Kreis Ludwigsburg: Kreis bietet Unterstützung für mehr Lademöglichkeiten

Ladestationen für Elektroautos in der Ludwigsburger Straße in Bissingen.
/Martin KalbMit einem neuen Konzept für die Ladeinfrastruktur will die Kreisverwaltung Städte und Gemeinden beim Ausbau von Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge gezielt unterstützen. Das Konzept wurde im Ausschuss für Umwelt und Technik vorgestellt.
Innerhalb von fünf Jahren hat sich nach Angaben des Landratsamtes die Zahl batterieelektrischer Fahrzeuge im Landkreis Ludwigsburg mehr als verfünffacht – von 2639 im Jahr 2020 auf knapp 15.000 im Oktober 2025. Die Entwicklung bei den E-Autos spiegle nach Ansicht des Landratsamtes einen „grundlegenden Wandel im Mobilitätsverhalten“ wider und dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Zum Vergleich: Gemeldet waren 2025 laut Statistischen Landesamt im Kreis rund 415.570 Kraftfahrzeuge, davon rund 342.000 Pkw.
900 öffentliche Ladepunkte
Mit dem steigenden Anteil an Elektroautos wachse auch der Bedarf an öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten, so Marvin Wachter vom Fachbereich Klimaschutz und Nachhaltige Mobilität, der das Konzept im Ausschuss vorstellte. Während viele frühe Nutzer ihre Fahrzeuge noch zu Hause laden konnten, seien zunehmend Menschen ohne eigene Stellplätze auf ein dichtes Netz öffentlicher Ladepunkte angewiesen. Das Landratsamt gibt 900 öffentlich zugängliche Ladepunkte im gesamten Landkreis an und geht mit kostenfreien Ladestationen in der Tiefgarage des Kreishauses als positives Beispiel voran. Exakt an dieser Stelle setzt das neue Konzept an.
So komme den Städten und Gemeinden eine zentrale Rolle beim Ausbau der Ladeinfrastruktur zu, „bei ihnen liegt die Federführung“, betonte Landrat Dietmar Allgaier in der Sitzung. Sie würden über Flächen im öffentlichen Raum entscheiden und seien damit Schlüsselakteure der Verkehrswende. Gleichzeitig stehen viele Kommunen jedoch vor personellen, fachlichen und vor allem finanziellen Herausforderungen, so Wachter.
Um die Kommunen gezielt zu unterstützen, gab es vom Landkreis aus bereits im vergangenen Jahr eine Umfrage unter allen 39 Kreiskommunen. Das Ergebnis: großes Interesse am Ausbau – aber auch ein deutlicher Unterstützungsbedarf.
Hilfe bei Standortauswahl
Darauf aufbauend wurde das Ladeinfrastrukturkonzept entwickelt. Es liefert nicht nur einen Überblick über den aktuellen Stand, sondern zeigt auch den zukünftigen Bedarf und konkrete Handlungsschritte auf. Ergänzend wurden für 21 Kommunen individuelle Steckbriefe erstellt, die lokale Gegebenheiten und Prognosen detailliert darstellen. Das Konzept geht über die Analyse hinaus. Der Landkreis plant eine Reihe konkreter Unterstützungsangebote. Dazu zählen unter anderem Hilfen bei der Standortwahl neuer Ladesäulen, Unterstützung bei Ausschreibungen sowie Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit.
Darüber hinaus sollen Kommunen stärker miteinander vernetzt werden, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Auch private Akteure wie Unternehmen oder Wohnungseigentümer sollen gezielt angesprochen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Beobachtung der Entwicklung. Da sich Elektromobilität dynamisch verändere, sei eine regelmäßige Aktualisierung der Planungen vorgesehen. Die Erstellung des Konzepts verursachte keine externen Kosten. Während vergleichbare Studien bis zu 100.000 Euro kosten können, wurde das Ludwigsburger Konzept intern erarbeitet und durch Fördermittel des Landes unterstützt.
Nur Schützenhilfe
In der Aussprache zog sich allerdings ein kritischer Unterton durch die ganzen Beiträge – mit einem Tenor: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur liege in den Händen der Städte und Gemeinden, der Landkreis biete dazu die nötige Schützenhilfe. Boris Seitz (FW) stellte die grundsätzliche Frage, ob dies überhaupt eine Aufgabe des Landkreises sei, und man den Aufbau einer solchen Infrastruktur nicht dem Markt überlassen solle. In die gleiche Kerbe schlug Jochen Biesinger von der CDU. Angesichts der Haushaltskonsolidierung müsse man sich fragen, wo man sich noch weiter engagieren wolle.
„Die Infrastruktur ist besser als ihr Ruf“, befand Matthias Häcker von den Grünen, gleichwohl müsse man weiter ausbauen. Carmen Dötterer (FDP) warnte davor, sich trotz Konzept nicht zu stark festzulegen, um Forschung und Entwicklung nicht auszubremsen. „Es fehlt am Netzausbau“, monierte Peter Schimke (LuV). Kämen zur Ladeinfrastruktur noch E-Heizungen und Wärmepumpen hinzu, könne der Strombedarf gar nicht gedeckt werden.