Kreis Ludwigsburg
: Felderbrände: schwer zu löschen

Immer häufiger brennen Acker in der Region. Die Wehren sind längst dafür gerüstet und dennoch ist die Brandbekämpfung in diesen Fällen außerordentlich herausfordernd.
Von
jpm
Ludwigsburg
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Wie hier 2019 bei einem Feldbrand bei Löchgau sind die Wehren des Kreises in letzter Zeit häufiger unterwegs, um Vegetationsbrände zu bekämpfen. Eine anstrengende und logistisch herausfordernde Aufgabe.

/ Helmut Pangerl

Von einer „signifikant hohen Anzahl an Vegetationsbränden“, spricht Kreisbrandmeister Andy Dorroch. In den letzten Wochen gab es im Kreis Ludwigsburg viel zu tun für die Wehren. Grund seien häufig Mähdrescher oder andere Fahrzeuge. Für die Feuerwehren sind Felderbrände besonders anspruchsvoll. „Wir müssen auf unerschlossenen Bereichen Löschwasser herbeiführen. Das bedeutet einen hohen Kräfte- und Materialaufwand“, sagt Dorroch.

Der Kreis ist vorbereitet

Dabei wenden die Floriansjünger eine spezielle Taktik an, die allen Wehren im Kreis bekannt sei. Wichtig beim Löschen von Äckern ist die Technik. Vier Abrollbehälter Löschwasser mit jeweils 10 000 Litern Löschwasser sind im Kreis verteilt. Je einen solchen gibt es in Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg, Remseck und Vaihingen. Diese kommen dann im ganzen Kreis zum Einsatz. Wie wichtig sie sind, hat man unter anderem zuletzt am Sonntag gesehen beim Brand zwischen Bietigheim und Löchgau. Da kam sogar ein zusätzlicher Abrollbehälter aus Ludwigsburg zum Einsatz.

Weil man auch bei den Feuerwehren in Zukunft vermehrt mit Felderbränden wegen des Klimawandels rechnet, hat man unter anderem auch kleinere Rollcontainer angeschafft, die mit speziellem Waldbrand- beziehungsweise Vegetationsbrand-Gerätschaften ausgestattet sind. „Dort sind spezielle Schläuche, Hacken, Feuerpatschen und Löschrucksäcke gelagert. Zusätzlich wird in diesem Jahr auch ein Ausbildungsmodul ,Vegetationsbrandbekämpfung’ und ,Waldbrandbekämpfung’ im Landkreis Ludwigsburg dauerhaft für die Feuerwehren des Kreises angeboten“, erklärt Dorroch.

Die Bönnigheimer Feuerwehr war erst kürzlich im Einsatz bei einem Vegetationsbrand. Ein Wochenendgrundstück stand bei Bönnigheim in Flammen. Dort brannte nach Auskunft des Bönnigheimer Feuerwehrkommandanten Mike Etzel eine Fläche von rund 150 Quadratmetern. Die Einsatzkräfte konnten den Brand rasch löschen. Eine Besonderheit bei solchen Einsätzen ist der Umstand, dass in der Regel keine Hydranten für die Wasserentnahme in unmittelbarer Nähe zum Einsatzort bereitstehen. Die Bönnigheimer Feuerwehr verfügt über drei Löschfahrzeuge, die in der Summe rund 4200 Liter Wasser mitführen.

Wenn ein Feld in Flammen steht, verwenden die Einsatzkräfte je nach Situation am Brandherd unter Umständen auch sogenannte D-Schläuche. Dies ist die kleinste Schlauchgröße. Damit kann man das Feuer wassersparend bekämpfen. Die Bönnigheimer Feuerwehr bereitet sich in entsprechenden Übungen explizit auch auf solche Einsätze vor. Sollte zur Brandbekämpfung mehr als die in den drei Löschfahrzeugen vorhandene Wassermenge benötigt werden, könne man, so Etzel weiter, auf die Abrollbehälter zurückgreifen, die kreisweit vorgehalten werden. Im Falle der Bönnigheimer Feuerwehr würde ein solcher Behälter von der Feuerwehr in Bietigheim-Bissingen angefordert.

Wind steigert Brandgefahr

Marcel Reinke, stellvertretender Feuerwehrkommandant der Sachsenheimer Feuerwehr und zugleich Großsachsenheimer Abteilungskommandant, berichtet, dass die Sachsenheimer Feuerwehr in diesem Jahr noch keinen Vegetationsbrand löschen musste. Gleichwohl sieht er auch eine zunehmende Brandgefahr durch die lange Trockenheit und große Hitze. Besondere Gefahren bei Vegetationsbränden seien unter anderem der Wind, durch den sich ein Feuer rasch und in unterschiedliche Richtungen ausbreiten könne.

