Kreis Ludwigsburg
: Der Aschermittwoch als Neuanfang

Fasching ist nicht mehr so religiös wie früher, sagt Pfarrer Schwab aus Bietigheim-Bissingen. Der Aschermittwoch bedeutet dennoch für viele die Rückkehr zu sich selbst und Gott.
Von
Emilia Klink und Lisa Lorenz
Ludwigsburg
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Mit dem Aschermittwoch ist der Karneval vorbei. Auf ihn folgt die 40-tägige Fastenzeit, die an Ostern endet. Nach dem ausgiebigen Feiern soll nun wieder Besonnenheit herrschen.

Martin Kalb

Fasching ist urkatholisch“, erklärt der leitende Pfarrer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Bietigheim-Bissingen, Jens-Uwe Schwab. Er muss es wissen, hat er doch Wurzeln in einer der Hochburgen des närrischen Treibens: „Mein Großvater kam aus Mainz, da ist die Prunksitzung Pflichtprogramm.“

Deshalb gehöre es für ihn auch zur Tradition, mit seinen Freunden die Faschingssendung „Mainz bleibt Mainz“ im Fernsehen anzuschauen. Dabei dürfen sein rot-gelbes Glitzerjackett, Sekt und ein paar Berliner nicht fehlen. „Ich kann viel damit anfangen, da es dort auch geistreiche, politische Satire gibt. Da gibt es Sachen, wo ich mir einfach denke: Stark, richtig stark.“ Gefeiert hat er auch in der Region Stuttgart, beim Fasching in Bad Cannstatt.

Wie in Mainz, geht die fünfte Jahreszeit auch im Kreis Ludwigsburg mit dem Aschermittwoch nun zu Ende und wird von der Fastenzeit abgelöst. Früher wurde dann 40 Tage lang auf Fleisch verzichtet, es gab nur eine richtige Mahlzeit am Mittag – morgens und abends meist nur ein bisschen Brot. Vor dem Beginn der Fastenzeit wurde deshalb noch einmal gefeiert und gut gegessen.

Weniger ist mehr

Während dieser Zeit sollten die Menschen sich um ihre Beziehung zu Gott kümmern, mehr beten und sich während des Fastens bewusster mit dem eigenen Leben auseinandersetzen. So streng fasten heute nur noch wenige, aber in den Gemeinden gebe es eine Gruppe von Leuten, die zum Beispiel auf Alkohol oder Süßigkeiten verzichten. Einige ernähren sich während der Fastenzeit auch vegetarisch oder vegan. „Karneval“, wie das Fest in anderen Regionen genannt wird, leitet sich aus dem Lateinischen „carne vale“ ab, was soviel wie „Lebe wohl Fleisch“ bedeutet. „Ich brauche keinen ‚Dry January’, ich habe die Fastenzeit“, so Schwab. Die Fastenzeit habe Parallelen zum Neujahr: Bei beiden gehe es um einen Neuanfang.

Daran solle das Aschekreuz erinnern. Dieses bekommen Gläubige am Aschermittwoch auf die Stirn gezeichnet. Sie sollen sich dadurch darauf besinnen, dass das Leben vergänglich ist und man etwas aus seinem Leben machen sollte. Da man nicht ewig lebt, solle man diese Chance nutzen und es so schön wie möglich gestalten. Das Aschekreuz vergibt keine Sünden, lädt aber dazu ein, in sich zu gehen und über eigene Fehler nachzudenken. Die Fastenzeit könne durchaus eine positive Zeit sein, sagte der Pfarrer, denn man könne lernen, mit weniger auszukommen: „Probiere es doch mal mit weniger und schau, wie es dir damit geht.“

Faschingshumor tut gut

Ein Teil der Menschen wisse zwar noch, dass der Fasching ein religiöses Fest ist, doch viele würden ihn nur noch als einen Grund zum Feiern sehen und den christlichen Ursprung nicht mehr kennen, da müsse man sich nichts vormachen, sagt Schwab. Noch ein Grund, warum der Fasching immer weniger mit der Kirche in Verbindung gebracht wird, sei die evangelisch geprägte Region Stuttgart.

Katholisch geprägte Städte wie Mainz, Köln oder Düsseldorf seien hingegen echte Hochburgen des Festes. Die Religion verliere immer mehr Bedeutung in der Gesellschaft und auf die Frage, ob der Fasching nicht auch zu mehr Eintritten in die Kirche führe, erwidert Schwab, dass er eher nicht denke, dass dies der Fall sei.

Den Kirchenmitgliedern würde das Fest aber gut tun: „Die können da auch herzlich lachen, wenn zum Beispiel im Gottesdienst am Faschingssonntag ein Witz erzählt wird.“ Die Faschingsgottesdienste werden sehr gut angenommen, so beispielsweise der in Bissingen. Da würden auch Leute kommen, die sonst eher selten in Gottesdienste gehen. Da diese Gottesdienste etwas anders aufgebaut seien – es gibt auch Guggenmusik – werden sie auch als solche angekündigt, so wissen diejenigen Bescheid, die Fasching meiden wollen. „Fundamentalkritiker“ der Faschingsgottesdienste gebe es in der Gemeinde allerdings nicht.