Kreis Ludwigsburg
: Kinderschutzbund sucht Brückenbauer

Für den Begleiteten Umgang von getrennt lebenden Eltern mit ihren Kindern ist der Verein auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen und einer sozialpädagogische Fachkraft für den Kreis Ludwigsburg.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
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Das Wohl der Kinder immer im Blick (von links): die erste Vorsitzende des Orts- und Kreisverbands Ludwigsburg des Kinderschutzbundes Christa Holtzhausen, die Sozialpädagoginnen Ulrike Ballschmieter und Stefanie Wilbert-Simon.

/Oliver Bürkle

Wenn Eltern sich trennen, kann der Blick auf die Bedürfnisse der Kinder in den Hintergrund geraten. Wenn es zum Beispiel Probleme beim Umgang gibt, kann der Kinderschutzbund helfen. Beim Begleiteten Umgang trifft das Kind den Elternteil, mit dem es nicht zusammenlebt, in Begleitung einer neutralen dritten Person. Das Team aus Ludwigsburg sucht Unterstützung – sowohl Ehrenamtliche als auch eine hauptamtliche Fachkraft.

„Manchmal braucht es nur einen Anstoß, damit sich die durch Konflikte hochverletzten Eltern von der Paarebene wieder auf die Elternebene begeben können“, sagt Sozialpädagogin Stefanie Wilbert-Simon. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Ballschmieter hilft sie seit fünfeinhalb Jahren Kindern dabei, in geschütztem Rahmen Kontakt zu beiden Eltern auszuüben. Derzeit sind es rund 30 Paare, die zum Begleiteten Umgang nach Ludwigsburg kommen. Schmieter und Wilbert-Simon vermuten, dass der Bedarf im Kreis deutlich höher liegt.

Treffen im Spielzimmer

Ein Treffen zwischen Elternteil und Kind dauert rund zwei Stunden. In dieser Zeit wird im Spielzimmer gespielt, ein Eis gegessen oder auch mal ein Spaziergang durchs Blüba unternommen. Mit dabei ist eine neutrale Person, zu Beginn eine der Fachkräfte, später übernimmt diese Aufgabe ein Ehrenamtlicher. Manche Eltern brauchen bei den Treffen Hilfe, weil sie zum Beispiel nicht geübt darin sind, mit einem Kind zu spielen – wie der Vater, der sein vierjähriges Kind zum ersten Mal beim Kinderschutzbund traf. Bei anderen Paaren reiche es, im Hintergrund anwesend zu sein.

Als Ehrenamtlicher „braucht man ein Gespür dafür, wann die Funktion als Brückenbauer erfüllt ist“, sagt Ballschmieter. Da sein, beobachten, wahrnehmen: Dabei schauen die Begleiter vor allem darauf, ob es ein ehrliches Interesse am Umgang mit dem Kind gibt und dessen Bedürfnisse erkannt werden. Eine zu nahe Verbindung sollen die Ehrenamtlichen zu den Kindern jedoch nicht aufbauen, denn der Umgang des Elternteils mit dem Kind steht im Mittelpunkt. Kommt es bei den Treffen zu einem Konflikt, sollte dieser so schnell wie möglich und zum Wohl des Kindes beendet werden.

In zunächst zwölf Treffen, die sich etwa über ein halbes Jahr lang erstrecken, wird der Umgang geübt. Oft geht es dann in die Verlängerung mit weiteren Treffen. Hinzu kommen Eltern- und manchmal auch Kindergespräche. Das Ziel: Die Eltern sollen lernen, den Umgang zwischen dem Kind und dem Umgangsberechtigten eigenverantwortlich zu gestalten.

Ob der Prozess erfolgreich ist, hängt von den Familien ab, „es gelingt nicht mit allen“, sagt Wilbert-Simon. Eine Öffnung gelang einer Familie zum Beispiel nach vier Jahren. „Wir geben den Eltern Zeit, hier zu wachsen und wieder Vertrauen zu fassen“, sagt die Sozialpädagogin.

