Kreis Ludwigsburg: Angeklagte schweigen, jetzt sollen 50 Zeugen aussagen

Der Prozess gegen ein Einbrecher-Duo wird sich wohl noch einige Monate hinziehen.
/Oliver BürkleIm großen Einbrecher-Prozess am Stuttgarter Landgericht gegen zwei aus der Ukraine und aus Russland stammende Männer ist jetzt überraschend die Beweisaufnahme verlängert worden. Der Grund: Die beiden Angeklagten machen weiterhin von ihrem Recht des Schweigens Gebrauch, obwohl sie zu Prozessbeginn eine Aussage angekündigt hatten. Jetzt sollen weitere 50 Zeugen vernommen werden.
Ursprünglich war für diesen sechsten Verhandlungstag vorgesehen, dass die beiden 41 und 51 Jahre alten Angeklagten Angaben zu ihrer Person und eventuell auch Angaben zu den Vorwürfen machen. Dabei geht es um 59 Einbrüche nicht nur im Landkreis Ludwigsburg, in Asperg, Marbach, Bietigheim-Bissingen, Sachsenheim, Tamm und in Ludwigsburg selbst, sondern nahezu bundesweit, nämlich in weiteren Fällen in Nürnberg, Schorndorf, Waiblingen, Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Augsburg und Ulm. Einbruchschaden: eine halbe Million Euro. Da die Angeklagten sich aber entschieden haben, weiterhin nichts zu sagen, wurde jetzt von der 5. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts die Beweisaufnahme erweitert – es werden nunmehr alle geschädigten Haus- und Wohnungsbesitzer in den Zeugenstand gerufen.
Psychische Folgen für Opfer
Und das kann dauern. Deshalb haben die Richter jetzt noch elf weitere zusätzliche Prozesstage bis Ende September dieses Jahres terminiert, um dieses Mammut-Zeugenprogramm bewerkstelligen zu können. Alle Zeugen, in deren Häuser oder Wohnungen mutmaßlich von den beiden Männern auf der Anklagebank eingebrochen wurde, berichteten von schweren psychischen Folgen für sie, nachdem ihnen ein Großteil ihrer Wertgegenstände, in erster Linie Familienschmuck und auch Bargeld gestohlen wurde.
So berichtete jetzt eine Hausbesitzerin aus Marbach über den Einbruch in ihrem Heim in den späten Abendstunden des 26. Januar 2024. Als sie nach Hause kam, habe sie sofort an der ausgehängten Terrassentüre gesehen, dass etwas nicht stimmt. Drinnen waren Schubladen aufgezogen und zahlreicher Goldschmuck, teils von den Großeltern geerbt, im Wert mehrerer zehntausend Euro verschwunden. Selbst die goldenen Eheringe waren weg. Die Zeugin berichtete auch, dass am selben Abend in ihrer Nachbarschaft drei weitere Einbrüche zu verzeichnen waren. Vermutlich von denselben Tätern.
Schlimmer hatte es eine Familie in Heilbronn erwischt, in deren Einfamilienhaus die Einbrecher ebenfalls Anfang Januar 2024 gewütet haben sollen. Hier berichteten die Geschädigten im Zeugenstand, dass eine über 50.000 Euro wertvolle Goldmünzen-Sammlung gestohlen wurde. Viele der Zeugen berichteten auch davon, dass sie sich nicht mehr sicher in den eigenen vier Wänden fühlen.
International agierende Bande
Jedoch sollen die Einbrecher nicht immer ein heilloses Durcheinander hinterlassen haben. Eine Zeugin berichtete gestern, dass in ihrem Haus zwar Schmuck und Goldwaren im Wert von um die 60.000 Euro den Einbrechern in die Hände fielen. Doch diese Täter hätten nach getaner Arbeit alles in der Wohnung wieder aufgeräumt und sauber gemacht, so als ob nichts geschehen wäre. Ein Sonderfall, denn in den anderen Einbrüchen hinterließen die Täter immer absolutes Chaos.
Nach Überzeugung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft sind die beiden angeklagten Männer eindeutig diese Täter. Sie seien wichtige Köpfe einer international agierenden Bande, die sich ausschließlich auf Wohnungseinbrüche spezialisiert habe. Erwischt wurden sie durch die zufällige Festnahme des 51-Jährigen nach einem Wohnungseinbruch in Tamm. Die Kriminaltechnik hat seine DNA-Spuren sicherstellen können. Er war bereits erkennungsdienstlich wegen eines früheren Überfalles in Bulgarien behandelt worden, und dann nach der Haftverbüßung nach Stuttgart eingereist, wo er – vergeblich - versuchte, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Dabei waren die Ermittler auf ihn aufmerksam geworden.
Falls die beiden Männer weiterhin schweigen, muss das Gericht an die 50 Zeugen vernehmen, die in ganz Deutschland verstreut leben und geladen werden müssen. Nächster Verhandlungstag ist am 24. März. Bernd Winckler