Kreis Ludwigsburg
: Energie: Wie die Sparmaßnahmen wirken

Wie ist es um die Energie-Einsparungen in den Kommunen bestellt? Schaffen sie die angepeilten 20 Prozent? Die BZ hat in einigen Gemeinden nachgefragt. Ein Zwischenstand.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
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Hauptamtsleiterin Julia Wolf reguliert im Erligheimer Rathaus einen Heizkörper. In den Büros werden 20 Grad angesteuert, sagt Bürgermeister Rainer Schäuffele.

/Martin Kalb

Beim „Runden Tisch Gasmangellage“ Ende November haben mehrere Kommunen auf Einladung des Landratsamts die Entwicklungen beraten. Die Gasspeicher seien derzeit gefüllt, dies bedeute aber noch keine Entwarnung. Die BZ hat in einigen Gemeinden nachgefragt, wie es um die Einsparungen bisher bestellt ist.

Die Vorbereitungen auf eine mögliche Gasmangellage oder sogar einen Blackout laufen laut Landratsamt weiter mit hoher Priorität. „Wir führen unsere Arbeit in der Krisenvorsorge fort, denn wenn es hart auf hart kommt, zahlt sich jede Übung aus“, erklärt Jasper Pommerin, Krisenmanager beim Bevölkerungsschutz des Landratsamts.

Bietigheim -Bissingen

Die Verbrauchskontrolle aller Gebäude zeigt in Bietigheim für Oktober laut Pressesprecherin Anette Hochmuth rückläufige Werte. Allerdings seien diese nicht witterungsbereinigt. Da der Monat der zweitwärmste Oktober im Land war, sei es nicht verwunderlich, dass die Heizungsverbräuche deutlich niedriger lagen als die Vorjahreswerte. Es nur mit reduzierten Einstellungen zu begründen, wäre nicht korrekt. „Eine Bewertung macht frühestens nach dem Winter Sinn“, sagte sie.

Da die Büros der Verwaltung etwa um zwei Grad weniger geheizt werden, rechnet sie hier mit einer Einsparung von etwa zehn Prozent. In den Bädern werde durch die Absenkung der Wasser- und Raumlufttemperatur um zwei Grad sowie der Schließung des Außenbeckens im Bad am Viadukt rund 25 Prozent der Energiekosten der Bäder eingespart. Was die Einstellung der Beleuchtung von Denkmälern bringe, lasse sich nicht berechnen.

Erligheim

„Im Rathaus haben wir rund 50 Prozent eingespart“, schätzt der Erligheimer Bürgermeister Rainer Schäuffele. Normalerweise müsse der Speicher vor Weihnachten zweimal mit Pellets befüllt werden. Dieses Jahr sei die Heizung aufgrund der warmen Temperaturen erst später eingeschaltet und der Speicher nur einmal mit Pellets befüllt worden.

In der August-Holder-Mehrzweckhalle habe die Kommune im Vergleich zum Vorjahr rund 30 Prozent eingespart. 2021 seien von Juli bis November 11 034 Kilowattstunden (kWh) verbraucht worden, 2022 im selben Zeitraum nur 7693 kWh.

In der Grundschule Erligheim-Hofen seien in diesem Zeitraum im Vergleich zu 2021 rund 40 Prozent eingespart worden (2021: 3738 kWh, 2022: 2291 kWh). In den Kindertageseinrichtungen seien die Einsparungen vergleichbar. Begründen könne man die Einsparungen mit dem milden Spätherbst und der Drosselung der Vorlauftemperaturen in allen öffentlichen Gebäuden. Letztere Maßnahme sei die mit den größten Auswirkungen gewesen.

Rainer Schäuffele geht davon aus, dass die Maßnahmen weitgehend akzeptiert werden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Rathaus hielten 19 Grad Raumtemperatur überwiegend für zu kühl, daher werde in den Büros 20 Grad angesteuert. Bis zum Ende des Winters hofft er insgesamt auf eine Einsparung von rund 20 Prozent.

Bönnigheim

Auch in Bönnigheim lassen sich die Einsparungen derzeit nur schätzen, „da wir nicht flächendeckend kontinuierliche Ablesungen vornehmen“, sagte Bürgermeister Albrecht Dautel. „Ich gehe aber davon aus, dass wir das Ziel 20 Prozent Einsparung beim Gasverbrauch als Stadt erreichen können“, sagte er. Er bewertet die Umstellung des Schulzentrums und der Hallen von Gas- auf Ölbetrieb als die Maßnahmen mit den größten Auswirkungen.

Die Akzeptanz für die Sparmaßnahmen bei Mitarbeitern sei gegeben. Dautel geht davon aus, dass bei der Wärmeenergie in einzelnen Gebäuden und Einrichtungen das Einsparziel von 20 Prozent wie beim Gasverbrauch erreicht werden könne. Bürgermeister Albrecht Dautel: „Beim Strom rechne ich nur mit wenig Einsparungen.“

Ingersheim

In Ingersheim wurden die Einsparungen bisher nicht ausgewertet. „Einsparen können wir unterm Strich auch nur in der Verwaltung selbst“, sagte Bürgermeisterin Simone Lehnert: „Wir heizen die Räume auf maximal 19 Grad, in den Gängen bleibt die Heizung komplett aus.“ Die Möglichkeiten der Kommune seien überschaubar, „wir setzen auf die Methode der bewussten Nutzung von Energie“, sagte sie.

Die Schillerschule und die SKV-Halle/Schulkindbetreuung würden seit Jahren mit Pellets beheizt, die im Vergleich zu vorher 50 Prozent der Kosten spare.

Ludwigsburg

„Allein bei den Stadtwerken – also insbesondere den Bädern – haben wir bereits rund 770 000 kWh Wärmeenergie und 265 000 kWh Strom einsparen können“, sagte eine Sprecherin der Stadt Ludwigsburg. Die Schließung des Heilbades mache zirka 80 Prozent der Einsparungen aus. Diese sei „ein großer, berechtigter Diskussionspunkt“ gewesen, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht: „Allerdings mussten wir eine solch harte Entscheidung fällen, um dem vorgegebenen Ziel gerecht zu werden. Insgesamt sehen wir eine große Zustimmung mit fairer Auseinandersetzung im Einzelfall.“

Die Auswirkungen aller Sparmaßnahmen des laufenden Jahres könne erst nach der Auswertung aller Zähler im Laufe des nächsten Jahres bewertet werden. Die Stadt halte am Ziel von vier Millionen Kilowattstunden Einsparungen bis zum 31. März im Wärmeenergiebereich fest. Aktuell seien in Ludwigsburg keine zusätzlichen Maßnahmen geplant, „wir nehmen aber auch keine aus Vorsicht zurück. Es kann uns durchaus ein harter Winter bevorstehen, auch wenn wir es angesichts des Klimawandels nicht recht glauben mögen“, sagte er.