Kreis Ludwigsburg
: Alter Hybrid-OP weicht Nachfolger

Im RKH-Klinikum Ludwigsburg wird ein alter Hybrid-OP gegen eines der neuesten Modelle ausgetauscht. Das alte Gerät wurde in den vergangenen Tagen abgebaut und wird nun verschrottet.
Von
Lisa Lorenz
Ludwigsburg
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Dieser Teil des Hybrid-OPs, der Roboter, wiegt 1,4 Tonnen. Im Hintergrund links: der C-Bogen.

Lisa Lorenz

Wenn die Bauarbeiter keine grüne OP-Kleidung anhätten, könnte man meinen, man sei auf der gewöhnlichen Baustelle nebenan gelandet. Aber gewöhnlich sind die Bauarbeiten, die in diesen Tagen im OP-Saal Nummer neun des RKH-Klinikums Ludwigsburg stattfinden, nicht gerade. Dort wird ein 15 Jahre alter Hybrid-OP abgebaut und Platz für seinen Nachfolger gemacht – den „Artis Phenovision“ der Firma Siemens Healthineers. Dieser kommt allerdings erst im Herbst, bis dahin ist in dem Raum noch allerhand zu tun.

„Gestern waren wir um 7 Uhr morgens hier und haben bis abends gearbeitet, heute auch den ganzen Tag“, sagt Thomas Müllek, Projektmanager von Siemens Healthineers. Am Abend des zweiten Arbeitstags will man mit dem Abbau des alten Hybrid-OPs dann fertig sein. Etwas Besonderes ist die Demontage für die Mitarbeiter nicht, sie sind routiniert. Strahlung sei nicht vorhanden, und auch die Elektrik wurde bereits abgeschaltet, so Müllek.

Gerät hat seine Lebensdauer überschritten

„Hightech hat ein Verfallsdatum, und das ist hier erreicht“, sagt der ärztliche Direktor der Gefäßchirurgie am Klinikum, Doktor Johannes Gahlen. Hybrid-OPs haben meist eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren, der nun demontierte sei also mit seinen 15 Jahren sowieso schon älter gewesen und hätte ausgetauscht werden müssen.

Schon mit dem damaligen Bau des alten Hybrid-OPs 2011 habe man sowohl selbst viel gelernt als auch Standards gesetzt; der Hybrid-OP sei oft kopiert worden, so Gahlen. An seine Stelle tritt „eines der modernsten bildgestützten Operationssysteme für Hybrid-OPs weltweit“, heißt es vom RKH. Das bedeutet: eine bessere Bildwiedergabe und Qualität bei weniger Röntgenstrahlung.

Auch eine KI arbeitet mit, wie Müllek erklärt: Sie soll bei der Diagnose unterstützen, indem sie mit zahlreichen Diagnosen angelernt wird und so unter Umständen mehr erkennen kann als das menschliche Auge. Der Clou von Hybrid-OPs ist dieser: Schon während der Operationen kann man durch Bildgebung sehen, ob beispielsweise eingesetzte Stands richtig sitzen. Dadurch kann dem Patienten zum Beispiel die Computertomografie nach einer Operation erspart werden. Das funktioniert, indem der sogenannte Kollimator, der sich am sogenannten C-Bogen auf der einen Seite des Patienten befindet, die Röntgenstrahlen bündelt.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Patienten befindet sich der Flachdetektor, der die Strahlen aufnimmt und sie in ein Bild umwandelt. Der C-Bogen, an dem Kollimator und Flachdetektor sitzen, ist am Roboterarm befestigt, um unterschiedliche Positionen am Patienten genau anfahren zu können. Der Roboter der Firma Kuka und der C-Bogen von Siemens sind dabei verbunden und müssen miteinander kommunizieren, obwohl es sich um unterschiedliche Geräte handelt, erklärt Gahlen. Die Firma Kuka stelle sonst eigentlich Schweißgeräte für die Autoindustrie her, der Tisch aus Carbon sei von der Firma Trumpf aus Ditzingen und kommuniziere ebenfalls mit der Einheit, so Gahlen.

Mehr Sicherheit während Operationen

Mit dem neuen Hybrid-OP gebe es mehr Sicherheit für Patienten, Ärzte und Anästhesisten durch weniger Strahlung und gleichzeitig eine bessere Qualität. „Man kann genauer, präziser und schneller operieren. Das sind Quantensprünge in der Technologie“, sagt der ärztliche Direktor. Die Demontage des alten und der Aufbau des neuen Hybrid-OPs finden bei laufendem Betrieb statt, eine „Herausforderung für das Haus“, so Projektmanager Müllek.

Als Schwierigkeit des Umbaus nennt Gahlen das Dasein des Hybrid-OPs als Hightechprodukt – ein solches müsse auf den Bruchteil eines Millimeters genau stehen, es beinhalte „wahnsinnig viel Technik“. Für die Übergangsphase, bis im Herbst das neue Gerät kommt, gibt es einen mobilen C-Bogen, mit dem sich der Chef der Gefäßchirurgie sehr zufrieden zeigt. Bis dahin stehen im OP-Raum Nummer neun noch einige Bauarbeiten an: Da die Verkabelung bisher aus der Decke kam und mit dem neuen Gerät aus dem Boden kommen wird, muss die Decke des Raums verschlossen werden. Leuchten werden durch LEDs ausgetauscht, der Schallschrank muss getauscht werden, die Stahlplatte, die als Gewicht im eingelassenen Boden sitzt, entfernt werden.

Die Hauptsache wird aber noch an diesem Arbeitstag erledigt: Der 1,4 Tonnen schwere Roboter wird auf einer Palette abtransportiert, das ganze Bauteam bugsiert ihn aus dem Raum und durch die Gänge. Bald wird er, gemeinsam mit den anderen Überresten des alten Geräts, verschrottet.