Kreis Ludwigsburg
: E-Akte steht noch immer am Anfang

Vor einem Jahr ist die „ePA für alle“ in Deutschland eingeführt worden. Im Kreis ist die elektronische Patientenakte holprig angelaufen.
Von
Heidi Falk
Ludwigsburg
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Im April 2025 wurde die elektronische Patientenakte bundesweit eingeführt. Doch auch nach einem Jahr gibt es noch spürbare Anlaufschwierigkeiten, berichten Ärzte, Apotheker und Krankenkassen aus dem Kreis. Vor allem die Technik sei oftmals herausfordernd.

dpa/Daniel Karmann

Die ‚ePA für alle’ ist das Kernelement der Digitalisierung im Gesundheitswesen.“ Möchte man sich auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit über die elektronische Patientenakte (ePA) informieren, ist das das Erste, was man dazu lesen kann. Bereits 2021 gab es in Deutschland eine frühe Version der ePA, nach Jahren der Weiterentwicklung ging man am 29. April 2025 mit der sogenannten „ePA für alle“ bundesweit an den Start. Für alle Versicherten wurde eine E-Akte angelegt, der man aktiv widersprechen musste, ansonsten wurde sie angelegt (Opt-out-Verfahren). Seit dem 1. Oktober letzen Jahres ist die Nutzung in Praxen, Krankenhäusern und Apotheken verpflichtend.

So läuft es im Kreis mit der ePA

Vor ziemlich genau einem Jahr hat sich die BZ im Landkreis Ludwigsburg erkundigt, wie die Nutzung der ePA angelaufen ist. Damals waren die Antworten noch eher ernüchternd. Vor allem die technische Umsetzung gestaltete sich zu Beginn noch schwierig. Arztpraxen waren größtenteils noch nicht angebunden. Die Gematik GmbH ist bundesweit für die technischen Standards und auch die Zulassung und Zertifizierung der Softwarelösungen und Schnittstellen zuständig, mit deren Hilfe sich die Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken an die Telematikinfrastruktur (TI) anbinden können.

Nun, ein Jahr nach der Einführung und ein halbes Jahr nach der verpflichtenden Nutzung, fragt die BZ erneut nach: Wie läuft es mit der ePA im Kreis?

Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft, sagt dazu: „Grundsätzlich möchte ich betonen, dass wir als Ärzteschaft die Digitalisierung sehr befürworten und uns davon Verbesserungen in der Patienten- und Patientinnenversorgung und Erleichterungen des Arbeitsalltags erhoffen.“ In diesem Zuge begrüße man die ePA, „gleichwohl sich in der Anwendung noch viele Schwierigkeiten ergeben und die Funktionalität der ePA selbst durchaus verbesserungsfähig ist.“ Maitra spricht aus eigener Erfahrung, hat jedoch auch Rücksprache mit niedergelassenen Kollegen und Kolleginnen gehalten.

Schwierigkeiten bereiten laut Maitra nicht nur die nicht einfachen technischen Zugangswege für die Patienten, auch für die Ärzte seien der Zugriff auf die Daten in der ePA je nach verwendetem EDV-System oft umständlich. „Die meisten Kliniken können derzeit noch gar nicht auf die Daten der ePA zugreifen oder diese bestücken“, merkt Maitra an. Kritisch sieht sie, dass die ePA nur mit zukünftigen Befunden bestückt werden soll; die Einspeisung von Befunden aus der Vergangenheit sei möglich, aber aufwändig. Eine sinnvolle Strukturierung der Daten in der ePA gebe es derzeit noch nicht. Problematisch sei außerdem, dass nach der Erstbestückung die oft zeitaufwändige Befüllung nicht kostendeckend honoriert werde und nach den derzeitigen Plänen der Bundesregierung sogar gestrichen werden soll. „Insofern ist davon auszugehen, dass zumindest einige Jahre vergehen werden, bis eine weitgehende Vollständigkeit der Akte vorliegt. Viele Befunde liegen noch nicht in der ePA vor.“

Ihr Fazit: „Eine echte Verbesserung des Datenaustausches wie auch eine Vereinfachung der Abläufe ist nach unserer Einschätzung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nachzuweisen.“ Derzeit würden weiterhin auch noch alle analogen Wege der Befundmitteilung genutzt, von E-Mail (KIM) über Brief bis Fax. Man hoffe nun auf weitere Verbesserungen.

