Kirchheim
: Altenpfleger vor seiner Rückkehr

Ein hartnäckiges Unterstützerteam hat die Rückkehr von Sedia Kijera nach Kirchheim auf den Weg gebracht und jetzt eine Spendenaktion gestartet.
Von
Karin Götz
Bönnigheim
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Sedia Kijera ist bei Heimbewohnern und -mitarbeitern in Kirchheim sehr beliebt gewesen. Jetzt freut man sich auf das mögliche Wiedersehen.

/Simon Granville

Es gibt sie noch, die kleinen Wunder. Sedia Kijera, der Altenpfleger aus Kirchheim am Neckar, der am 1. Dezember 2023 während seiner Frühschicht im Pflegeheim Haus am Mühlbach zur Abschiebung nach Gambia abgeholt worden war, kann zurückkommen. Eine außergerichtliche Einigung zeichnet sich ab. Sein Arbeitsvertrag mit der Arbeiterwohlfahrt liegt bereit, eine Stelle an seiner alten Wirkungsstätte in Kirchheim wartet auf ihn. Zusammen mit vielen Bewohnern, Kollegen und Wegbegleitern. Zu verdanken hat der heute 31-Jährige das Menschen, die ihn weder vergessen noch aufgegeben haben. Zu verdanken hat er es ihrer Hartnäckigkeit, ihrem Glauben an das Gute und ihrem Einsatz. Das Unterstützerteam rund um Götz Schwarzkopf, Sprecher der Kirchheimer Ortsgruppe der Seebrücke, und seiner ehemaligen Chefin Daniela Lehmann, der Leiterin des Pflegeheims, hat in den vergangenen Jahren nicht lockergelassen.

Arbeitsvisum im Sommer 2024 beantragt

Bereits im Sommer 2024 hatte Sedia Kijera versucht, von Gambia aus ein Arbeitsvisum zu beantragen. Das Recht dazu hatte er, denn er war freiwillig ausgereist. Mitsamt Arbeitsvertrag der Awo reichte der Altenpfleger in Dakar auf der Botschaft den Antrag ein, doch ein paar Wochen später kam vom Justizministerium Baden-Württemberg eine Absage. Auch die erneute Prüfung blieb ohne Erfolg. Obwohl das Landratsamt sich dafür ausgesprochen hatte.

Der Grund für die harte Haltung des Regierungspräsidiums und des Justizministeriums: Kijera war 2018 wegen Besitzes und Handels mit Marihuana zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Strafe war längst erledigt, seine Resozialisierung erfolgreich verlaufen, doch es blieb ein Eintrag im Bundeszentralregister.

Seine Geschichte hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Eine erste Online-Petition wurde 2023 direkt nach dem Abschiebeversuch gestartet. Eine Petition beim Landtag mit zwei Härtefallanträgen folgten. Außerdem wurden Spenden gesammelt, die Sedia Kijera in Gambia unter anderem ermöglichten, seinen Lebensunterhalt mit einer kleinen Hühnerfarm zu verdienen.

„Im Sommer 2025 wechselten wir den Anwalt“, erzählt Götz Schwarzkopf, „er riet uns in Berlin beim Verwaltungsgericht eine Klage aufgrund der Abweisung des Visums gegen die Bundesrepublik Deutschland zu richten“. Im Januar 2026 habe sich schließlich die Möglichkeit eines außergerichtlichen Vergleiches abgezeichnet.

Ein leichter Weg war es dennoch nicht, erklärt Rechtsanwalt Thomas Röder. „Wir mussten lange kämpfen, bis der Bund einen Vergleich in Aussicht gestellt hat.“ Ein gewichtiger Einwand seitens des Auswärtigen Amtes war der Fakt, dass die Abschiebehaftkosten noch nicht zurückgezahlt worden waren. „Eine Ratenzahlung wurde abgelehnt. Entweder die Summe wird auf einmal zurückbezahlt oder Herr Kijera darf nicht einreisen“, so Röder. Das Landratsamt Ludwigsburg wurde über die untere Ausländerbehörde an dem Gerichtsverfahren beteiligt, da dessen Zustimmung zur Visumerteilung erforderlich ist.

„Aufgrund noch offener Kosten aus der Abschiebehaft musste die untere Ausländerbehörde Einreisebedenken im Ausländerzentralregister eintragen lassen. Sobald die offenen Forderungen beglichen sind, können diese Einreisebedenken gelöscht werden. Unter dieser Voraussetzung kann die Ausländerbehörde der Visumerteilung voraussichtlich zustimmen“, heißt es aus dem Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung.

Soll heißen: Die gütliche Einigung ist gebunden an das Bezahlen der Abschiebehaftkosten – knapp 35.000 Euro – in einem Betrag. Darüber hinaus muss Sedia Kijera eine Meldebescheinigung aus Gambia vorweisen ebenso wie einen Nachweis, dass er seit seiner Rückkehr dort nicht straffällig geworden ist. Beide Dokumente beglaubigt und übersetzt. „Die Dokumente haben wir schon“, berichtet ein glücklicher und zutiefst bewegter Götz Schwarzkopf, der vor wenigen Tagen eine Spendenaktion gestartet hat.

Sedia Kijera kann sein Glück noch gar nicht fassen. Er danke Gott und allen, die ihm in den vergangenen Jahren zur Seite gestanden hätten, sagt er am Telefon. Als er erfahren habe, dass er nach Deutschland zurückkehren dürfe, habe er vor Glück nicht schlafen können. „Deutschland ist für mich ein Zuhause. Es ist das Land, in dem ich Freiheit und Frieden finde und die Arbeit ausüben kann, die ich liebe. Meine Kollegen und Patienten sind für mich wie eine Familie.“

Inzwischen ist eine Spendenaktion ist gestartet, Infos dazu online.