Kastanienbeutelfest in Ludwigsburg: Positives Signal in schwierigen Zeiten

Das Wetter während des Kastanienbeutelfests war durchwachsen – dennoch kamen viele Menschen in die Innenstadt.
Werner KuhnleAls am frühen Sonntagnachmittag die Sonne durch die Wolken bricht, füllt sich die Ludwigsburger Innenstadt – beim Kastanienbeutelfest hat sich Ludwigsburg wieder einmal von seiner lebhaften Seite gezeigt. Neben dem verkaufsoffenen Sonntag lockten lokale Gewerbetreibende, Handwerker und Essensstände die Besucher in die Stadt.
Für Händler und Gastronomen war das Fest vor allem eine Gelegenheit, sich zu präsentieren, neue Kunden anzusprechen und auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen. Wichtig – gerade in einem schwierigen Jahr für die Ludwigsburger Innenstadt. Doch nicht alle Geschäfte beteiligen sich.
Kunden entdecken Läden
Vor dem Käsespezialitätenladen von Armin Haas bildet sich schon früh eine Menschentraube. Es riecht nach Feuer und Käse. An einem offenen Grill bereitet Haas mit seinem Team Grilled-Cheese-Sandwiches zu. „Das sorgt für Aufmerksamkeit und schmeckt den Leuten“, sagt Haas. Für ihn gehört das Kastanienbeutelfest zu den wichtigsten Tagen des Jahres: „Damit Menschen den Laden kennenlernen.“
Gerade Besucher von außerhalb entdecken an diesem Sonntag sein Geschäft häufig zum ersten Mal. „Da höre ich immer, wieder Kunden, die ganz begeistert sind, dass es so einen Spezialitätenladen in Ludwigsburg gibt“, erzählt Haas. Er könne deshalb nur jedem Gewerbetreibenden empfehlen, den verkaufsoffenen Sonntag zu nutzen.
Dass nicht alle Geschäfte und Gastronomiebetriebe mitmachen, könne er nicht nachvollziehen. Der Aufwand sei überschaubar, sagt Haas. Wer keinen zusätzlichen Stand oder Grill aufbaut, müsse im Grunde nur sein Geschäft öffnen. Auch die Mitarbeiter hätten seiner Erfahrung nach immer Lust auf diesen Tag.
Ähnlich sehen es Hatice Reith und Joanna Priebe, die den Conceptstore Liebes von Priebes betreiben. Auch sie hätten sich gewünscht, dass sich mehr Geschäfte in der Seestraße am Kastanienbeutelfest beteiligen – etwa mit eigenen Ständen vor der Tür oder indem sie zumindest ihre Läden öffnen.
Vor ihrem Laden haben Reith und Priebe gemeinsam mit Partnern ein kleines Angebot auf die Beine gestellt: Das Genusslädle verkauft Gewürze und Öle aus einer Ape, die Jugendfußballerinnen des SB Asperg bieten Kuchen an.
Positive Rückmeldungen
Dass nicht mehr Geschäfte mitziehen, trübt ihre Bilanz des Tages jedoch nicht. Reith und Priebe schenken Stammkunden und Partnern Sekt aus und freuen sich über positive Rückmeldungen zu ihrem Sortiment aus handgefertigten Produkten, die sie gemeinsam mit lokalen Partnern anbieten. Auch ihre neue Ludwigsburg-Ecke komme gut an, sagen die beiden: Dort finden Kunden T-Shirts mit Stadtbezug, Haselnussschnaps und Kerzen mit einem Gruß aus Ludwigsburg.
Der Innenstadtverein Luis organisiert jedes Jahr das Kastanienbeutelfest. Auch in diesem Jahr ist der Verein trotz des durchwachsenen Wetters mit der Besucherzahl und dem Ablauf zufrieden. Bis auf einen kurzen Ausfall der Ampeln an der Sternkreuzung und einen Rettungswagen, der von der Sperrung der zentralen Wilhelmstraße überrascht wurde, sei alles gut gelaufen, sagt Luis-Citymanager Markus Fischer. Auch der befürchtete Verkehrskollaps ist ausgeblieben, die Parkhäuser waren am Sonntag gut erreichbar.
Für die Ludwigsburger Einzelhändler sei das ein positives Signal, sagt Fischer. Hinter ihnen liege kein einfaches Jahr. Die angespannte wirtschaftliche Lage in der Region, allgemeine Unsicherheit und die zurückhaltende Konsumlaune belasten laut Fischer die Innenstadtakteure. Hinzu kämen Hitzetage und zahlreiche Baustellen in der Stadt. Doch der Citymanager richtet den Blick nach vorn: Auf das Kastanienbeutelfest folgen der Weihnachtsmarkt und das Weihnachtsgeschäft.
Oberpaur-Kaufhaus als Zugpferd
Auch die Wiedereröffnung des sanierten Oberpaur-Kaufhauses könne zum Zugpferd für die gesamte Innenstadt werden, sagt Fischer. Dass Oberpaur in Ludwigsburg investiert habe, sei ein wichtiges Signal. Andere Kaufhäuser vergleichbarer Größe hätten in den vergangenen Jahren aufgegeben, etwa Kögel in Esslingen. Fischer bleibt optimistisch. Auch weil sich immer wieder junge, kreative und moderne Gewerbetreibende in Ludwigsburg niederlassen.
Eine von ihnen ist Noura Jeridi. „Das ist mein erster richtiger öffentlicher Auftritt“, sagt die Pädagogin und Jungunternehmerin glücklich. „Ich habe gerade mein erstes Merchandise-Stück verkauft.“ Jeridi hat kürzlich in der Nähe des Forums im Schlosspark einen „Family Space“ eröffnet. Dort bietet sie Familienberatung, Elterngesprächsgruppen und eine Krabbelgruppe an.
Unter ihrem Pavillon auf dem Kastanienbeutelfest informiert Jeridi über ihre Angebote und hat eine Bastelecke eingerichtet. Dort lassen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern Kastanien in einem sogenannten Kastanienshaker in Farbe herumkullern. Jeridi nutzt das Fest, um Familien auf ihren „Family Space“ aufmerksam zu machen und erste Kontakte zu knüpfen. Das Interesse sei groß, berichtet sie. „Das Kastanienbeutelfest ist natürlich eine optimale Gelegenheit, mich den Menschen vorzustellen.“