Auch Joachim Härle, Sprecher der AOK-Gesundheitskasse Ludwigsburg-Rems-Murr, sieht noch Optimierungsbedarf: „Aller Anfang ist schwer und in dieser Phase befinden wir uns weiterhin.“ Auch wenn noch viel Luft nach oben sei, sei die Krankenkasse grundsätzlich mit der Einführung zufrieden. Positiv sei etwa die relativ geringe Zahl an Widersprüchen. Stand Ende März liegt die Widerspruchsquote für die gesamte AOK Baden-Württemberg bei 4,52 Prozent. „Die allermeisten Widersprüche gingen vor dem offiziellen Start der ePA Anfang 2025 ein“, so Härle. 65.000 Versicherte nutzen landesweit die ePA über die AOK-App, davon haben im März rund 29.000 die App mindestens einmal geöffnet. „Viele Versicherte nutzen die ePA auch passiv, sprich ohne App und lediglich durch die Zugriffsmöglichkeiten der Leistungserbringer im Behandlungskontext“, so Härle weiter. Von „Anlaufschwierigkeiten“ spricht der AOK-Sprecher beim Registrierungsprozess sowie durch immer wieder vorübergehend auftretende Störungen an Software-Schnittstellen.

Technik bereitet vielen Probleme

Das Fazit der Krankenkasse: Positiv sei die schnelle Übermittlung von Unterlagen und Informationen in die ePA sowie die Möglichkeit, diese über die App zu teilen. Optimierungsbedürftig bleibe weiterhin, dass nicht alle die ePA aktiv nutzen können, so Härle und weiter: „Die technischen Herausforderungen sind oftmals zu hoch. Sei es aufgrund der notwendigen, hohen Sicherheitsstandards, fehlender Erfahrung oder nicht mehr kompatibler Betriebssysteme bei den mobilen Endgeräten.“

Apotheker Jan Siegel ist Inhaber der Apotheke im Buch in Bietigheim-Bissingen, der Palm’schen Apotheke in Freiberg und der Schiller-Apotheke in Marbach. Er ist zudem im Beirat des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg für den Kreis Ludwigsburg zuständig. Er berichtet der BZ: „Grundsätzlich funktioniert die elektronische Patientenakte.“ Seine Kundinnen und Kunden nähmen die ePA allerdings überhaupt nicht wahr, „wir selbst als Apotheke merken sie nur indirekt, wenn wir Interaktionen zwischen den Arzneimitteln angezeigt bekommen“, so Siegel. Diese könnten nun auch erkannt werden, wenn nicht alle Medikamente in der selben Apotheke geholt wurden. Die E-Akte bietet den Apothekenmitarbeitenden Zugriff auf die elektronische Medikationsliste, inklusive verordneter und auch tatsächlich ausgegebener Medikamente sowie mit Angaben zu Dosierung und Wirkstoff.

So läuft’s mit der elektronischen Patientenakte in den RKH-Kliniken im Kreis

Seit Oktober 2025 ist die ePA in den Kreiskliniken im Einsatz, berichtet Klinikensprecher Alexander Tsongas. „Wir sind mit der Funktionalität und der Stabilität des Systems insgesamt zufrieden. Der Zugriff funktioniert zuverlässig, sodass wir beispielsweise Arztbriefe und andere medizinische Dokumente im PDF-Format einstellen sowie – mit Einverständnis der Patientinnen und Patienten – auf bereits hinterlegte Unterlagen zugreifen können.“ Aktuell würden die Fachabteilungen schrittweise an die ePA angebunden.