroffenen, habe mit der Klage aber nichts weiter zu tun.

Von den Auseinandersetzungen und Arbeitsgerichtsprozessen von vor einigen Jahren sei der Kreisverband mittlerweile weit entfernt, sagte Maisch: „Der Verband ist in einem stabilen, guten Fahrwasser“. Der neue Geschäftsführer, der sich auch mit der Vergangenheit des Verbands beschäftigt hat, will auf eine Führung auf Augenhöhe, Mitbestimmung der Mitarbeiter und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat setzen.