Kreis Ludwigsburg: Kein Gipfelbuch auf dem Baiselsberg

Wolken am „Gipfel“: Die höchste Erhebung im Höhenzug Stromberg ist der Baiselsberg (links) mit rund 477 Metern überm Meeresspiegel. Im Hintergrund Sachsenheims Stadtteil Spielberg.
/Martin KalbWelcher ist der höchste Berg im Landkreis Ludwigsburg? Eine alte Anekdote besagt, es sei der Hohenasperg, der bisweilen auch als „höchster Berg Württembergs“ oder gar Deutschlands bezeichnet wird. Der freistehende Hügel ist zwar nur 365 Meter hoch und in gut zehn Minuten ist man oben. Aber es kann Jahre dauern, wieder hinunterzukommen. Denn seit dem Mittelalter befindet sich in der Festung auf dem Hügel bei der Stadt Asperg ein Gefängnis.
Sind das tatsächlich Berge in unserer Region? Es gibt die Gipfel im Naturpark Stromberg-Heuchelberg, die bis 477 Meter über dem Meeresspiegel beziehungsweise dem Normalhöhennull (m ü. NHN) hoch sind oder den Höhenzug der Gerlinger Schillerhöhe (bis etwas über 500 m.ü.NHN) und die Löwensteiner Berge (bis 561 m. ü. NHN).
Für die Sommerserie „Rekorde in der Region“ hat sich die BZ auf die Suche nach dem höchsten und tiefsten Punkt im Landkreis Ludwigsburg gemacht. Schwerer als gedacht, denn auch Experten haben Mühe, diese Stellen, auch wenn sie zum Beispiel in Wikipedia genannt werden, zu identifizieren oder zu verifizieren.
Bergdorf Prevorst: Ziel vieler Ausflügler
Es gibt keine genaue geografische Abgrenzung beider Geländeformen Hügel (sanfte Bodenerhebung) und Berge (höhere, eigenständige und steilere Erhebung als ein Hügel), keine wissenschaftliche Definition. Die Unterscheidung variiert regional. Ab etwa 300 Metern Höhenunterschied zur Umgebung gilt in Deutschland eine Erhebung meist als Berg. Höher als an einen Punkt bei Prevorst, einem Ortsteil der Gemeinde Oberstenfeld, kommt man im Landkreis Ludwigsburg nicht. Prevorst ist eine Exklave im äußersten Nordwesten, die an die Löwensteiner Berge im Kreis Heilbronn grenzt.
Am Hang des Stocksbergs unterhalb des Jagdhauses befindet sich an der Landkreisgrenze der Punkt mit 517,5 Metern Höhe, der vom Landesamt für Geoinformation laut Wikipedia als höchste Stelle im Kreis Ludwigsburg angegeben wird. „Da kratzen wir an die 520er-Höhe“, bestätigt Tobias Bachert von der Bietigheimer Firma Geotechnik Südwest. Auf der topografischen Karte der LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) schaut der Geologe für die BZ nach.
Prevorst ist mit 482 Metern überm Meeresspiegel der höchstgelegene Ort im Landkreis Ludwigsburg, keiner in der Region ist dem Himmel näher als die rund 430 Prevorster. „In unserem Bergdorf lebt es sich perfekt“, schwärmt Eberhard Wolf, Ortsvorsteher von Prevorst. „Der Zusammenhalt ist groß, und es ist immer viel los, etwa mit Seifenkutschenrennen und Christbaummarkt“, so der 58-Jährige, der schon immer da oben wohnt. Viele Ausflügler, vor allem Radfahrer, besuchen am Wochenende die Gegend. An schneereichen Wintertagen zieht es viele Familien zum Schlittenfahren dorthin.
Der Gerlinger Wasserturm: Unscheinbar überragend
Wenn man es ganz genau nimmt, führt der Blick nach Gerlingen, der südlichst gelegenen Stadt im Landkreis Ludwigsburg. Dort, im Stadtteil Schillerhöhe, einem grünen Höhenzug mit bewaldeten Hügeln auf rund 500 Metern, liegt der höchste Punkt im Landkreis Ludwigsburg: die Spitze des Wasserturms (525 m.ü.NHN). Die höchstgelegene Stelle dort auf der Erde wird laut Jan-Philipp Heilig vom Bauamt Gerlingen bei genau 501,9 m.ü.NHN, in der Nähe des Restaurants Schillerhöhe und nicht weit vom Schloss Solitude entfernt, gemessen.
