Kirchheim: Eine Leidenschaft zum Vergnügen des Publikums

Seit ihrer Jugend im Iran ist Azar Schramm von der Klassik fasziniert. Seit fast 20 Jahren lebt sie ihre Leidenschaft und organisiert hochkarätige Konzerte in Kirchheim.
/Martin KalbTa-ta-ta—taa, das ist das musikalische Motiv, das bei der gebürtigen Iranerin Azar Schramm als 16-Jährige die Leidenschaft für klassische Musik erweckte. Beim Besuch einer Freundin ihrer Mutter hörte sie in ihrer Heimat zum ersten Mal klassische Musik. „Das hat mich sofort gefesselt“, sagt die Musikfreundin, die vor 20 Jahren eine Reihe mit hochkarätig besetzten Klassikkonzerten in Kirchheim ins Leben gerufen hat, wo sie sei fast drei Jahrzehnten lebt.
In einem Musikgeschäft in England vorgesungen
Ta-ta-ta-taa, diese Melodie ging ihr nicht mehr aus dem Kopf, doch erst zwei Jahre später während ihrer Ausbildungszeit in England, sollte sie erfahren, was dahintersteckt. „In einem Musikgeschäft habe ich es vorgesungen“, erinnert sich Schramm im Gespräch mit der BZ, und sie erfuhr, dass es sich um die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven handelt. Die Komposition ist bekannt als „Schicksalsmotiv“, deren Rhythmus während des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten wegen des Morse-Zeichens für den Buchstaben „V“ wie Victory (Sieg) genutzt wurde.
Vor 29 Jahren ist sie nach Kirchheim gekommen und habe den Slogan gelesen „Kirchheim bietet was“. Schramm: „Ich habe schon in Kirchheim gesungen, war in der Gemeinde integriert und habe mir die Frage gestellt: Was bietest Du?“ So begann sie, wie die Musikkennerin im Gespräch erzählt, ihren Traum zu leben, Klassikkonzerte zu organisieren. Sie erinnert sich an das erste Gespräch mit Bürgermeister Uwe Seibold und Kulturamtsleiterin Andrea Fritz, in dem sie um deren Vertrauen für eine solche Klassikreihen bat: „Geben Sie mir drei Monate Zeit.“
„Große Herausforderung und viel Verantwortung“
Es war ihr klar, der Aufwand für die Organisation eines solches musikalisches Projekt ist immens und es ist viel Geld nötig. 2007 stand das erste Konzert in Kirchheim mit Musikern, einem anspruchsvollen Programm und Sponsoren, in dem der 200 Geburtstag von Frédéric Chopin gefeiert wurde. „Inzwischen haben die Kirchheimer gesehen, es hat Hand und Fuß was Schramm macht und sie steht für Qualität und Vertrauen“, so die Musikfreundin. Dieser Zuspruch gebe ihr Kraft immer weiterzumachen, es sei aber auch „eine große Herausforderung und es bedeutet viel Verantwortung“.
Seit fast zwei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der Vorbereitung des diesjährigen Konzerts, bei dem am Samstag, 24. Oktober, in der Schule auf dem Laiern der Violinenvirtuose Piotr Plawner begleitet vom einem Quartett mit Misa Stefanovic (Violine), Nathalie Trautmann (Violine), Isabella Klim (Violoncello) und Andrea Ganin (Bratche) die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldis und Kompositionen von Chopin, Rachmaninow, Brahms und Wieniawski präsentiert. Natürlich führt Azar Schramm mit Erläuterungen zu den Komponisten, den Musikstücken und Geschichten durch das Programm. „Ich habe immer noch Herzklopfen“, bekennt sie voller Vorfreude auf den ausverkauften Abend.
Eigentlich sollte Piotr Plawner bereits 2020 zu einem Jubiläumskonzert 250 Jahre Beethoven nach Kirchheim kommen. Damals machten allerdings die Coronaeinschränkungen eine solche Veranstaltung unmöglich. Jetzt kommt Plawner sechs Jahre später mit Vivaldi nach Kirchheim und das ausgewählte Programm passt nach Einschätzung von Schramm ideal: „Er ist der perfekte Violinist für die ,Vier Jahreszeiten‘.“