Kreis Ludwigsburg: Abfallgebühren steigen leicht

Die Gebühren für die Leerung der Mülltonnen erhöht sich minimal um 0,8 Prozent.
/Martin KalbDie Abfallgebühren im Landkreis sollen im Jahr 2027 minimal ansteigen. Nach fünf Jahren stabiler Gebühren hat sich der Ausschuss für Umwelt und Technik auf Antrag der Freien Wähler dafür ausgesprochen, die Gebühren für einen Musterhaushalt um jährlich 1,70 Euro beziehungsweise 0,8 Prozent anzuheben. Als Musterhaushalt wird ein Vier-Personen-Haushalt bezeichnet, der eine 120-Liter-Restmülltonne und eine 120-Liter-Biomülltonne nutzt und diese jeweils zehn Mal im Jahr leeren lässt. Für die Gebührenzahler würde der Jahresobolus von insgesamt 216,41 auf 218,11 Euro steigen.
Mit dem Beschluss folgte der Ausschuss der Empfehlung der Kreisverwaltung allerdings nicht, die mit einer Variante 2 die Gebühr um 2,1 Prozent auf 220,92 Euro pro Jahr anheben wollte. Abschließend entscheiden wird der Kreistag in seiner Sitzung am 23. Oktober, wobei dort der Vorentscheid im Ausschuss für Umwelt und Technik mit der Mehrheit von Freien Wählern und der CDU, die den Antrag der FW unterstützte, wohl auch beschlossen wird.
Fraktionen uneinig
„Wir fahren auf Sicht“, die Bürger im Landkreis würden sich freuen, weniger bezahlen zu müssen, plädierte Boris Seitz (FW) für Variante 1. Joachim Kölz (CDU) sprach flankierend von einem „guten Signal“ an die Bürger. Variante 1 führe auch 2027 nicht zu hohen Steigerungen, zudem müsse man zu viel eingenommene Gebühren zurückgeben. Deshalb schließe man sich den Freien Wählern an. Auch die FDP und die Fraktion Linke und Vielfalt (LuV) sprachen sich für Nummer 1 aus. Sie sei besser in einer Situation, wo vieles andere teurer werde, so LuV-Kreisrat Peter Schimke. Die SPD zeigte sich uneinig.
Ganz anders Edda Bühler von den Grünen, die insgesamt Mehrkosten auf die Gebührenzahler zukommen sah. So wird für 2027 mit einem Anstieg um rund 1,6 Millionen Euro gerechnet. Verantwortlich dafür sind unter anderem höhere Kosten für die Einsammlung und Entsorgung der Abfälle, steigende Personalaufwendungen und Umlagen sowie geringere Einnahmen aus der Wertstoffverwertung. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, plädierte Bühler für die etwas höhere Gebührenvariante 2, mit der man ein Polster schaffen könne.
Weniger Erlös beim Altpapier
Besonders deutlich machen sich die Mehrkosten bei der Entwicklung beim Altpapier. Während für 2026 noch ein durchschnittlicher Erlös von 100 Euro je Tonne angesetzt wurde, kalkuliert die Verwaltung für 2027 nur noch mit 70 Euro. Neben den schwankenden Marktpreisen spielt dabei auch die zunehmende Digitalisierung eine Rolle, durch die weniger Altpapier anfällt. Insgesamt werden die Wertstofferlöse voraussichtlich um rund 600.000 Euro zurückgehen.
Dass die Gebühren trotz dieser Entwicklung nur geringfügig steigen, liegt an den Überschüssen aus den vergangenen Jahren. Allein 2025 erwirtschaftete die Abfallwirtschaft des Landkreises eine Kostenüberdeckung von rund 3,3 Millionen Euro. Zusammen mit den Vorjahren 2022 bis 2024 stehen damit rund 15 Millionen Euro zur Verfügung, die nach den gesetzlichen Vorgaben innerhalb von fünf Jahren ausgeglichen werden müssen.
3,56 Millionen Euro Gewinn
Bei der Abstimmung erhielt die Variante 1 dann die nötige Mehrheit. Die Leerungsgebühren Restmüll und Biomüll für die Gewerbebetriebe verändern sich demnach gleichermaßen wie bei den Haushalten. Für die jetzt dem Kreistag empfohlene Gebührenvariante sollen rund 6,4 Millionen Euro aus den Überdeckungen der Vorjahre eingesetzt werden und im Rahmen der Abfallgebührenkalkulation die Zuführung von fünf Millionen Euro in die Nachsorgerückstellung fließen.
Neben der Gebührenkalkulation befasste sich der Ausschuss auch mit dem Jahresabschluss 2025 der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL). Das Unternehmen erzielte einen Jahresgewinn von rund 3,56 Millionen Euro. Zusammen mit dem Gewinnvortrag aus dem Vorjahr in Höhe von rund 15,2 Millionen Euro ergibt sich ein Bilanzgewinn von insgesamt rund 18,76 Millionen Euro. Laut Beschluss sollen rund 3,56 Millionen Euro an den Landkreis ausgeschüttet werden.
Wirtschaftsplan zugestimmt
Auch dem Wirtschaftsplan der AVL sowie dem vorgelegten Budget für das Jahr 2027 stimmte das Gremium zu. Dieses umfasst neben dem Wirtschafts- und Finanzplan auch den Investitions- und Stellenplan des Unternehmens. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben dabei in weiten Teilen unverändert. Herausforderungen sieht die AVL insbesondere im Deponiebereich. Die weiterhin schwache Auftragslage in der Baubranche, vor allem im Wohnungsbau, belastet das Geschäft. Hinzu kommen die Nachwirkungen der Inflation und des Zinsanstiegs, die sich voraussichtlich auch 2027 auf die angelieferten Mengen und damit auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken werden. Wenn weniger angeliefert wird, könne man die Deponien auch länger nutzen, meinte Peter Schimke dazu.