Häusliche Gewalt

Der Begleitete Umgang ist eine Maßnahme der Jugendhilfe und für die Eltern kostenfrei. Ein Begleiteter Umgang kann von den Eltern über ihr zuständiges Jugendamt oder auf Beschluss des Familiengerichts eingeleitet werden.

„Gestritten wird in allen Schichten der Gesellschaft“, sagt Wilbert-Simon. Oft stehen die Elternteile an unterschiedlichen Stellen der Trennungsverarbeitung, was den Umgang erschwert. In anderen Fällen gebe es häusliche Gewalt. „Wir sind alle Menschen und wir nehmen alle an, wie sie kommen“, sagt Ballschmieter. Oberstes Ziel sei immer das Wohl des Kindes.

„Die Kinder haben hier das letzte Wort“

Die Arbeit des Kinderschutzbundes ist systemisch ausgerichtet, die beiden engagierten Sozialpädagoginnen vertrauen dabei auf ihre langjährige Erfahrung. Bei den Terminen wird zum Beispiel geklärt, wo, wie lange und wann das nächste Treffen stattfinden soll, was gemacht werden soll, was das Kind mitbringen muss und wie anschließend die Rückführung erfolgen soll. „Das Wieso und Weshalb lassen wir weg“, sagt Wilbert-Simon pragmatisch. Eines ist den beiden wichtig: „Die Kinder haben hier das letzte Wort“, sagt Ballschmieter. Wenn ein Kind mehrfach sagt, dass es den Umgang nicht möchte, werde es dazu auch nicht gezwungen. Ältere Kinder werden bei Abschlussvereinbarungen aktiv miteinbezogen.

Der Kinderschutzbund berichtet an das Jugendamt, das wiederum vom Gericht beauftragt wurde. „Wir sind keine Gutachter“, betont Wilbert-Simon, „wir stellen eine Hypothese auf“. Entscheidungen trifft das Jugendgericht, finanziert wird der Begleitete Umgang von der Jugendhilfe.

Wer sich als Ehrenamtlicher beim Begleiteten Umgang engagieren möchte, muss eine 50-stündige Schulung absolvieren, die nächsten starten im Januar und Oktober 2024. Im Vorfeld können Interessierte an einem Mentorenprogramm teilnehmen und erste praktische Erfahrungen mit Familien sammeln.

Männer und Frauen, Jüngere und Ältere, zwischen 15 und 20 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit beim Begleiteten Umgang. Organisatorisch übernehmen sie keine Verantwortung. Aber sie sollten alle zwei Wochen am Nachmittag zwei Stunden Zeit für die Einsätze mit den Familien haben, wobei sie festen Familien zugeordnet werden. Hinzu kommen alle sechs bis acht Wochen Supervisionen und viermal pro Jahr kollegiale Treffen. „Wir brauchen Verlässlichkeit“, betont Ulrike Ballschmieter. Als hilfreich empfindet sie es, wenn Ehrenamtliche andere kulturelle Erfahrungen einbringen.

„Wir brauchen Verlässlichkeit“

Wenn Pflegekinder im Beisein ihrer Pflegeeltern zum Beispiel auf die leibliche Mutter treffen, „kommen für sie zwei Welten zusammen“, sagt Wilbert-Simon. Für die Betreuung für den Begleiteten Umgang mit Pflegekindern sucht der Kinderschutzbund eine sozialpädagogische Fachkraft, sagt die erste Vorsitzende des Orts- und Kreisverbands Ludwigsburg des Kinderschutzbundes, Christa Holtzhausen. Denn der Kinderschutzbund ist der einzige Träger im Land, der diese Fälle des Begleiteten Umgangs ausschließlich durch Fachkräfte betreuen lässt, da es bei den Kindern viele Traumaerfahrungen gebe, sagt Ballschmieter. Darüber hinaus hätten Pflegeeltern oft die Befürchtung, dass die leiblichen Eltern das Kind zurücknehmen wollten. Ein wichtiger Schritt sei getan, wenn die Pflegemutter zur Brückenbauerin für die leibliche Mutter werde.