Kreis Ludwigsburg: Krankenstand auf Vorjahresniveau

Die meisten Krankschreibungen bei den DAK-Versicherten gingen im ersten Halbjahr auf Krankheiten des Atmungssystems zurück.
dpa/Philip DulianDer Krankenstand betrug bei den versicherten Beschäftigten der DAK im Landkreis Ludwigsburg im ersten Halbjahr 4,7 Prozent. Er lag damit 0,2 Prozent unter dem landesweiten Durchschnitt, im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr war er aber um 2 Prozent gestiegen.
Der Krankenstand im Kreis bewegt sich nach Einschätzung der Ärzteschaft überwiegend auf Vorjahresniveau, sagt die Vorsitzende der Kreisärzteschaft, Dr. Carola Maitra: „Wir sehen neben dem ‚üblichen’ Krankheitsspektrum saisonbedingt jetzt auch eine Zunahme von Konsultationen infolge von Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten sowie eine leichte Zunahme an Corona-Infektionen, die aber rein zahlenmäßig noch keinen wesentlichen Anteil an den Krankschreibungen ausmachen.“
In der Krankheitsstatistik des Landesgesundheitsamtes sei eine deutliche Häufung an Keuchhustenfällen auffällig. Darüber hinaus ist laut Maitra aber festzuhalten, dass durch die jetzt flächendeckende elektronische Weitergabe von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auch viele Fälle in die Auswertung eingehen, die früher gar nicht erfasst wurden, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter infolge eines grippalen Infektes eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhält, die er aber aufgrund einer Besserung seines Befindens gar nicht in Anspruch nimmt. Dies wäre früher unter den Tisch gefallen, mit der vollständigen Meldung wird dies jedoch erfasst und damit künstlich der Krankenstand erweitert.
Weniger Long-Covid
Maitra sieht eine leichte Zunahme an Corona-Infektionen. Covid selbst habe sich inzwischen eingependelt. „Glücklicherweise sehen wir auch weniger Long-Covid-Fälle als wir in der Pandemie ursprünglich befürchtet haben, sodass diese Patientengruppe einen geringen Anteil am Krankenstand im Kreis hat“, sagt Maitra.
Als Schutzmaßnahmen empfiehlt Maitra Abstand zu halten und – bei besonderer Gefährdung – auch das Tragen von Masken. Das Waschen der Hände sei ebenso effektiv wie die Desinfektion. Darüber hinaus seien Maßnahmen geeignet, die die Abwehrkräfte stärken: gute Ernährung, eine ausreichende Trinkmenge, das Meiden oder besondere Schutzmaßnahmen in Bereichen hoher Infektgefährdung (Menschenansammlungen oder überfüllte Transportmittel). „Weiterhin schützen natürlich die Impfungen gegen Grippe und Corona“, sagt Maitra. Impfungen könnten im Rahmen betrieblicher Maßnahmen gefördert werden.
Laut DAK sind Erkrankungen des Atmungssystems die häufigste Ursache. Maitra führt dies auf die Jahreszeit zurück. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems hätten schon immer zu den „Spitzengründen“ für Krankschreibungen gehört. Ein wichtiger Teilaspekt sei mangelnde Bewegung. Bewegung und sportliche Tätigkeit würden dazu beitragen, auch langfristig die Problematik zu mindern. Ebenfalls sind psychische Erkrankungen vor allem dadurch ein wichtiger Punkt, weil ihr Verlauf langwierig ist. Maitra: „Auch hier sehen wir gefühlt eine Zunahme, die möglicherweise durch die hohe emotionale und seelische Belastung in der Corona-Zeit ausgelöst wurde.“
Im Landratsamt Ludwigsburg lag die Zahl der Erkrankungen in den Vorjahren laut Sprecher Andreas Fritz „stets im Rahmen der Statistiken der Krankenkassen“. Das Landratsamt sei weder ein Ausreißer nach oben noch gesünder als der Landesdurchschnitt. Bei den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen lag die Quote bei rund sechs Prozent – insbesondere Grippeerkrankungen haben laut Ute Grothe daran einen großen Anteil.
Und wie schaut es mit den Krankmeldungen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels aus? Das kurzzeitige Fehlen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch eine Erkrankung kann und muss von den Kolleginnen und Kollegen aufgefangen werden, sagt Fritz. Dies stelle eine zusätzliche Belastung dar und bedeutet eine längere Bearbeitungszeit von Anträgen und Aufgaben.
Keine Chance auf Vertretung
Mittelfristige Erkrankungen seien schwer aufzufangen, da die Mitarbeiter für einige Wochen ausfallen. Es bestehe aufgrund der nur kurzen Befristungsmöglichkeit keine Chance, auf dem Arbeitsmarkt eine Krankheitsvertretung zu finden. „Wir arbeiten in diesen Fällen mit Aufstockung des Beschäftigungsumfanges von teilzeitbeschäftigten Kolleginnen und Kollegen“, sagt er. Langfristig Erkrankte stellten eine besondere arbeitsrechtliche Schwierigkeit dar, da hier zwischen einer möglichen Genesung und einer krankheitsbedingten Kündigung abzuwägen sei.
„Aktuell können wir alle geforderten Aufgaben erledigen“, heißt es von den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen. Bei Erkrankungswellen könnte es zu Verzögerungen bei Bearbeitungen und Bauarbeiten kommen, sollten Krankenstände länger anhalten.
Das Landratsamt bietet seinen Mitarbeitern zahlreiche Gesundheitskurse, Informationsveranstaltungen, Gesundheitstage, Kooperationen und ein strukturiertes Eingliederungsmanagement an.
Bei den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen können Mitarbeiter eine Massage buchen, über die Gesundheitskarte in den Freizeiteinrichtungen schwimmen, saunieren und trainieren. Zudem gibt es mit einem Laufteam und einem Volleyballteam weitere Möglichkeiten der gesundheitlichen Vorsorge. Auch ein Gesundheitstag sei veranstaltet worden.