Kreis Ludwigsburg: Ein Kraftakt hält Kreisumlage stabil

Landrat Dietmar Allgaier und Finanzdezernentin Bettina Beck haben am Freitag den Haushaltsplan 2027 präsentiert.
/Martin KalbTrotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen setzt der Landkreis Ludwigsburg mit seinem Haushaltsentwurf für 2027 ein deutliches Zeichen für finanzielle Stabilität und Verlässlichkeit. Landrat Dietmar Allgaier hat dem Kreistag am Freitag einen Haushalt vorgelegt, der ohne neue Schulden auskommt und die Kreisumlage bei 33 Prozent stabil hält. Damit werden die 39 Städte und Gemeinden im Landkreis nicht zusätzlich belastet. Allgaier machte nicht ohne Stolz darauf aufmerksam, dass die Kreisumlage damit die niedrigste in der Region Stuttgart und die zweitniedrigste im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart sei. Das Finanzwerk mit seinem Volumen in Höhe von rund einer Milliarde Euro sei auch das Ergebnis eines Kraftaktes von Kreistag und Kreisverwaltung.
Grundlage für diese positive Ausgangslage fürs neue Jahr ist das Konsolidierungsprogramm „(Re-)Set 2027“. Das ursprünglich angestrebte Einsparziel von 24 Millionen Euro wurde mit einem Konsolidierungsvolumen von 28,3 Millionen Euro brutto sogar deutlich übertroffen, so Allgaier.
Damit sei es gelungen, finanzielle Spielräume zu schaffen und zugleich die kommunale Handlungsfähigkeit zu sichern. Der Haushaltsentwurf sieht sogar noch einen Überschuss im Ergebnishaushalt von 1,7 Millionen Euro vor.
In einem Pressegespräch vor der Einbringung des Finanzwerkes stellte Landrat Allgaier in Aussicht, auf ein weiteres Sanierungsprogramm „(Re-Set) 2028“ wohl verzichten zu können, im Sitzungsplan für 2027 ist keine Haushaltskommission vermerkt. Alle könnten jetzt nach schwierigen Jahren und vielen Krisenthemen durchatmen.
111 Millionen für den Kreis
Trotz des weiterhin notwendigen Sparkurses hält der Landkreis an wichtigen Zukunftsprojekten fest. Möglich ist dies durch Gelder aus dem LuKIFG (Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz), bei dem der Bund 100 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, 111 Millionen Euro, so Allgaier, gehen an den Landkreis Ludwigsburg. So können auch der Neubau der Integrierten Leitstelle und das geplante Katastrophenschutzzentrum finanziert werden. Allgaier hat immer wieder betont, dass beide Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung im Landkreis leisten.
Auch die energetische Sanierung des Kreishauses und des Schulcampus am Favoritepark sind ab 2027 im Investitionsprogramm vorgesehen. Darüber hinaus setzt der Landkreis unter dem Slogan „Move LRA-LB“ auf eine moderne, leistungsfähige Verwaltung. Durch Digitalisierung, verbesserte Arbeitsabläufe und den gezielten Einsatz Künstlicher Intelligenz sollen langfristig Ressourcen eingespart und Dienstleistungen verbessert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Sicherung der medizinischen Versorgung. Der Landkreis, so Allgaier, bekennt sich ausdrücklich zu seinen Klinikstandorten in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Markgröningen. Obwohl für 2026 bei den Kliniken rund 33 Millionen und bei der Orthopädischen Klinik in Markgröningen 1,5 Millionen Euro als Defizite erwartet werden.
Auch beim öffentlichen Nahverkehr sollen wichtige Zukunftsaussichten erhalten bleiben. Der Landkreis plant dafür 2027 einen Nettoressourcenbedarf von 50,9 Millionen Euro (ohne die Zweckverbände und ohne die Schülerbeförderung). Eine geringere Umlage an den Verband Region Stuttgart entlastet den Kreishaushalt um rund 2,2 Millionen Euro. Gleichzeitig steigen die Kosten im Busverkehr voraussichtlich von 21,4 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 22,7 Millionen Euro im Jahr 2027. Auch die weitere Finanzierung des Deutschlandtickets wertet Allgaier als Risikofaktor.
Mehrkosten verzögert erstattet
Besonders stark steigen die Kosten der Eingliederungshilfe, eine staatliche Sozialleistung für Menschen mit einer Behinderung, die innerhalb von fünf Jahren um mehr als 60 Prozent zugenommen habe. Der Landrat kritisiert, dass das Land die durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) bedingten Mehrkosten weiterhin nur verzögert erstatte. Für 2026 fehlen nach aktuellem Stand noch 17,5 Millionen Euro. Allgaier: „Der Landkreis erwartet deshalb eine vollständige und verlässliche Erstattung der gesetzlich zugesagten Mehrkosten.“ So beläuft sich der Nettozuschussbedarf im Sozialhaushalt auf rund 318 Millionen Euro. Davon entfallen 119,5 Millionen Euro auf die Eingliederungshilfe, 87,2 Millionen Euro auf die Jugendhilfe, 45,3 Millionen Euro auf die Sozialhilfe und 30,9 Millionen Euro auf das Jobcenter. Damit bleibt der Sozialhaushalt der größte Ausgabenblock im Haushalt.
Während steigende Sozialausgaben, wirtschaftliche Unsicherheiten und strukturelle Belastungen die öffentlichen Haushalte weiter unter Druck setzen, verfolgt der Landkreis Ludwigsburg laut Allgaier einen klaren Kurs: keine neuen Schulden, eine stabile Kreisumlage und gezielte Investitionen in wichtige Aufgaben. Dies seien die zentralen Botschaften des Haushaltes 2027, der nach den Beratungen in den Ausschüssen final im Kreistag am 11. Dezember beschlossen werden soll.