Kreis Ludwigsburg
: Führerschein mit 26 Jahren?

Der Verkehrsforscher Andreas Knie will junge Männer am Steuer deutlich stärker regulieren. Der Grund: Sie bauen zu viele Unfälle, auch im Kreis Ludwigsburg.
Von
John Patrick Mikisch
Ludwigsburg
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Junge Autofahrer bauen besonders häufig Unfälle, oft weil sie zu schnell fahren. Laut Statistik gehen 27,6 Prozent aller Unfälle auf der Autobahn auf überhöhte Geschwindigkeit zurück. Bei schweren Unfällen liegt die Quote bei 25,7 Prozent.

IMAGO / Frank Sorge

Junge Autofahrer gelten seit langem als Hochrisikogruppe. Sie sind häufiger als andere in Verkehrsunfälle verwickelt und haben auch ein deutlich erhöhtes Risiko dabei zu sterben. Hauptursachen sind mangelnde Fahrpraxis und Risikofreude. Besonders junge Männer fallen durch riskante Fahrweisen auf. In den vergangenen Jahren häuften sich zudem Unfälle durch illegale Autorennen, die mitunter in spektakulären Unfällen endeten, bei denen Unbeteiligte getötet wurden.

Der Berliner Verkehrsforscher Andreas Knie fordert daher einen ganzen Maßnahmenkatalog, um die jungen Raser einzuhegen, notfalls sogar durch die Heraufsetzung des Führerscheinalters auf 26 Jahre für junge Männer.

„Das ist nur das allerletzte Mittel“, betont der Professor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Vorher gebe es viele andere Möglichkeiten, die Raserei auf deutschen Straßen zu beenden. Bei tödlichen Unfällen sei überhöhte Geschwindigkeit nach wie vor Unfallursache Nummer eins. Auch in der Unfallstatistik des Landkreis Ludwigsburg liegt so hohes Tempo bei den schweren Unfällen mit 25,7 Prozent weit vorne. Bei den Autobahnunfällen sind es sogar 27,6 Prozent.

Mehr Kontrollen, härtere Strafen

Dagegen helfen könnten laut Knie stärkere Verkehrskontrollen, ein Tempolimit sowie höhere Bußgelder und schnellerer und längerer Führerscheinentzug. Im internationalen Vergleich seien die Strafen bei Tempoverstößen in Deutschland immer noch zu gering. „Zu schnelles Fahren gilt hier immer noch als Verkehrsdelikt“, sagt Knie. Gerade bei jungen Männern.

Besonders ausgeprägt sei das in der hochmotorisierten Raserszene mit ihren „anachronistischen Männlichkeitsritualen“. Da diese häufig PS-starke Autos für ihre Rennen mieten, könnte ein Heraufsetzend er Ausleihalters für solche Fahrzeuge auf 26 Jahre helfen. Auch ein Stufenführerschein wie fürs Motorrad sei denkbar. Und als „letztes, wirklich allerletztes Mittel“ ein Führerschein für junge Männer erst ab 26 Jahre.

„Dazu fällt mir nix mehr sein“, sagt Peter Mann zu dem Vorschlag. Der 67-Jährige unterhält im Kreis vier Fahrschulstandorte und ist seit 1982 Fahrlehrer. Dann aber doch: „Wie passt das mit Plänen der Bundesregierung zusammen, das begleitete Fahren schon für Jugendliche ab 16 Jahre auszuweiten“, fragt Mann.

Jungen fehlt Vorerfahrung

Auch die Ausweitung von Verboten hält Mann nur für bedingt tauglich, um dem Problem Herr zu werden. „Die bringen ja nichts, wenn sie nicht kontrolliert werden“, sagt er. Sinnvoller sei Verkehrsaufklärung. Die, gibt er zu, hat aber auch ihre Grenzen. „Wenn ein junger Mann rasen will, macht er das trotz aller Warnungen.“ Auch wenn dieser weniger Autoerfahrung habe als früher.

Denn das sei in seiner Fahrschulpraxis ein deutlicher Trend: „Die Vorerfahrung und die Vorkenntnisse über den Umgang mit dem Auto und über das Verhalten im Straßenverkehr gehen zurück.“

Das liege einerseits am Zuzug aus außereuropäischen Ländern ohne Verkehrsinfrastruktur wie in Deutschland. Andererseits gebe es ein generell nachlassendes Interesse an Fahrtechnik, so Mann. „Die sind heute alle aufs Handy fixiert.“

Zumindest da stimmt Andreas Knie mit dem Fahrlehrer überein: „Das Ideal Auto ist auf dem Rückzug“, sagt der Soziologe. Ablesbar sei das auch an der rückläufigen Fahrleistung. „Die autoaffinen Babyboomer werden weniger. Die Autogesellschaft kommt in die Jahre“, so Knie. Das automatisierte oder autonome Fahren werde irgendwann kommen. Spätestens dann dürfte die Raserei vorbei sein.

Was über Raser im Kreis Ludwigsburg bekannt ist

Im Landkreis Ludwigsburg
 hat es laut Polizei in diesem Jahr drei registrierte Vorfälle mit Rasern gegeben, zuletzt Ende November als sich zwei 22 Jahre alte BMW-Fahrer mit stark überhöhter Geschwindigkeit ein Straßenrennen zwischen Ludwigsburg und Stuttgart lieferten.

Die Poser- und Tuningszene fiel demnach zuletzt 2021 verstärkt auf. Damals war die Polizei im Bereich Tammerfeld/Breuningerland im Einsatz, da deren Parkplätze nachts und am Wochenende von der Szene genutzt wurden. Ansonsten fallen demzufolge nur einzelne Autos durch Lautstärke oder Erscheinungsbild auf, die im Ludwigsburger Innenstadtbereich unterwegs seien und dann kontrolliert würden.