Kreis Ludwigsburg: Alltagshelden für Familien gesucht

Koordinatorin Kathrin Braun (rechts) und Johanna Zeller suchen neue Mitstreiter bei den Familienpaten des Kinderschutzbundes Ludwigsburg.
/Martin KalbAlltagshelden gesucht: Der Kinderschutzbund sucht Ehrenamtliche, die Familien mit kleinen Kindern als Patin oder Pate in schwierigen Lebenssituationen Zeit schenken und ihnen bei der Bewältigung des Alltags helfen. Es geht um Hilfen, „die auf den ersten Blick klein wirken“, sagt Kathrin Braun vom Kinderschutzbund. Aber für die Familien sei die emotionale und praktische Unterstützung wertvoll. Oft bedeute Zuhören und Dasein schon eine große Entlastung für die Eltern. „Die Familien sind dankbar für alles“, sagt sie.
Zwei Stunden Zeit pro Woche
Seit vier Jahren gibt es das Programm der Familienpaten beim Kinderschutzbund in Ludwigsburg. Johanna Zeller ist eine von den Ehrenamtlichen. Die 24-Jährige war von Anfang dabei. Die erste Familie, die sie Patin unterstützte, lebte im Asylbewerberheim und hatte vier Kinder, darunter ein Zwillingspärchen. Die Mädchen waren als Frühchen auf die Welt gekommen und öfter krank. Rund zwei Stunden pro Woche passte sie auf die anderen Kinder auf, ging mit ihnen zum Spielplatz, hatte ein offenes Ohr für Probleme und begleitet die Familie schon einmal zu einem Termin beim Amt.
„Familienpatenschaften sind nicht auf Dauer angelegt“, sagt Projektkoordinatorin Kathrin Braun. Sechs bis zwölf Monate dauert die Patenschaft innerhalb einer Familie, wobei ein wöchentliches Treffen wünschenswert sei. „Es geht darum, für Entlastung zu sorgen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagt Braun. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Schulung, die aus zwölf Modulen besteht. Nicht alle müssen vor der ersten Patenschaft absolviert werden, erklärt Braun.
„Den Zusatzfunken hineinbringen“
Thematisch geht es zum Beispiel darum, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben oder zu lernen, wie man Grenzen setzt. Auch beim Ehrenamt müsse man mit den eigenen Kräften haushalten und dafür sorgen, dass es einem mit dem Engagement selbst gut geht. „Das Modul war toll“, erinnert sich Zeller. „Beim Ehrenamt geht es ja darum, den Zusatzfunken hineinzubringen.“ Die Schulungen erfolgen zum Teil über das Netzwerk Familienpaten online. „Sie sind sehr praxisorientiert ausgerichtet“, betont Braun. Immer wieder gebe es Rollenspiele oder interaktiven Austausch.
Die Familienpaten, von denen es derzeit im Kreis nur fünf gibt, tauschen sich auch untereinander regelmäßig etwa alle drei Monate aus. Als Koordinatorin des Programms hilft Braun zudem bei Problemen, die im Alltag der Paten auftreten. Bei Fragen etwa, ob eine Zweijährige eine Rutsche benutzen darf, die erst ab drei Jahren freigegeben ist, könne man auch in der Familie Rücksprache halten, empfiehlt Braun.
Menschen, die sich als Paten engagieren möchten, müssen ein Polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Versichert sind sie bei ihrem Ehrenamt über den Kinderschutzbund.
Mittlerweile betreut Zeller eine Familie, die sie auch mal am Abend besucht. Dann kann die Mutter zum Beispiel an einem Elternabend teilnehmen oder auch einfach einmal schwimmen gehen. Als die Frau erfahren habe, dass sie die Zeit auch für sich nutzen könne, habe sie vor Freude geweint, sagt Braun. „Wir schauen danach, dass die Bedürfnisse der Familie und die der Paten zueinander passen“, sagt sie. Dabei können die Paten Wünsche äußern – zum Beispiel wo im Kreis sie eine Familie betreuen können oder welche Tätigkeiten sie auf keinen Fall machen möchten. Beim ersten Treffen der Familie mit der Patin oder dem Paten ist Kathrin Braun dabei. „Wir schauen, ob es passt“, sagt sie. Anschließend wird grob schriftlich vereinbart, auf was sich beide Parteien verständigt haben.
Seinen Sinn finden
Johanna Zeller, die ein Studium in Frühkindlicher Bildung absolviert, ist den Umgang mit kleinen Kindern aus der Kita zwar gewöhnt. Dennoch ist sie von ihrem Ehrenamt begeistert: „Man merkt, wenn man gebraucht wird“, sagt sie: „Und man bekommt immer etwas zurück.“ Sei es, dass die Kinder sich freuen, wenn die Patin kommt, oder ein Kleinkind, dessen Muttersprache nicht deutsch ist, zum ersten Mal Johanna sagt. „Es geht auch darum, seinen persönlichen Sinn zu finden“, findet sie.
Ist man nicht traurig, wenn eine Patenschaft nach einem Jahr endet? Natürlich könnten aus dem Engagement auch Freundschaften entstehen, sagt Kathrin Braun. Aber das sei nicht das oberste Ziel des Programms. „Irgendwann muss man Tschüss sagen“, sagt Johanna Zeller.