Kreis Ludwigsburg
: Fall von Hasenpest im Nachbarkreis bestätigt

Was bedeutet der Tularämie-Fall im Enzkreis für die Tierwelt im Kreis Ludwigsburg? Und wie gefährlich ist die Krankheit für Menschen? Ein Überblick.
Von
John Patrick Mikisch
Ludwigsburg
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Schlechte Zeiten für Feldhasen: Sie sind besonders anfällig für die Infektionskrankheit Tularämie. Bei ihnen verläuft die sogenannte Hasenpest in der Regel tödlich.

dpa/Thomas Warnack

Tularämie oder umgangssprachlich Hasenpest ist eine hochansteckende Tierseuche. Ein im Dezember bei Wiernsheim (Enzkreis) tot aufgefundener Feldhase ist laut Laborbefund daran gestorben, wie das zuständige Veterinäramt mitteilte. Und es ist nicht der einzige Fall in der Region.

Wie viele Hasenpest-Fälle gibt es?

Nach Auskunft des Landratsamts Ludwigsburg gab es im vergangenen Jahr auch im Landkreis Ludwigsburg einen Fall von Hasenpest. Insgesamt seien in ganz Baden-Württemberg 38 Fälle von Tularämie nachgewiesen worden. Es sei aber von einer großen Dunkelziffer auszugehen, da nicht alle verendeten Tiere gefunden oder zu den Untersuchungsstellen gebracht werden.

Welche Tierarten sind betroffen?

Tularämie wird von dem Bakterium Francisella tularensis ausgelöst. Feldhasen gelten als besonders anfällig für die Krankheit; es können sich aber auch andere Nagetiere wie Mäuse und Ratten sowie Rehe, Damwild, fleischfressende Wildtiere und sogar Vögel infizieren. Für Haus- und Nutztiere spielt die Krankheit nur eine untergeordnete Rolle. Bei Feldhasen verläuft die Krankheit meist innerhalb von ein bis zwei Tagen tödlich.

Wie erkenne ich erkrankte Hasen?

An Tularämie erkrankte Feldhasen sind meistens abgemagert, haben ein struppiges Fell und einen schwankenden Gang. Die Tiere sind apathisch und haben keine Scheu vor dem Menschen.

Können sich auch Menschen damit anstecken?

Hasenpest ist eine Zoonose. Das bedeutet, dass der Erreger vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Das kommt aber recht selten vor. Die bekannten Fälle bewegen sich jährlich im zweistelligen Bereich. Das Robert-Koch-Institut (RKI), auf das sich auch das hiesige Landratsamt bezieht, geht aber von einer wesentlich höheren Fallzahl aus. Betroffen sind meist Menschen, die naturnah leben oder arbeiten wie etwa Jäger und Waldarbeiter, aber auch Tierärzte, Köche und Metzger.

Übertragen wird der Erreger meist durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, etwa beim Ausnehmen eines Feldhasen sowie durch das Einatmen von infiziertem Staub, den Verzehr kontaminierter Lebensmittel und Wasser sowie Mückenstiche und Zeckenbisse. Es gibt keinen Impfstoff gegen Tularämie, weder bei Menschen noch beim Tier.

Wie verläuft die Krankheit beim Menschen?

Beim infizierten Menschen bricht die Krankheit laut RKI in der Regel nach drei bis fünf Tagen aus. Es sind aber auch Inkubationszeiten von einem Tag bis mehrere Wochen bekannt. Neben grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Lymphknotenschwellungen, Schüttelfrost, Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen können auch Geschwüre an infizierten Stellen der Haut, Husten, Lungenentzündung sowie andere Symptome auftreten.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Tot aufgefundene Tiere und Tiere mit fehlendem Fluchtverhalten sollten nicht berührt werden, weder vom Menschen noch vom Hund. Ferner sollte Insektenschutz verwendet und Zeckenbisse vermieden werden, auch bei Hunden. Der Erreger kann im Kadaver bis zu vier Monate überdauern; in Schildzecken bis zu einem Jahr. Jäger sollten daher beim Ausnehmen von Wild Einmalhandschuhe und staubdichte Atemmaske und gegebenenfalls eine Schutzbrille tragen. Wildbret sollte vor dem Essen ausreichend erhitzt werden. Wer Hunde hat, sollte sie nicht mit rohem Wild füttern und sie von Tierkadavern fernhalten.

Wie lässt sich die Ausbreitung der Seuche verhindern?

Der Erreger der Hasenpest hat ein extrem breites Wirtsspektrum. Er kann zudem auch von Insekten und Zecken übertragen werden und befindet sich ebenfalls in der Erde und im Wasser. Eine Eindämmung ist laut Landratsamt daher nicht möglich. Die Krankheit wird immer wieder auftreten.

Was bedeutet die Krankheit für die Feldhasenpopulation?

Der Feldhase gilt als gefährdete Art. Hauptursachen dafür seien die moderne Landwirtschaft sowie der Straßenverkehr, sagt Peter Ulmer, Kreisjägermeister der Jagdvereinigung Ludwigsburg. „Umso schlimmer, wenn auch noch die Hasenpest auftritt“, so Ulmer.

Wie genau wirkt sich die Hasenpest auf die Kleintierzüchtervereine aus?

Eine Infektionsgefahr für Tiere in Kleintierzuchtanlagen besteht laut Landratsamt nur, wenn die dort gehaltenen Kaninchen mit Feldhasen in Berührung kommen. Hasenschauen seien aufgrund der Hasenpest in Baden-Württemberg nicht beeinträchtigt.

Entwarnung gibt auch Dr. Hans-Peter Sporleder. Der Tierarzt ist Tierschutzbeauftragter beim Landesverbandes der Rassekaninchenzüchter Württemberg und Hohenzollern. „Feldhasen haben in der Regel keinen Kontakt mit Kaninchen“, sagt er. Auch eine Übertragung durch Zwischenwirte wie etwa Zecken hält er für eher unwahrscheinlich.