Kirchheim
: “Rosa“ und „Regina“ sichern die Steillagen

Für die „WeinKultur“ steht bereits der fünfte Jahrgang bevor. Die Herstellung eigener Weine bewahrt Trockenmauern auch vor einem Rutsch.
Von
Michael Soltys
Bönnigheim
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Die Steillagen in Kirchheim: Die Herstellung eigener Weine bedeutet für die Gemeinde Landschafttspflege und Verkehrssicherung. Durch die Arbeit verhindert man, dass die Trockenmauern abrutschen.

/Martin Kalb

In Kürze geht es für Thomas Nollenberger und Uwe Seibold wieder in die Weinberg-Steillagen am Neckar direkt über dem Radweg Richtung Lauffen. Zusammen mit einigen freiwilligen Helfern werden der Betriebsleiter der „Weinkultur“ und der Kirchheimer Bürgermeister die Trauben für „Rosa“, „Regina“, „Roberto“ und „Öxle“ ernten. Das sind die Namen der vier „WeinKultur“-Weine, die bei den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu ausgebaut werden.

Es ist der fünfte Jahrgang der „Weinkultur“, angebaut und geerntet auf mittlerweile 3,5 Hektar Weinberg-Terrassen. „Die WeinKultur ist etabliert“, sagt Bürgermeister Seibold. „Sie hat sich von einem Modellprojekt zu einer dauerhaften Einrichtung entwickelt.“

Dauerhafte Verlängerung

Dieses Modellprojekt wurde im Januar 2020 vom Kirchheimer Gemeinderat zunächst für drei Jahre bewilligt und ist im vergangenen Jahr dauerhaft verlängert worden. Die Gemeinde übernimmt seitdem Steilhänge, die von den früheren Besitzern aufgegeben oder nicht mehr bewirtschaftet werden können – als Schenkung oder in der Pacht zu null Euro. Seitdem ist Thomas Nollenberger der Betriebsleiter, unterstützt von einer hauptamtlichen Kraft, die von der Gemeinde bezahlt wird. Und getragen von einer Reihe von Ehrenamtlichen, die im Weinberg Reben schneiden, Laub entfernen, bei der Lese helfen, kulturelle Veranstaltungen organisieren oder beispielsweise die Homepage pflegen. Sichtbarstes Beispiel dieses Engagements sind die „Monsterle“, die kleinen Monster auf den Etiketten, die den Weinen ihren Namen geben: Rosa ist der Name für die Rosé-Cuvée aus Lemberger, Trollinger und Cabernet Sauvignon. Regina steht für die weiße Cuvée aus Riesling und der Sorte Sauvitage. Roberto ist ein Rotwein aus Cabernet Sauvignon und Lemberger. „Öxle“ ist ein Trollinger aus handverlesenen Trauben, spontan vergoren und im Holzfass gereift. Die Abbilder der „Monsterle“ sind auch in den Rebzeilen direkt am Neckar-Radweg zu sehen. Sie wurden von Lisa Nollenberger geschaffen.

Es ist beileibe nicht nur Liebhaberei, die zur Gründung der „WeinKultur“ geführt hat. „Im Grunde geht es um die Landschaftspflege und die Verkehrssicherung“, sagt der Bürgermeister. Die Rechnung ist einfach: Werden die Steillagen über dem Radweg nicht mehr bewirtschaftet, übernehmen Unkraut und Büsche die Oberhand. Werden die Trockenmauern, auf denen die Weinbergterrassen ruhen, nicht mehr gepflegt, geraten sie womöglich ins Rutschen. Sie sind an dieser Stelle extrem hoch, so Seibold, bis zu vier Meter, und tragen oft nur wenige Rebzeilen. Droht Gefahr, wäre die Gemeinde verpflichtet, den Weg darunter zu sichern. Und das ist teuer, weiß der Bürgermeister aus Erfahrung.

Um die Trockenmauern kümmere sich ein Förderverein, der von der Umwelt-Stiftung der Kreissparkasse unterstützt wird. Über die Jahre hinweg seien hier sechsstellige Summen zusammengekommen. Vor diesem Hintergrund sind die 30.000 bis 40.000 Euro, die Kirchheim jährlich für die „WeinKultur“ draufzahlt, aus Seibolds Sicht gut angelegt. Um die 10.000 Flaschen ihrer Eigenkreationen kann die WeinKultur jährlich verkaufen. „Darüber hinaus wird es schwierig“, so die Erfahrungen Seibolds.

Das übliche Traubengeld

Ist die Weinterrasse oberhalb der Steillagen an einem Donnerstag wieder einmal bewirtschaftet, werden die Weine ebenso ausgeschenkt wie bei den kulturellen Veranstaltungen der „WeinKultur“ in der Alten Kelter, beispielsweise einem Festival mit Musik und Gesang Anfang Mai.

Als Mitglieder der Weingärtner Stromberg-Zabergäu liefert die „WeinKultur“ ihre Trauben an die Genossenschaft ab und erhält dafür das übliche Traubengeld. Die Genossenschaft baut die Trauben als Dienstleister nach den Vorgaben Nollenbergers und der WeinKultur aus und liefert die fertigen Flaschen, erläutert Seibold das Geschäftsmodell. Das ganze wirtschaftliche Risiko bleibt bei der WeinKultur. Nollenberger sorge für die Vermarktung und den Kontakt zum Großhandel. „Wir müssen uns am Markt irgendwie behaupten“, sagt Seibold.

In Kirchheim sind viele Wengerter froh, dass die bedrohten Steillagen weiter von der WeinKultur gepflegt und bewirtschaftet werden. Schließlich wird damit der Niedergang in der Nachbarschaft eigener Weinberge vermieden. Mittlerweile erreichen Seibold auch Anfragen aus Nachbar-Kommunen, ob das Projekt nicht ausgeweitet werden könnte. Doch das sei wegen des begrenzten Absatzpotenzials nicht möglich, so Seibold. Aus den eigenen Steillagen könnte die „WeinKultur“, die mit 2,8 Hektar gestartet ist, noch die ein oder andere Fläche hinzunehmen. „Wir müssen die spektakulären Lagen erhalten“, sagt er.