Ingersheim: Mitten im Herbst blühen die Obstbäume

Notblüte, beobachtet in Ingersheim.
/Martin KalbEin für die Jahreszeit ungewöhnliches Bild zeigte sich dieser Tage unter anderem auf den Streuobstwiesen beim Ingersheimer Holderhof: Mitten im Herbst blühten Obstbäume.
Wie Franziska Schuster, Sprecherin des Landratsamtes, in dem auch die Obstbauberatung angesiedelt ist, auf BZ-Anfrage mitteilt, handelt es sich dabei um eine sogenannte Notblüte. Diese könne bei ungewöhnlichen Wetterereignissen eintreten. In diesem Jahr sei aufgrund der Dürre im Sommer bei den Bäumen die Blatt- und Fruchtversorgung ohne Bewässerung schlecht gewesen. Früchte seien zum Teil vorzeitig abgeworfen worden. Nach einem Hagelschauer reagiere der Baum mit einem Neuaustrieb, um die verlorene Blattmasse zu ersetzen und seine Versorgung zu sichern. Weitere Ursachen könnten aber auch ein zu starker Sommerschnitt oder starker Pilzbefall sein, so die Sprecherin. Die Folge bei allen Ereignissen: Der Hormonhaushalt komme stressbedingt ins Ungleichgewicht. Bei den Bäumen werden die Blütenknospen bereits im Juni/Juli fürs nächste Frühjahr angelegt und gehen normalerweise im Sommer in den Ruhemodus. Tritt dann ein solches hormonelles Ungleichgewicht ein und folgt im Herbst eine Phase feucht-warmer Witterung, wähnt sich der Baum im Frühling, die neuen Blütenknospen treiben durch und schwellen an. Neben Obstbäumen können laut Franziska Schuster auch Ziergehölze wie Rhododendron, Kastanien oder Magnolien betroffen sein.
Früchte werden nicht gebildet
Früchte werden bei der Notblüte keine gebildet. „Die Bestäubung ist unzureichend und die Temperaturen für die Fruchtbildung sind im Herbst zu niedrig“, so die Sprecherin. Das herbstliche Blühen habe aber dennoch Auswirkungen. Normalerweise seien die Triebe im Herbst „abgeschlossen“ und zum Teil bereits verholzt, so Schuster. Damit seien sie bestens für den Winter vorbereitet. Beim Durchtreiben würden nun wertvolle Reservestoffe verbraucht, die später fehlten. Und: „Neutriebe und Blüten sind sehr empfindliche Pflanzenteile und bergen die Gefahr von Frostschäden beziehungsweise ein erhöhtes Risiko für einen Befall mit Pilzkrankheiten.“ Außerdem stehe ein Teil der Blütenknospen dann für das Frühjahr nicht mehr zur Verfügung.
Einzelne Nachblüten würden dem Baum aber nicht schaden. Meist reiche der Besatz an Blütenknospen trotzdem auch für eine ausreichende Blüte im Frühjahr aus, heißt es aus dem Landratsamt.Uwe Mollenkopf