Kreis Ludwigsburg: Bedarf an Ganztagsplätzen bleibt hoch

Zum Jahresende 2025 lebten im Landkreis 77.508 Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 14 Jahren.
/Julian Stratenschult/dpaDie Entwicklung in der Kindertagesbetreuung verändert sich. Zum Jahresende 2025 lebten im Landkreis 77.508 Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 14 Jahren – 552 weniger als ein Jahr zuvor. Die aktuellen Zahlen stammen aus der jährlichen Erhebung des Landkreises zum Stichtag 1. März 2026, die jetzt im Jugendhilfeausschuss vorgelegt wurde.
Besonders rückte in der Sitzung der Ausbaustand der Schulkindbetreuung in den Mittelpunkt. Die Zahl der Kinder ist weiter gestiegen. Im Landkreis leben inzwischen 42.663 Kinder zwischen sechseinhalb und 14 Jahren. Die Versorgungsquote erhöhte sich von 11,90 Prozent im Jahr 2005 auf 41,05 Prozent im Jahr 2026. Und der Ausbau gewinnt weiterhin an Gewicht, weil der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise eingeführt wird, der Bedarf bleibt weiter hoch.
„Grenzen der Leistungsfähigkeit“
Der Erligheimer Bürgermeister Rainer Schäuffele (FW) sagte, der Ausbau habe die Kommunen an die „Grenzen der Leistungsfähigkeit“ gebracht und werde dies mit der Aussicht auf die jährlichen Personalkosten auch weiterhin tun. Auch die Erwartungshaltung der Eltern, gehe zu Lasten der Kommunen. Der Rückgang der Kinderzahlen, so Schäuffele weiter, sei gesellschaftspolitisch zwar markant, spare den stark finanziell belasteten Gemeinden jedoch Geld.
Der Bericht über den Ausbau der Kinderbetreuung zeige angesichts der Erhöhung der Versorgungsquote einen gesellschaftlichen Umbruch, meinte Jasmine Finckh von den Grünen und Dorothea Bechtle-Rüster befürchtet, dass die Personalfindung, etwa für eine Betreuung im Hort, auch in Zukunft nicht einfach werde.
Dabei soll der Ausbau der Kindertagesbetreuung die nächsten drei Jahre weiter forciert werden. Der landkreisweite Plan sieht für 2027 insgesamt 706 Plätze vor, 405 davon in der Ganztagsschule, 186 in der verlässlichen Grundschule, 90 im Hort und 25 altersgemischte Plätze. 2028 sind es dann insgesamt 384 Plätze, 161 in der verlässlichen Grundschule, 223 in der Ganztagsschule. Und 2029 sind es dann noch 329 Plätze, 126 davon in der verlässlichen Grundschule, 203 in der Ganztagsschule. „Die Zahlen zeigen deutlich, wie ernsthaft das Thema in den Kommunen genommen wird“, sagte Anja Beckmann vom Landratsamt, zuständig für die Bereiche Kinder, Jugend und Familie.
Bei den unter Dreijährigen hat sich rein rechnerisch die Versorgung verbessert. Insgesamt stehen 5904 Betreuungsplätze zur Verfügung, 15 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der Kinder dieser Altersgruppe deutlich von 15.490 auf 14.740. Dadurch stieg die Versorgungsquote von 38,02 auf 40,05 Prozent. Allerdings waren tatsächlich nur 4402 Plätze belegt. Die Differenz von 1502 Plätzen erklärt der Bericht unter anderem mit Personalmangel sowie einer geringeren Inanspruchnahme.
Richtungswechsel in der Planung
Bei den Drei- bis Sechseinhalbjährigen zeigt sich erstmals deutlicher eine Stagnation. Mit 22.732 gemeldeten Betreuungsplätzen gibt es 78 Plätze weniger als im Vorjahr. Weil zugleich die Kinderzahl zurückging, erhöhte sich die rechnerische Versorgungsquote dennoch leicht auf 113,07 Prozent. Zwischen den einzelnen Kommunen bestehen allerdings erhebliche Unterschiede.
Rückläufig entwickelt sich dagegen die klassische Kindertagespflege. Zum Stichtag waren noch 218 Tagespflegepersonen aktiv, 15 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der betreuten Kinder sank von 832 auf 742. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der sogenannten Kindernester, in denen sich Tagespflegepersonen zusammenschließen. Dort werden inzwischen 338 Kinder und damit fast 46 Prozent aller Kinder in Kindertagespflege betreut.
Die Planungen zeigen bei allem einen Richtungswechsel. Für 2027 sollen erstmals Plätze zurückgebaut beziehungsweise Gruppen geschlossen werden. Für 2028 und 2029 sind im U3- und Ü3-Bereich deshalb nur noch wenige neue Plätze vorgesehen. Sinkende Kinderzahlen bedeuten jedoch nicht automatisch einen sinkenden Betreuungsbedarf. Gesetzliche Veränderungen und veränderte Arbeitsbiografien bei den Eltern können insbesondere bei den jüngsten Kindern einen zusätzlichen oder eine frühere Betreuung auslösen. Zugleich rückt neben der Zahl der Plätze zunehmend die Qualität der Betreuung und die individuelle Förderung der Kinder in den Mittelpunkt.