Baiselsberg: Der Höchste vom Stromberg
Als höchster „Berg“ im Landkreis Ludwigsburg wird auch der Baiselsberg am Fuße des Sachsenheimer Stadtteils Hohenhaslach mit einer Höhe von 477 oder genauer genommen 476,6 Metern überm Meeresspiegel genannt. In unserem Ranking belegt die Erhebung bezüglich der höchsten Stelle des Landkreises den dritten Platz. Aber immerhin gilt der Baiselsberg als höchster Punkt des waldreichen Höhenzugs Stromberg im Naturpark Stromberg-Heuchelberg.
Geologisch gehört der Stromberg zur schwäbischen Schichtstufenlandschaft zwischen Odenwald, Schwarzwald und Donau. Laut dem Vaihinger Landeskundler Friedrich Wißmann und seinem Text „Die Heimatlandschaft“ von 1972 sollte man die Erhebung statt Stromberg eigentlich als „Stromgebirge“ bezeichnen. Denn der Stromberg ist kein einzelner Berg, „sondern ein langgezogener Gebirgsstock“, ein Höhenzug, der überwiegend im nordwestlichen Landkreis Ludwigsburg und dem nordöstlichen Enzkreis liegt. Die nordöstliche Hälfte des Bergrückens gehört zu den Markungen der Sachsenheimer Dörfer Ochsenbach und Hohenhaslach, die südwestliche Hälfte zu Horrheim, einem Stadtteil von Vaihingen an der Enz.
Konrad Reuter vom Schwäbischen Albverein, Vorsitzender der Ortsgruppe Bietigheim-Bissingen, sagt, der Baiselsberg sei immer mal wieder Ausflugsziel der Wanderer. Denn dort im Wald befindet sich auch die Klosterruine Baiselsberg (430 Meter Höhe), eine Ausgrabungsstätte eines ehemaligen Nonnenklosters der Augustinerinnen aus dem 14. Jahrhundert. „Es ist schön, wenn am Wegesrand solche kulturellen Sehenswürdigkeiten zu entdecken sind“, so Reuter,
Christoph Kaup, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Sachsenheim, wohnt in Hohenhaslach im Kirbachtal und blickt täglich auf den höchsten der höchsten „Berge“ im Landkreis. „Die Lage unseres Ortes am Berg hat die negative Folge, dass die Regenmassen, die von Südwesten kommen, seitlich, also westlich am Baiselsberg, vorbeiziehen und wir somit oft sehnsüchtig auf den Regen warten.“ So seien die Böden Hohenhaslachs von Trockenheit betroffen. Stattdessen sei es auf der anderen Seite Richtung Häfnerhaslach und Sternenfels und auch bei Freudental viel feuchter.
Wanderungen am und auf den Baiselsberg seien sehr schattig und deshalb geeignet, wenn es heiß sei. Wer mehr Sonne mag, kann die Wege in den Weinbergen Hohenhaslachs hinauf zum Berg wählen, gibt Kaup einen Tipp für Wanderer. Auch eine beliebte Mountainbike-Strecke führt über den Baiselsberg. Am höchstgelegenen Punkt im Stromberg ist ein Steinhaufen angelegt mit einem Schild dieses Höhenrekords – aber freilich keinem Gipfelkreuz oder -buch wie in den Alpen. Die Aussicht auf das Umland ist hier größtenteils durch den Wald verdeckt.
Kirchheim: Tief im Dunkeln der Neckarfahrrinne
Und wo ist es in unserem Landkreis am niedrigsten? Der Neckar fließt wie jeder Fluss bergab. So ist es im Landkreis Ludwigsburg auch an der nördlichsten Stelle am tiefsten, im Dunkel des Neckarwassers nördlich von Kirchheim an der Grenze zum Heilbronner Land. Der Neckar ist durch seine Fahrrinne mindestens 2,80 Meter tief. Die tiefste Stelle befindet sich, zumindest laut LEO-BW, dem landeskundlichen Online-Informationssystem des Landesarchivs, auf 165, 5 Meter über dem Meeresspiegel.