Kreis Ludwigsburg
: Loblied auf den neuen Jahrgang

Für die Wengerter in der Region war die diesjährige Lese ein „Traumherbst“. Die Qualität gilt als herausragend. Hitze und Trockenheit stellten sie aber vor Herausforderungen.
Von
Michael Soltys
Ludwigsburg
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Die Wengerter – im Bild die Weinlese in Hessigheim – in der Region sind mit dem diesjährigen Weinjahrgang sehr zufrieden,

/Martin Kalb

Wenn die Wengerter der Region in diesen Tagen durch die Keller gehen, um das Ergebnis der Lese zu betrachten, dann fallen Worte wie „phänomenal“, „krass“, „herausragend“. Ihr Loblied auf die Qualität des Jahrgangs 2026 fällt einmütig aus. Der heiße und trockene Sommer und das stabile warme Wetter zur Zeit der Lese haben Trauben von ganz ungewöhnlicher Qualität hervorgebracht. „Es war ein Traumherbst“, sagt Christian Dautel vom gleichnamigen privaten Weingut aus Bönnigheim.

Frost? Fäulnis? Hagel? Schädlinge? Alles kein Problem in diesem Jahr. Die Trauben konnten bei perfekter Gesundheit und optimaler Reife geerntet werden, berichten die Wengerter übereinstimmend. Thomas Eberbach, Kellermeister der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, ist seit 30 Jahren im Geschäft. „Es gab wenig Herbste, die ich so erlebt habe“, sagt er. Der Wermutstropfen: Es ist ein mengenmäßig kleiner Jahrgang, der in den Kellern gelandet ist, die Erträge liegen klar unter dem Durchschnitt.

So früh wie nie

So früh wie nie haben die Wengerter mit der Lese begonnen, im Schnitt „vier Wochen früher als der Standard“, stellt Dietrich Rembold fest, Vorstandschef der Lauffener Weingärtner. Immer weiter war der Lesebeginn als Folge des Klimawandels bereits in den letzten Jahren nach vorne gerückt. Doch „ein solch früher Beginn war vor zehn Jahren noch unvorstellbar“, sagt Thomas Eberbach. Dass eine so spät reifende Sorte wie der Trollinger schon im September gelesen werden konnte, ist auch für ihn eine neue Erfahrung.

Schon am 20. August rückte die erste Lesemannschaft im Weingaut Dautel in die Weinberge aus. Selbst Weine für die Spitzenerzeugnisse wurden sehr früh in den Keller gebracht. Denn mit der Zunahme von Öchsle in den Beeren droht auch ein Zuviel an Alkohol. Die Lese war deshalb eine „Gratwanderung“, berichtet Christian Dautel, um den optimalen Reifezeitpunkt zu erwischen, aber überreife, kopflastige Weine zu vermeiden. Frische und Frucht sind vor allem bei den Weißweinen gewünscht. Dieses Ziel haben die Weingärtner Stromberg-Zabergäu erreicht, ist Thomas Eberbach überzeugt: „Ich sehe nicht, dass die Weine zu alkohollastig sind.“

Die Folgen der Hitze und der frühe Lesebeginn haben die Wengerter noch vor weitere Herausforderungen gestellt. Das begann für Christian Dautel bei der Gewinnung von Personal mitten in der Ferienzeit. Schlagkräftigkeit war gefordert, denn viele Trauben wurden zur gleichen Zeit reif. „Die Entwicklung war schnell und kompakt“, sagt Christian Dautel. „Schlag auf Schlag“ mussten verschiedene Rebsorten eingeholt und verarbeitet werden. „Man braucht mehr Tanks“, schildert er die Folgen.

Kühl sollten die Trauben ebenfalls sein, wenn sie angeliefert werden, um die optimale Gärtemperatur zu erreichen, auch das eine Herausforderung. Die Annahmestellen der Weingärtner Stromberg-Zabergäu wurden deshalb schon sehr früh am Tag geöffnet. „Die Verarbeitung musste sehr, sehr schnell gehen“, sagt Thomas Eberbach.

Maschinen nachts unterwegs

Ein Vorteil der Trockenheit: Der Boden war so fest, dass die Lauffener Wengerter auch dort maschinell lesen konnten, wo früher wegen der steilen Lage Handarbeit notwendig war. Sogar in der Nacht waren die Maschinen unterwegs, „das war ein Riesenvorteil“, berichtet Vorstandschef Dietrich Rembold. Denn am Nachmittag war von den Lesemannschaften wegen der Hitze im Weinberg „nicht mehr viel zu erwarten“.

Was aber können die Weinliebhaber erwarten? „Wir werden mehr Qualität auf die Flasche bringen“, sagt Thomas Eberbach. Vielschichtige Weine mit „großem Fruchtspiel“ und eleganten Gerbstoffen. Besonders gut dürfte der Lemberger in diesem Jahr gelingen, hofft er. Die für Württemberg so typische rote Rebsorte ist auch für Christian Dautel ein Gewinner des diesjährigen Jahrgangs. Der Chardonnay des Weinguts werde ebenfalls „superstark“, hofft er.

Dietrich Rembold kann nur staunen über die Qualität, die beispielsweise der Trollinger im Mundelsheimer Käsberg erreicht hat. Vollkommen gesunde Beeren mit im Schnitt 80 Grad Öchsle, während sonst schon 65 Öchsle für zufriedene Mienen sorgten: „Das ist der Hammer“, sagt er.