Kreis Ludwigsburg: Armut und Handarbeit als Ideale

Die katholische Kirche Sankt Franziskus inGroßsachsenheim besteht seit 1959.
/Martin KalbDieses Jahr jährt es sich zum 800. Mal, dass Franz von Assisi (1181/82 bis 1226) gestorben ist. In Rom hat der Papst deshalb 2026 zum „Franziskus-Jahr“ erklärt, die italienische Regierung hat den Todestag des Heiligen am 4. Oktober gar zum Feiertag ernannt. Aber auch in Deutschland gab und gibt es viele Veranstaltungen zum Todestag des Heiligen, in Ludwigsburg beschäftigt sich an diesem Dienstag eine Veranstaltung der katholischen Erwachsenenbildung im Haus Edith Stein mit ihm. Viel Resonanz also zu dem Mann, dessen Wirken weit zurück im Mittelalter liegt – und Anlass für die BZ, danach zu suchen, welche Spuren Franziskus im heutigen Landkreis Ludwigsburg hinterlassen hat.
Dass Franz von Assisi heute zu den prominentesten Heiligen der katholischen Kirche zählt, dürfte unter anderem darin liegen, dass er sich für die Armen, für Frieden und Dialog sowie für Tiere und Umwelt einsetzte – und Ordensgemeinschaften gründete, die sich an den von ihm verfassten Ordensregeln orientieren. Während Franziskus selbst nie in Deutschland war, haben diese Orden auch hierzulande Fuß gefasst: Die Internetseite „Klöster in Baden-Württemberg“ (www.kloester-bw.de) nennt mehrere Franziskanerklöster im Kreisgebiet, die jedoch alle nach der Einführung der Reformation wieder aufgelöst wurden.
Schwestern der„grauen Sammlung“
In Bietigheim waren es die Beginen – religiöse Laiengemeinschaften von Frauen, die sich der Pflege von Kranken, Armen und Sterbenden widmeten –, bei denen es Verbindungen mit dem Franziskanerorden gab, wie Stefan Benning im Württembergischen Klosterbuch feststellt. Hintergrund: Die Franziskaner standen den Idealen der Beginen, bestehend aus Armut und Handarbeit, traditionell sehr nahe. Die Anfänge der Beginen in der Stadt liegen im Dunkeln, 1473 wird ein Haus der „Begynen“ am Oberen Tor erwähnt. Um 1520 errichtete die Stadt den „Lehenschwestern grauer Sammlung“, wie die Beginen aufgrund ihrer aschgrauen, ungefärbten Bußkleidung genannt wurden, daneben einen Neubau mit großem Keller und Kornschütte. In seiner wesentlichen Struktur hat sich dieses Haus in der Hauptstraße 68 erhalten.
Mit Einführung der Reformation in Württemberg im Jahr 1534 verblieb den Schwestern nur noch ein Wohnrecht auf Lebenszeit, Als 1557 mit Schwester Anna die letzte Angehörige Beginen starb, endete deren Zeit in Bietigheim.
Ein weiteres Beginenhaus mit Beziehungen zum Franziskanerorden gab es in Häfnerhaslach. In unmittelbarer Nähe der Remigiuskirche und des Friedhofes verfügte die Frauengemeinschaft über ein geräumiges Haus mit Hofreite und Baumgarten, das von einer Mauer umschlossen war, so Albrecht Ernst. Hier überlebte das Kloster die Einführung der Reformation. Erst 1556 kam es zur obrigkeitlich verordneten Auflösung.
Weitere Beginenklöster mit Beziehung zu den Franziskanern sind außerdem in Markgröningen und Vaihingen nachgewiesen. Auch sie überstanden das 16. Jahrhundert nicht.
Bönnigheimer Kloster wird im Jahr 1792 abgebrochen
Waren die Klosterinsassen in diesen Fällen durchweg weiblich, so ist in der Stadt Bönnigheim ein Mönchskloster bezeugt (seit 1477). Es schloss sich an eine schon 1449 bestehende Wallfahrtskapelle „Zu unserer lieben Frau“ auf dem „Frauenberg“, einem Höhenrücken südwestlich von Bönnigheim, an. Die Gründung erfolgte laut Stefan Benning durch Beschluss des Provinzialkapitels in Bamberg als „Franziskaner-Observanten-Cella“ auf Lehengut des Erzbischofs Dietrich von Mainz. Um die zwölf Brüder umfasste die Kloster-Familie. Das Kloster wird auch im Franziskaner-Provinzkapitel Straßburg von 1478 bis 1543 geführt. Mit Einführung der Reformation im Anschluss an den Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster in seinem religiösen Leben eingeschränkt und sein Weiterbestehen wie in Bietigheim auf die Lebenszeit der anwesenden Mönche reduziert. 1540 kehrte der letzte Bruder dem Kloster den Rücken. Erzbischof Albrecht von Mainz übergab die leer stehende Anlage zwei Jahre später in die Obhut der Stadt. Das Kloster verfiel und wurde 1792 abgebrochen. Wenige Fragmente von Architektur und Ausstattung haben sich laut Benning erhalten.
Namensgeber für Kirche und Kindergarten
Mit diesen Klöstern endete die Klostergeschichte im Zeichen der Franziskaner im Landkreis – doch der Name des Heiligen ist auch heute noch präsent – unter anderem in der katholischen Kirchengemeinde Sankt Franziskus in Sachsenheim. Es handelt sich um eine relativ junge Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Muttergemeinde Sankt Laurentius Bietigheim entstand. Ausschlaggebend dafür war der Zustrom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, wodurch die Zahl der Katholiken nach 1945 sprunghaft anstieg. 1957 wurde mit dem Bau der Kirche in Großsachsenheim begonnen, am 1. November 1959 wurde die Franziskuskirche eingeweiht.
Ebenfalls den Namen des Heiligen trägt der katholische Kindergarten Sankt Franziskus in der Ludwigsburger Weststadt.