Kirchturmsanierung Sachsenheim: Sanierung ist auf Spenden angewiesen

Der Kirchturm der Remigiuskirche in Häfnerhaslach ist marode. Pfarrerin Ira Philipp (links) und Kirchengemeinderatsvorsitzende Gundi Meier-Lorch
Martin/ KalbVon Weitem sichtbar, ist es das wohl ortsbildprägendste Gebäude im Sachsenheimer Teilort Häfnerhaslach: Die vor dem 14. Jahrhundert erbaute Remigiuskirche. Die letzte Sanierung des Kirchturms war vor mehr als 40 Jahren, entsprechend marode ist dessen Zustand.
Da wesentliche Finanzierungsfragen geklärt sind, steht nun fest: Die Kirchturmsanierung kann in Angriff genommen werden. „Lange Zeit schien uns das Projekt unrealisierbar“, sagt Gundi Meier-Lorch. Seit 30 Jahren ist sie Kirchengemeinderatsvorsitzende in Häfnerhaslach, wo etwa 700 Einwohner leben, davon rund 340 evangelische Gemeindeglieder. Die Instandhaltung des Kirchturms wird mit 540 000 Euro veranschlagt. Die Frage, die Pfarramt und Kirchengemeinderat umtrieb, war: Wie soll eine kleine Kirchengemeinde wie Häfnerhaslach die enormen Kosten für die Sanierung stemmen?
Dank der Kostenbeteiligung der Stadt, dem Kirchenbezirk Vaihingen sowie dem Ausgleichstock und Sondermitteln der Evangelischen Landeskirche sind nun fast Dreiviertel des Betrags für die Sanierung zusammen.
Dankbar über Kirchturmpolitik
„Wir sind über die neuen Verträge mit Sachsenheim sehr dankbar“, sagt Meier-Lorch und meint damit die Einigung im August zwischen der Stadt und der Kirche, sich an den Instandhaltungskosten für Glocken, Uhren und Türme der Kirchen in Großsachsenheim und Häfnerhaslach zu beteiligen. Seit 2016 gab es ein langes Hin und Her zwischen Gemeinderat und Kirchenvertretern über die Höhe einer Beteiligung der Stadt für Kirchensanierungen, die zuvor 50 Prozent betrug. Man einigte sich auf 35 Prozent.
„Nun sind wir von der Finanzierungslage her für den ersten Schritt bereit und können einen Statiker und Architekten beauftragen“, freut sich die 65-Jährige. Geplant ist, im Spätsommer 2023 mit den Arbeiten zu beginnen.
Größere Mängel am Tragwerk
Die letzte innere Renovierung des Kirchturms war laut Meier-Lorch vor 27 Jahren, die letzte äußere in den 1980er-Jahren. In einer Tragwerkuntersuchung wurden 2016 größere Mängel an der Konstruktion festgestellt, erzählt Gundi Meier-Lorch: „Die Dachkonstruktion hat Schäden, das Holz ist zum Teil verfault.“
Durch die Feuchtigkeit im Holz gehe die Verbindung zwischen Mauer- und Fachwerk kaputt, und die Tragfähigkeit der senkrechten Stützen reduziere sich. „Wenn eine Stütze nachlässt, besteht wie beim Mikadospiel die Gefahr, dass die anderen zusammenfallen“, beschreibt die Häfnerhaslacherin die Mängel. „Das wird irgendwann gefährlich für die Menschen“, sagt auch Ira Philipp. Seit 2017 ist sie Pfarrerin in Häfnerhaslach, Spiegelberg, Ochsenbach und Großsachsenheim.
Wie Gundi Meier-Lorch schwärmt sie von der Remigiuskirche: „Es ist eine schnuckelige Kirche, ein altes Schmuckstück.“ Gerne werden hier Taufen und Hochzeiten gefeiert, so Philipp. Die Häfnerhaslacher zeigten eine große Verbundenheit zu ihrem auch bei Touristen beliebten Ort und der Kirche, Vereine unterstützten sich.
Für die Instandsetzung des Kirchturms muss die Kirchengemeinde einen Anteil von 141 000 Euro als Eigenmittel erbringen,. Davon fehlen noch 46 000 Euro, die die Kirchengemeinde durch Spenden sammeln will.
Hoffen auf Spenden
„Das ist eine enorme Summe für eine kleine Gemeinde“, sagt die junge Pfarrerin, „aber wir sind optimistisch: Die Leute sind unglaublich spendenfreundlich. Jeder spendet so viel, wie er kann.“ Sie und Gundi Meier-Lorch hoffen auf Spenden aus Häfnerhaslach und ganz Sachsenheim von Kirchenmitgliedern, Vereinen, Unternehmen.
Die Häfnerhaslacher haben schon früher, etwa 1995, ihre Verbundenheit mit ihrer Kirche bewiesen – sie sammelten damals Geld für den Erhalt und die Restaurierung des historischen Uhrwerks. Damals wurden 30 000 Mark für die Kirchenuhr in Eigenleistung erbracht.
Mittelalterliche Geschichte: Chorturmanlage und Beginenklause
Die Sankt-Remigius-Kirche
in Häfnerhaslach soll schon im 13. Jahrhundert erbaut worden sein, so wurde der steinerne Kirchturm angeblich um 1300 vom damaligen Ortsherrn errichtet. Im 15. Jahrhundert wurde der Chor erbaut, seit 1431 hängt eine Glocke im Glockenstuhl. Nach ihrem Baubestand gilt die Kirche als Chorturmanlage.
Die dem Heiligen
Remigius
geweihte Kirche gehörte 1468 dem Kloster Kirchbach. 1556 wurde eine dortige Beginenklause, wo Frauen in klosterähnlicher Gemeinschaft lebten, aufgehoben. Das Gebäude dient seitdem als evangelisches Pfarrhaus. 1762 wurde das Schiff erbaut und 1767 nach Süden hin erweitert.