Kreis Ludwigsburg
: Arbeiten statt um den Weihnachtsbaum sitzen

Die BZ stellt Menschen aus dem Kreis vor, die an Heiligabend oder Weihnachten arbeiten, während andere die Festtage genießen können. Warum der Dienst über die Feiertage für manche nicht Schlimmes ist und wie sich die Arbeit vom Rest des Jahres unterscheidet, berichten ein Pfarrer, Tankstellenmitarbeiter, eine Busfahrerin, eine Hotelbetreiberin und eine Pflegekraft.
Von
unserer Redaktion
Ludwigsburg
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Der Weihnachtsbaum vor dem Bönnigheimer Schloss leuchtet

Werner Kuhnle

Der Pfarrer

„Ich kenne das gar nicht anders“, sagt der Sachsenheimer Pfarrer Dieter Hofmann. Schon früher aus der Zeit, als er im Posaunenchor war, sei er Heiligabend aktiv gewesen. Insgesamt hält Dieter Hofmann drei Gottesdienste in der Stadtkirche über die Weihnachtstage ab. An Heiligabend um 18 Uhr den Festgottesdienst bei dem Sandra Bildmann singt.

Gegen 19 Uhr wird der Gottesdienst beendet sein so Hofmann, erfahrungsgemäß gehen die Gottesdienstbesucher recht zügig nach Hause und feiern daheim. Um 22 Uhr hält Dieter Hofmann dann die Christmette, die der Posaunenchor musikalisch gestaltet. Ein traditionelles Essen gibt es an Heiligabend bei Familie Hofmann nicht. Dieses Jahr gibt es Tofu-Schnitzel und Steak.

Die Kinder sind im Alter von 16 bis 21 Jahre, da findet die Bescherung zwischendurch statt, so Pfarrer Hofmann. Am Ersten Weihnachtsfeiertag feiert der Großsachsenheimer Pfarrer den Gottesdienst in der Stadtkirche, den Hans-Ulrich Lauer an der Orgel begleitet. Dieter Hofmann freut sich, dass an Weihnachten die ganze Familie zusammenkommt und zusammen feiert.

Tankstellenmitarbeiter

Kein Problem ist es für Tobias Gehring, den Geschäftsführer der Avia-Tankstelle in der Stuttgarter Straße in Bietigheim-Bissingen für den Heiligen Abend und die beiden Weihnachtsfeiertage Personal zu finden. „Meine Aushilfen sind Studenten, Schüler und oft nicht gläubig oder Muslime“, sagt Gehring. Er selbst will auf keinen Fall an Heiligabend arbeiten, da er ein achtjähriges Kind hat, das auf die Bescherung wartet. Aber er komme sicher an den Weihnachtsfeiertagen vorbei, um seinen Mitarbeitern einen Weihnachtsgruß zu bringen.

Mohammad Rahimi, Auszubildender bei Gehring, und Aushilfe Ebrar Tozlu arbeiten an Weihnachten an der Tankstelle. „Uns ist Weihnachten nicht so wichtig, das heißt aber nicht, dass wir trotzdem allen Kunden freundlich Schöne Weihnachten wünschen“, sagt Rahimi. Gerade an Weihnachten seien die Kunden sehr empfänglich für Freundlichkeiten. Sechs Stunden müssen die Mitarbeiter jeweils schichten, da die Tankstelle auch an Weihnachten 24 Stunden geöffnet hat. Um 18 Uhr am Heiligen Abend ist Schichtwechsel.

Gehring weiß, dass auch an Weihnachten getankt wird und nachts oft Kunden kommen, die noch das ein oder andere fürs Fest benötigen. Das Geschenk in letzter Minute werde auch oft noch in den späten Abendstunden des Heiligen Abends an der Tanke gekauft. Nach Mitternacht werde es dann etwas ruhiger, aber der ein oder andere Kunde käme auf dem Weg nach Hause tanken oder Zigaretten kaufen.

„Wichtig ist mir, dass meine Mitarbeiter gerade an Weihnachten sehr freundlich zu den Kunden sind, auch wenn sie selbst nichts mit Weihnachten am Hut haben“, sagt Gehring.

Die Busfahrerin

Heide Sverak und ihr Mann Udo sind seit 1985 rund um das „Busfahren“ beschäftigt. „Somit ist es für uns als Familie (mittlerweile mit vier Enkelchen) nichts besonderes, die Weihnachtsfeiertage bestmöglichst zu organisieren“, sagt sie. Sie fährt am Ersten Weihnachtsfeiertag von 7.42 Uhr bis 17.23 Uhr einen Linienbus von Spillmann in Bietigheim-Bissingen.

„In der Regel sind die Fahrgäste an Sonn- und Feiertagen besser drauf. Durch das geringere Verkehrsaufkommen ist es für uns auch kein Problem die Fahrzeiten pünktlich einzuhalten“, erzählt Sverak, die sich selbst lachend als Busfahrer-Omi bezeichnet.

Tatsächlich bekommen die Busfahrer „durchaus an Weihnachten die eine oder andere kleine Aufmerksamkeit“ von den Fahrgästen. Durch die relativ kurze Fahrzeit und der noch immer empfohlenen Maskenpflicht seien die Fahrgäste aber nicht ganz so gesprächig.

