Kreis Ludwigsburg: Bücher allein reichen nicht

Karl-Heinz „Charli“ Pflumm-Hölderlin in seinem Buchladen im Dreigiebelhaus am Marktplatz Besigheim. Neben der Buchhandlung gibt es hier auch ein Café, ohne das es laut dem Inhaber nicht gehen würde.
/Foto: Martin KalbSolange das Café da ist, funktioniert es“, sagt Karl-Heinz Pflumm-Hölderlin. Er betreibt die Buchhandlung im Dreigiebelhaus in Besigheim. Neben der Auswahl der Bücher mit Schwerpunkt auf Literatur, Kinderbüchern, Sachbüchern und Reiseführern gibt es im Obergeschoss des Buchladens das „Maisoncafé“. Und ohne das wäre es schwieriger: „Synergieeffekte durch anderen Einzelhandel entstehen immer weniger“, sagt Pflumm-Hölderlin. Es gebe immer weniger Stammkundschaft, „dafür mehr durch Fremdenverkehr“. Neben dem Café werden im Keller Veranstaltungen angeboten, so kann sich die Buchhandlung bereits seit 1982 halten.
Das haben längst nicht alle inhabergeführten Buchhandlungen geschafft: Die Zahl der Niederlassungen ging von 811 im Jahr 2010 um 30 Prozent auf 565 Niederlassungen in 2024 zurück, teilt das Statistische Landesamt Baden-Württemberg mit. Inhabergeführte Läden seien stärker betroffen als Filialbetriebe. Die Anzahl der Beschäftigten im Buchhandel sank im selben Zeitraum um gleich 36 Prozent.
Zwar sind die Umsätze im Buchhandel im Jahr 2024 um knappe drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, so der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Tom Erben. Doch die Zahl der Unternehmen sank 2024 gleichzeitig um vier Prozent. „Der Wandel hin zum Online-Handel, der damit verbundene Frequenzrückgang in den Innenstädten sowie der allgemeine Kostendruck und die zurückhaltende Konsumstimmung belasten die Perspektiven und finanziellen Spielräume“, so Erben. Der Generationenwechsel inhabergeführter Buchhandlungen gelinge jedoch an attraktiven Standorten dennoch.
Orte der Meinungsvielfalt
Unabhängige Buchhandlungen könnten sich im mittelstädtisch geprägten Baden-Württemberg behaupten, wenn sie sich aktiv in Kultur und Leseförderung einbringen und als Orte der Meinungsvielfalt wirkten, sagt Erben weiter, und nennt den Lieblingsbuchladen in Bietigheim-Bissingen und die Buchhandlung im Dreigiebelhaus in Besigheim als Beispiele dafür. Zugute komme den Buchhandlungen auch, dass junge, vor allem weibliche Menschen Bücher durch Genres wie „New Adult“ gerade neu entdeckten, das habe auch die Frankfurter Buchmesse gezeigt.
Die Eröffnung des Lieblingsbuch-Ladens in Bietigheim-Bissingen vor nun fünf Jahren hatte, berichtet Mitarbeiterin Ines Zahler, vor allem den Hintergrund, Menschen und Bücher zusammenzubringen: „Wir wollen bewusst einen Ort anbieten, an dem Menschen zusammenkommen, sich begegnen und austauschen können.“ Der Laden bilde dabei nur die Basis, die Beschäftigten würden auch über diese Räume hinaus arbeiten. So, wie Bücher laut Zahler das ganze Leben umfassten, sei man auf unterschiedlichen Ebenen aktiv, zum Beispiel in der Leseförderung in Schulen, bei Büchertischen bei Veranstaltungen, in Schreibwerkstätten, mit Literaturvorstellungen, Salon-Lesungen, Lesekreisen und Autorenlesungen. Mit Kindergärten, Schulen, Museen und anderen Institutionen kooperiere der Lieblingsbuch-Laden ebenfalls.
Ein „richtig gutes Gefühl“ beim Blick in die Zukunft hat Annika Riegel, die seit dreieinhalb Jahren die Bücheroase in Löchgau betreibt. Die Buchhandlung selbst gibt es seit zehn Jahren. Dort werden christliche, laut Riegel hoffnungsspendende Bücher verkauft.
Geschenkartikel kommen hinzu
„Die Menschen brauchen mehr Hoffnung und Halt. Es gibt so viel Krankheit und Co.“ Auf dieses Bedürfnis der Menschen vertraut die Inhaberin auch in der Zukunft. Nur Bücher zu verkaufen, wäre allerdings schwierig: Der Laden macht die Hälfte seines Umsatzes mit Büchern, die andere Hälfte mit Geschenkartikeln und anderen Verkaufsobjekten.
