Kreis Ludwigsburg: Deutlich weniger Personal in der Kindertagespflege

Um ausreichend Plätze in der Kinderbetreuung bieten zu können, setzen das Landratsamt und die Kommunen auch auf Kindertagespflegeplätze. Doch diese wurden in den vergangenen Jahren deutlich weniger. Besonders stark fielen die Zahlen im Landkreis Ludwigsburg.
/Werner KuhnleBetreuungsplätze für Kinder unter sowie über drei Jahren sind immer schon Mangelware und obwohl die Kommunen regelmäßig ihre Betreuungsangebote ausweiten, sind in vielen Gemeinden die Wartelisten lang. Abhilfe sollte da das Angebot der Kindertagespflege schaffen. Ausgebildete und zertifizierte Kindertagespflegepersonen bieten häufig in ihren Privaträumen eine Kinderbetreuung an.
Doch wie Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen, sind die Betreuungsplätze in der Kindertagespflege stark zurückgegangen. In ganz Baden-Württemberg wurden 22.896 Kinder in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut (Stichtag 1. März 2023). Damit ist die Zahl der Kindertagepflegeplätze um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Doch im Kreis zeichnet sich eine deutlich andere Entwicklung ab. Wurden 2022 noch 885 Kinder in der Kindertagespflege betreut, waren es voriges Jahr nur noch 840 – ein Rückgang von 5,1 Prozent. Weniger Kinder in dieser Betreuungsform gab es, da sich die Zahl der Kindertagespflegepersonen stark verringert hat. Von 261 im Jahr 2022, auf 233 im Folgejahr; somit sank die Zahl der sank somit die Zahl der Betreuungspersonen um 10,7 Prozent. Kein anderer Kreis in der Region Stuttgart hat solch einen deutlichen Personalverlust wie der Kreis Ludwigsburg.
Kommunale Einrichtungen
Laut Landratsamt Ludwigsburg werden derzeit 842 Kinder von 247 Kindertagespflegepersonen (Stichtag 1. März 2024) betreut. Was einen leichten Anstieg zum Vorjahr bedeutet. Trotz des kontinuierlichen Ausbaus der Betreuungsplätze durch die Kommunen im Kreis sei man immer noch nicht in der Lage, allen Kindern einen Betreuungsplatz in einer kommunalen Einrichtung anzubieten.
„Gestiegen ist aber auch kontinuierlich die Zahl der Kinder, sodass nach wie vor ein Bedarf am weiteren Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen besteht“, erklärt Dr. Andreas Fritz von der Pressestelle des Landratsamtes. Daher sei die „Kindertagespflege ein wichtige Säule unter den Angeboten der Kindertagesbetreuung“.
Unterschiedliche Gründe gebe es laut Landratsamt, weshalb die Kindertagespflegebetreuer in den vergangenen Jahren weniger wurden. „Circa 18 Prozent unserer Tageseltern waren in diesem Berichtszeitraum älter als 60 Jahre und einige Tagesmütter haben ihre Arbeit altersbedingt beendet“, führte Fritz aus. Außerdem seien einige Tageseltern aus dem Kreis gezogen oder hätten eine Festanstellung in einer Betreuungseinrichtung angenommen.
Auch die Pandemie habe dazu geführt, dass einige Tageseltern ihre Arbeit aufgaben. Während der Corona-Zeit sei es zudem schwierig gewesen, neues Personal für die Kindertagespflege zu gewinnen. 2021 wurde die Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen nahezu verdoppelt (von 160 auf 300 Unterrichtseinheiten). „In diesem Zusammenhang stellen wir fest, dass interessierte Personen einen längeren zeitlichen Vorlauf brauchen, um sich für die Qualifizierung zu entscheiden“, heißt es aus der Pressestelle.
In einem ausführlichen Gespräch lerne man die Interessenten kennen. Sie müssen eine „persönliche Eignung, die Kooperationsbereitschaft mit den Eltern, ein Gesundheitszeugnis und ein Führungszeugnis nachweisen“ sowie 300 Unterrichtseinheiten absolvieren und über kindgerechte Räume verfügen, um in der Kindertagespflege arbeiten zu können.