„Die Dienstplanung für die Weihnachtsfeiertage ist einfacher, als man dies auf den ersten Blick vermuten könnte. Da wir viele Fahrerinnen und Fahrer mit Migrationshintergrund haben, sind etliche dabei, die in ihrem Kulturkreis Weihnachten gar nicht oder zu einem anderen Termin feiern“, sagt Tobias Hähnle der bei Spillmann für die

ÖPNV-Planung und das Qualitätsmanagement zuständig ist. Durch den Feiertagszuschlag seien diese Dienste auch finanziell attraktiv.

An Heiligabend fahren die Busse traditionell nach dem Samstagsfahrplan. Lediglich der Nachtbusverkehr wird in der Nacht von Heiligabend auf Weihnachten nicht angeboten, sodass gegen 1.30 Uhr die letzten Busse einrücken. An den Feiertagen gilt dann der Sonntagsfahrplan.

Die Hotelbetreiber-Familie

„Wir haben als Familie den 24. Dezember, der uns heilig ist“, sagt Tabea Böser vom Hotel und Restaurant Otterbach. Ihre Eltern Silvia und Klaus Bernhard Schmid sowie die Geschwister Axel und Kim Alisa Schmid arbeiten wie auch sie selbst in dem Bietigheim-Bissinger Traditionshotel. Als Hotel-Familie sei es ganz normal für alle, auch an den Feiertagen zu arbeiten.

„Wir haben eigentlich immer gearbeitet, selbst als meine Geschwister und ich im Ausland waren“, berichtet Tabea Böser. Und wenn sie doch nach Hause gekommen seien während ihres Auslandsaufenthalts, hätten sie eben zu Hause mitangepackt. Dass jedoch nur einer arbeitet, das gebe es eigentlich nicht.

An Heiligabend aber, nehme sich die Familie Zeit füreinander. „Am 24. wird dann auch der Weihnachtsbaum geschmückt bei uns“, sagt Tabea Böser. Das sei einerseits Tradition, andererseits klappe es zeitlich aber auch einfach nicht früher, erklärt sie und lacht. Trotz freiem Tag koche Vater Klaus Bernhard Schmid etwas Besonderes für die Familie. Dieses Jahr gibt’s Kalbsrahmgulasch mit Kartoffelpüree. Bis in die Puppen feiere die Hotel-Familie jedoch nicht. „Wir müssen ja am 25. dann auch alle wieder früh raus“, sagt Böser.

Über die Feiertage zu arbeiten finde sie gar nicht so schlimm. „Wir haben ja trotzdem auch Weihnachten. Und über die Feiertage sind nur selten unangenehme Gäste da.“ Es seien vor allem Übernachtungsgäste, die über die Feiertage bei ihren Familien seien.

Von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen müssten so wenig wie möglich arbeiten. Im Bereich Housekeeping etwa könne die eine oder andere Aufgabe auch bis nach Weihnachten warten. 

Die Pflegekraft

Altenpflegerin Kinga Kiss (36) aus Murr, die seit 2018 im Pflegeheim an der Metter in Bietigheim-Bissingen arbeitet, weiß noch nicht genau, ob Sie an Weihnachten im Einsatz ist. Sie hat aber Bereitschaft, das heißt, sie muss immer erreichbar sein, wenn jemand ausfällt, um dann kurzfristig einzuspringen.

In ihrem Beruf gehört es für sie dazu, auch an Feier- und Festtagen zu arbeiten. Dieses Jahr trifft es sie an Silvester. An Weihnachten bringen diejenigen Mitarbeiter, die Dienst haben, Kuchen und andere Leckereien mit, gemeinsam wird mit den Heimbewohnern gesungen, erzählt sie. Das Besondere an den Festtagen sei, dass auch viele Angehörige ins Heim kommen. Sie selbst wird mit ihrer Familie daheim feiern, unter anderem wird sie ein ungarisches Weihnachtsessen auftischen. Das Haus an der Metter gehört zur Evangelischen Heimstiftung und bietet 90 vollstationäre Plätze an.

Martin Hein, Gabriele Szczegulski, Frank Ruppert, Heidi Vogelhuber und Uwe Mollenkopf

  • Pflegerin Kinga Kiss vom Haus an der Metter in Bietigheim hat Bereitschaft. An Weihnachten bringen diejenigen Mitarbeiter, die Dienst haben, Kuchen und andere Leckereien mit, gemeinsam wird mit den Heimbewohnern gesungen, erzählt sie

    Oliver Bürkle
  • Mohammad Rahimi und Ebrar Tozlu (von links) arbeiten an Weihnachten in der Tankstelle an der Stuttgarter Straße in Bietigheim. „Uns ist Weihnachten nicht so wichtig, das heißt aber nicht, dass wir trotzdem allen Kunden freundlich Schöne Weihnachten wünschen“, sagt Rahimi.

    Oliver Bürkle
  • Heide Sverak fährt auch an Weihnachten ihren Bus der Firma Spillmann in Bietigheim im Linienverkehr und hat Spaß dran: „In der Regel sind die Fahrgäste an Sonn- und Feiertagen besser drauf.“

    Werner Kuhnle
  • Dieter Hofmann ist evangelischer Pfarrer in Sachsenheim und an Heiligabend und Weihnachten im Dienst. Die Bescherung gibt es zwischendurch, die Kinder mit 16 und 21 Jahren, nehmen es nicht krumm.

    Helmut Pangerl
  • Das Hotel und Restaurant Otterbach ist ein Familienbetrieb. Tabea Böser (rechts mt: Gaby Otterbach, und Silvia Schmid) kennt es von klein auf nicht anders als auch an Weihnachten zu arbeiten: „Über die Feiertage sind nur selten unangenehme Gäste da.“

    Helmut Pangerl
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