Kreis Ludwigsburg
: Krank ohne Versicherung

 Tausende Menschen im Land sind ohne Krankenversicherung. Das hat die unterschiedlichsten Gründe. Ein Arzt aus dem Landkreis mahnt nun, dass mehr für sie getan werden muss. In Stuttgart gibt es ein Behandlungsangebot und dort soll nun auch ein Beratungsangebot entstehen. Es wäre das erste in der Region
Von
Frank Ruppert
Ludwigsburg
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Ein Teil der Menschen ohne Krankenversicherung sind Migranten. Mancherorts gibt es eigens Behandlungsangebote für sie, in der Region soll nun auch eine Beratungsstelle entstehen.

Imago//Caroline Seidel

Es ist häufiger als man denkt“, sagt Dr. Robin Maitra. Der Hemminger Arzt ist Menschenrechtsbeauftragter der Landesärztekammer und hat sich als solcher kürzlich dafür ausgesprochen, dass mehr für sogenannte „Papierlose“ getan wird. Damit werden Menschen bezeichnet, die keine Krankenversicherung haben. „Eigentlich sind wir in Deutschland diesbezüglich ganz gut aufgestellt, weil die allermeisten Menschen krankenversichert sind, aber es gibt eben auch einige, die keine Versicherung haben und für die muss es mehr Angebote geben“, fordert Maitra.

Laut dem Statistischen Bundesamt gibt es etwa 61 000 Menschen, die keine Krankenversicherung haben. Eine große Gruppe ohne Versicherung seien geflüchtete Menschen, die nicht im System sind, so Maitra. Auch Menschen aus neuen EU-Ländern sind unter denen, die keine Krankenversicherung haben. Aber auch Sex-Arbeiter, Obdachlose oder Menschen, die sich ihre Privatversicherung nicht mehr leisten können, seien nicht selten ohne Versicherungsschutz.

„Erst mal macht das für Ärzte in der Regel keinen Unterschied“, sagt Maitra. Wenn ein Obdachloser mit „offenen Beinen“ käme, werde er behandelt und die ärztlichen Kollegen würden das in der Regel ohne Honorar machen; aber problematisch werde es bei weiteren Behandlungen oder wenn Medikamente nötig würden.

Für solche Fälle gebe es in Baden-Württemberg zu wenig Unterstützung. Deshalb hat die Landesregierung kürzlich 400 000 Euro für neun Modellprojekte ausgegeben, die das ändern sollen. In sogenannten Clearingstellen oder anderen Einrichtungen, soll versucht werden, die Menschen wieder in eine Krankenversicherung zu bringen. Auch ein anonymer Behandlungsschein soll möglich sein, etwa für Sex-Arbeiter oder andere, die ihre Identität nicht preisgeben wollen. Diese Behandlung könnte dann über einen separaten Topf bezahlt werden.

Nächste Stelle ist in der Landeshauptstadt

Im Landkreis gibt es eine solche Einrichtung bislang nicht. In Stuttgart sollen die Malteser nun eine Clearingstelle aufbauen, das wäre die nächstgelegene für Menschen aus dem Kreis. In Baden-Württemberg bieten die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM für Malteser Migranten Medizin) seit 2008 in Stuttgart und seit 2014 auch in Mannheim an. Allein an diesen beiden Standorten führen werden jährlich rund 1500 Behandlungen durchgeführt.

Regine Martis-Cisic, die bei den Maltesern Stuttgart verantwortlich für den Aufbau der Clearingstelle und die MMM ist, erklärt, dass zu MMM Patienten aus Stuttgart und darüber hinaus kommen, die Behandlung brauchen, aber keine Krankenversicherung haben. Mit ehrenamtlichen Ärzten und Pflegekräften bietet man dort eine wöchentliche Sprechstunde ohne Voranmeldung an. Etwa 300 Patienten nutzen jährlich das Angebot, zu dem auch eine Sprechstunde bei einer Frauenärztin gehört. Hauptsächlich Schwangere (40 bis 50 pro Jahr) werden dort anonym behandelt.

Den größten Teil der Patienten machen Menschen aus neuen EU-Ländern wie Rumänien oder Bulgarien aus. Die würden hier oft ohne Sozialversicherung arbeiten oder hätten in ihrer Heimat schon keine Krankenversicherung. Auch Menschen, die vorher privat versichert waren und sich die Beiträge nicht mehr leisten können, Menschen aus Asien, Afrika und dem ehemaligen Jugoslawien gehören zu den Patienten bei MMM.

Regine Martis-Cisic schränkt aber ein, dass sie nun keine Clearingstelle für die ganze Region einrichten werden. Sie haben nur das Geld für eine 50-Prozent-Stelle und wollen vor allem Menschen bei MMM Fachberatung über die Krankenversicherung geben. Dennoch sei auch gemeinsam mit dem Mannheimer Standort eine Telefonhotline geplant.

Für Maitra sind die Modellprojekte wie nun in Stuttgart ein erster Schritt, gleichzeitig warnt die Ärztekammer davor alles wieder auf den Schultern Ehrenamtlicher zu belassen.