Kindernester
Doch nicht nur in eigenen Räumen können Kinder betreut werden. In Kindernestern, bei denen sich in der Regel zwei Kindertagespflegepersonen zusammenschließen und Kinder in dafür vorgesehenen Räumen betreuen, ist dies auch möglich. 26 davon gibt es im Kreis.
Anette Mühleck ist pädagogische Fachkraft im Kindernest Sonnenkäfer in Bissingen. Ursprünglich ist die 52-Jährige, die gemeinsam mit Beatrice Vierfuß das Kindernest betreibt, gelernte Kinderkrankenschwester. „Aber als ich damals nach meinem ersten Kind wieder zurück ins Krankenhaus wollte, ging das nur als 100-Prozentstelle. Das konnte ich nicht leisten“, erinnert sich Mühleck. So fing sie in einer städtischen Kita an und arbeitete dort eineinhalb Jahre, dann kam sie als Vertretungskraft zu den Sonnenkäfern. „Die Arbeit im Kindernest lag mir mehr. Hier ist es familiärer und man ist näher an den Eltern dran“, erklärt Mühleck.
Der Kreis fördert die Kindertagespflegestellen mit 7,50 Euro pro Kind und Stunde. Das Land empfiehlt eine Vergütung von 7,50 Euro pro Stunde für Kinder unter drei Jahren und 6,50 Euro pro Stunde für Kinder über drei Jahren. Bis zu fünf fremde Kinder können von einer Tagespflegeperson gleichzeitig betreut werden.
„Wenn zwei pädagogische Fachkräfte betreuen, kann jede Fachkraft neun Kinder betreuen“, erklärt die gelernte Kinderkrankenschwester. Den Rückgang bei Interessenten für diesen Beruf habe man auch beim Kindernest Sonnenkäfer gespürt. „Es ist mittlerweile wahnsinnig schwer geworden, eine Vertretungskraft zu finden“, so Mühleck.
Ein Grund hierfür seien für sie auch die vielen Unterrichtseinheiten, die auch für gelernte Erzieherinnen anfallen. Viele würden dann doch eher die Arbeit in einer kommunalen Einrichtung vorziehen, so Mühleck. Vom Finanziellen her sei es eigentlich gut, findet die 52-Jährige. „Auch Vertretungskräfte, die in Kindernestern arbeiten können mit bis zu 400 Euro pro Monat gefördert werden“, so das Landratsamt. Diese Förderung tragen zu 75 Prozent die Kommunen und zu 25 Prozent der Kreis.
Hohe Auflagen
Bezahlt wird die Kindertagespflege über die Wirtschaftliche Jugendhilfe (WJH). Diese berechnet den Anteil der Eltern, der unter anderem vom Einkommen und den Arbeitsstunden abhängig ist. „Mit den Eltern schließen wir einen Tagespflegevertrag, bezahlt werden wir dann von der WJH“, erklärt die Sonnenkäfer-Leiterin. Man sei eben selbstständig, das habe zwar seine Vorteile, doch bringe es auch weitere Aufgaben mit sich, was vielleicht so manchen von einer solchen Tätigkeit abhalte.
Zwar habe sie das Kindernest Sonnenkäfer vor acht Jahren nur übernommen und nicht neu gründen müssen, doch die Auflagen für Kindernester seien schon hoch. „Vor allem muss auch die Stadt dahinterstehen. Da haben wir es in Bietigheim-Bissingen sehr, sehr gut, das ist nicht überall so“, betont Mühleck.
Die Warteliste ist auch bei den Bissinger Sonnenkäfern lang. „Im Gegensatz zu den städtischen Einrichtungen können wir uns die Kinder aussuchen, müssen uns allerdings dann auch selbst darum kümmern, dass ein Kind nachrückt, wenn ein anderes das Kindernest verlässt.“ So sei die Arbeit in der Kindertagespflege kein „Sicherheitsjob“, wie eine Festanstellung , doch Mühleck betont: „Ich liebe meinen Job und möchte nichts anderes machen.“