Bei Wasserknappheit am Einsatzort würde man unter Umständen, je nach Szenario, einen Pendelverkehr der Löschfahrzeuge zum nächstgelegenen und geeigneten Hydranten einrichten, an dem das Löschfahrzeug wieder Wasser aufnehmen könne. Zudem kann die Sachsenheimer Feuerwehr neben den auf die beiden Löschwasser-Abrollbehälter der Feuerwehren aus Bietigheim und Vaihingen zurückgreifen. Vor allem bei Bränden im Kirbachtal würde man im Einsatzfall vorzugsweise aufgrund des kürzeren Anfahrtsweges, den Abrollbehälter der Vaihinger Feuerwehr anfordern. Dass die momentan häufiger auftretenden Vegetationsbrände auch landesweit ein Thema sind, erkennt man laut Marcel Reinke auch daran, dass diese Woche eine Online-Fortbildung der Landesfeuerwehrschule zu diesem Thema stattgefunden hat.

Eine derartige Häufung von Felderbränden ist ungewöhnlich, bestätigt der Bietigheim-Bissinger Feuerwehrkommandant Frank Wallesch. Am Sonntag musste die Freiwillige Feuerwehr gleich zwei Mal ausrücken, um Brände am Grillplatz Eselshütte zu löschen. Mehrere Hektar gingen in Flammen auf.

Ausrüstung anpassen

Die Einsätze seien fordernd, nicht nur in technischer, sondern auch in persönlicher Hinsicht. „Wenn man, wie am Wochenende, bei 37 Grad in voller Schutzausrüstung auf offenem Feld steht, dehydriert man in kürzester Zeit“, sagt Wallesch. Kein Wunder: Die komplette Montur mit Atemschutzgerät bringt 24 Kilo auf die Waage. „Wir überlegen daher, wie wir unsere Ausrüstung anpassen: Können wir bei Nachlöscharbeiten beispielsweise auf die Jacke und den Atemschutz verzichten?“

Völlig unverzichtbar ist hingegen Löschwasser. „Da sind wir in Bietigheim-Bissingen zum Glück super gut aufgestellt“, lobt Wallesch. „Wir verfügen fast in jeder Straße über einen Wasserzugriff.“ Das sei nicht überall so. Beim Großbrand in Oberderdingen am Mittwoch musste bei anderen Gemeinden abgefragt werden, wie viel Wasser diese zum Löschen abgeben können, berichtet Wallesch. So etwas habe er als Feuerwehrmann noch nie erlebt.

Wie schätzen Landwirte aus dem Kreis die Brandgefahr ein?

Felderbrände
seien nichts Ungewöhnliches, sagt Florian Petschl. Der 34-Jährige ist stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg.  „Das passiert jedes Jahr“, erläutert er. Allerdings gebe es momentan eine Häufung der Brände. Grund dafür sei die extrem trockene Witterung durch den Wind gewesen. „Sobald es wie jetzt etwas feuchter ist, sinkt die Brandgefahr sofort“, sagt Petschl. Betroffen von Feldbränden seien in erster Linie Weizenfelder. „Beim Abfahren mit dem Mähdrescher und der Ballenpresse, können Funken entstehen, wenn beispielsweise Steine ins Mähwerk kommen“, erklärt der Landwirt. Das Problem: Wenn es hinter dem Mähdrescher anfängt zu brennen, fällt das nicht unbedingt sofort auf. Grüne Pflanzen wie Mais und Rüben seien aufgrund ihres höheren Wasseranteils weniger brandgefährdet. Um das Brandrisiko beim Weizen zu verringern, sei derzeit in der Diskussion, Wasserfässer an den Feldern aufzustellen. In wasserärmeren Gegenden wie Ostdeutschland werde das schon länger so praktiziert, sagt Petschl.

  • Die beiden Gerätewarte der Beitigheimer Wehr Matthias Kempf (links) und Dennis Morlok vor dem Abrollbehälterfahrzeug das mit 10 000 Liter Löschwasser betankt ist.

    Martin Kalb
  • Der Felderbrand am Wochenende zwischen Löchgau und Bietigheim

    Martin Kalb
  • Der Felderbrand 2019 bei Löchgau.

    Helmut Pangerl
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