Kreis Ludwigsburg: 80.300 junge Menschen im Kreis

Im Kreis Ludwigsburg wächst die Zahl junger Menschen. Trotzdem gibt es Probleme, etwa beim Thema Ehrenamt.
/Oliver BürkleDer Landkreis Ludwigsburg verfügt insgesamt über eine vergleichsweise gut ausgebaute Jugend- und Jugendsozialarbeit. Gleichwohl steht auch der Landkreis vor gravierenden Umbrüchen im Altersaufbau der Bevölkerung. Aktuelle Daten, die Volker Reif vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorgelegt hat, zeigen, dass insbesondere die klassische Jugendarbeit zuletzt Personal verloren hat und das Ehrenamt vor demografischen Herausforderungen steht.
Mehr junge Menschen im Kreis
Im Landkreis leben nach Berechnungen des Statistisches Landesamtes Baden-Württemberg rund 80.300 junge Menschen zwischen sechs und 21 Jahren – damit gehört Ludwigsburg zu den Kreisen mit den meisten jungen Menschen im Land. Bis 2035 soll diese Altersgruppe sogar um rund sechs Prozent beziehungsweise 4580 Personen wachsen.
Anders sieht es bei den 18- bis 27-Jährigen aus. Ihre Zahl dürfte um rund 1200 sinken. Gerade diese Altersgruppe sei jedoch besonders wichtig für das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen und Jugendverbänden, so Reif im Ausschuss. Matthias Müller, Präsident des Sportkreises Ludwigsburg, konnte dem beipflichten. So reduziere sich die Zahl der Übungsleiter und Trainer, die Vereine würden sich jedoch stärker in Schulen und Kindergärten engagieren. „Hier gibt es einen Zuwachs“, so Müller.
Der Bericht richtet in puncto Ehrenamt den Blick ebenfalls in die Zukunft – wenn auch leicht in eine andere Richtung. Zwar wurden im Landkreis 478 Jugendleiterkarten ausgegeben, was eine Position im oberen Drittel der Landkreise bedeutet. Dennoch geht die Zahl der gemeldeten Ehrenamtlichen langfristig zurück. Der Bericht warnt deshalb, dass in kleineren Strukturen bereits der Wegfall eines einzelnen Ehrenamtlichen dazu führen könne, dass ein Angebot nicht mehr fortgeführt wird.
Der Kommunalverband fordert deshalb eine Stärkung des Ehrenamtes, und nimmt die Städte und Gemeinden in die Pflicht. „Ehrenamtsförderung ist eine kommunale Daseinsvorsorge“, betonte Volker Reif. Auch, weil Jugendliche mit vielen Verwerfungen zu kämpfen hätten. „Krisen, Klimawandel, Digitalisierung und ethnische Zugehörigkeiten bestimmen über die Verteilung der Ressourcen.“
Ehrenamt im Blick behalten
Im Ausschuss forderte Petra Bischoff (FW) ein Umdenken in den Kommunen, auch weil Erwachsene immer weniger bereit seien, sich fürs Ehrenamt zu engagieren. Claudia Häcker (CDU) sagte, man dürfe die Wertschätzung für das Ehrenamt nicht aus den Augen verlieren. „Die Gemeinden richten sich nach der Finanzkraft und nicht nach dem Bedarf“, so die Anmerkung von Karin Lakotta (Grüne). Und Stefanie Liepins von der SPD rief dazu auf, den Blick auf die aktuellen Schüler-Proteste in Frankreich zu richten, wo eine Generation zeige, was sie wolle.
Beim Personal ergibt sich im Bericht unterdessen ein differenziertes Bild. Ende 2025 wurden in der Jugendarbeit 136,92 Vollzeitstellen gezählt. Bezogen auf die Zahl der jungen Menschen liegt Ludwigsburg damit im oberen Drittel der Landkreise. Allerdings ist die Zahl der Stellen seit 2019 rückläufig. Gleichzeitig wurde die Schulsozialarbeit über Jahre ausgebaut. Im Schuljahr 2023/24 gab es sie an 144 Schulen, das waren gut 91 Prozent der öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Dafür standen 110,35 Vollzeitstellen zur Verfügung. Es bestehe aber die Gefahr, so Reif, dass die Förderung von Schulsozialarbeit andere notwendigen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendpolitik überlagern könnten und dort die Leistungen nicht mehr ausgewogen zu Verfügung stehen.
Weniger Geld für Jugendarbeit
Finanziell liegt der Kreis nicht an der Spitze. Für die Jugendarbeit wurden zuletzt 82 Euro je Einwohner zwischen sechs und 21 Jahren ausgegeben. Gegenüber 2013 sind das rund 6,50 Euro weniger. Zusammen mit der Jugendsozialarbeit liegt Ludwigsburg beim finanziellen Aufwand im Übergang vom unteren zum mittleren Drittel der Landkreise.
Als Konsequenz empfiehlt der Bericht, die bestehende Infrastruktur gemeinsam mit Städten und Gemeinden zu sichern und weiterzuentwickeln. Genannt werden unter anderem neue gemeindeübergreifende Konzepte, eine stärkere Berücksichtigung der digitalen Lebenswelt Jugendlicher sowie mehr Unterstützung für ehrenamtliche Strukturen.
Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen stärker für die Verbandsarbeit und das Ehrenamt gewonnen und einbezogen werden. So haben im Landkreis Ludwigsburg laut Bericht schätzungsweise rund 40.000 bis 45.000 Minderjährige einen Migrationshintergrund.
Dies entspricht etwa 40 bis 45 Prozent der jungen Menschen – und liegt damit über dem Landesdurchschnitt der Gesamtbevölkerung.