Klavierkonzert mit Mitsuko Uchida: Weltstar an den Tasten

Mitsuko Uchida hat seinerzeit entscheidend bei der Wahl des Flügels (hier auf einem Archivfoto) im Kronenzentrum mitgewirkt und ist oft Gast in Bietigheim-Bissingen. ⇥
Pangerl Helmut;Nicht angelegtSie gibt Konzerte mit den Größten der Branche, auf den renommiertesten Bühnen dieser Welt. Mitte Januar war sie in Boston, Anfang Februar spielt sie in Zürich, Salzburg und London bevor sie Europa Richtung USA verlässt. Dazwischen macht die Britin – 2009 zur „Dame“ erhoben – einen einzigen Ausflug in die Provinz. Er führt sie nach Bietigheim-Bissingen. Mal wieder.
Flügel im Kronenzentrum
mit ausgesucht
Seit sie entscheidend bei der Auswahl des Flügels im Kronenzentrum mitgewirkt hat, kommt sie gern zurück, um auf dem für sie optimalen Instrument zu spielen. Doch wie schon bei ihrem letzten Besuch brachte Uchida auch diesmal ihren eigenen Flügel mit ins Kronenzentrum. Sie kommt also gerne – und das Instrument allein kann es nicht sein.
Gegenüber der BZ betonte sie am Donnerstagabend, auch in der Zukunft wieder nach Bietigheim-Bissingen kommen zu wollen.
Und der Weltstar mobilisiert. Waren viele Kultur- und Musikliebhaber den Veranstaltungen wohl pandemiebedingt zuletzt fern geblieben, so war die Nachfrage diesmal so groß, dass kurzfristig noch ein zweites Konzert zweieinhalb Stunden vorher angesetzt wurde. Jeder Gast, der im Vorfeld Karten bestellt hatte, war vom städtischen Kulturamt kontaktiert worden. So erlebten statt maximal 280 rund 500 Personen diese außergewöhnliche wie fantastische Künstlerin. Kulturamtsleiter Stefan Benning äußerte sich gegenüber der BZ erleichtert und dankbar: dass Uchida für ein zweites Konzert zur Verfügung stand und dass alles wie geplant stattfinden konnte. In diesen unsteten Zeiten hatte Benning stets eine Absage gefürchtet.
Mitsuko Uchida bot ein exquisites Kunsterlebnis
Doch Uchida spielte. Und wie. Die 73-jährige Pianistin hatte erneut das Mahler Chamber Orchestra mitgebracht. Gemeinsam boten sie dem Publikum als fühlende Einheit ein exquisites Kunsterlebnis, das sich ausdrücklich nicht nur auf die akustische Brillanz reduzieren lässt.
Bei Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll (im ersten Konzert spielte sie Nr. 23 in A-Dur) saß Uchida mit dem Rücken zum Publikum, um das Orchester dirigieren zu können. Sie beschränkte sich dabei nicht nur auf das übliche Kopfnicken und Einsatzgeben. Sie atmete mit der Musik und erlebte diese so intensiv, dass sie sie in ihren Bewegungen weiterführte, auch wenn ihre eigentliche Hauptaufgabe an den Tasten vollbracht war.
Jede kleinste Klavier-Pause nutzte sie, um mit ihren Gesten die Verbindung zum Orchester zu verdichten und verband somit auf ihre einzigartige Weise das Soloinstrument mit dem Ensemble. Die Solistin schien sich nicht als schillernde Krone zu begreifen, sondern als ein dem Gesamtkunstwerk dienendes Element. Als sie sich für den Schlussapplaus von ihrem Klavierhocker erhob, dankte sie zunächst ausgiebig dem Orchester, ehe sie den Beifall vom Bietigheim-Bissinger Publikum für sich selbst entgegennahm.
Außergewöhnliche Fähigkeiten am Flügel gezeigt
Zuvor hatte die sympathische Britin mit japanischen Wurzeln die Zuhörer mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten am Flügel beeindruckt und gezeigt, welche klanglichen Nuancen sie mit ihrem Tastenanschlag erzielen kann.
Zu Beginn des Konzerts spielte das Mahler Chamber Orchestra eine Sammlung von Fantasien aus der Feder des barocken Komponisten Henry Purcell sowie mit „Josquiniana“ eine Hommage von Charles Wuorinen an Josquin Desprez. Der 2020 verstorbene und hierzulande eher unbekannte Amerikaner nahm hierfür Kompositionen von Desprez als Grundlage für sein Streichquartett. So hervorragend die Darbietungen des Orchesters auch waren: Der von den Bietigheim-Bissingern gefeierte Star des Abends war die Grande Dame: Mitsuko Uchida.