Hospiz Bietigheim-Bissingen
: „In Würde leben bis zuletzt“

In der Hospizarbeit sind Ehrenamtliche unabdingbar. Jedes Jahr bildet das Hospiz Bietigheim Menschen in einem Kurs dafür aus: Iris Schaaf und Uschi Sauerbrey erzählen wie sie zu dieser ehrenamtlichen Arbeit kamen und wie sich der eigene Blick auf das Thema Tod und Sterben verändert.
Von
Petra Neset-Ruppert
Bietigheim-Bissingen
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Gelassener beim Thema Sterben und Tod: Iris Schaaf (links) und Uschi Sauerbrey arbeiten ehrenamtlich im Hospiz und im abulanten Hospizdienst.

/Oliver Bürkle

Ich habe mich gefragt: Was möchte ich mit meiner Zeit machen?“, erinnert sich Iris Schaaf. Die Hessigheimerin absolvierte den Kurs für Ehrenamtliche, die im Hospiz und im ambulanten Hospizdienst arbeiten im Hospiz in Bietigheim. Im März endete der Kurs und nun begleitet sie Menschen auf ihrem letzten Weg.

„Ich habe als Hebamme gearbeitet und kenne die ambulanten Besuche noch von der Nachsorge. Deshalb wollte ich auch gerne in den ambulanten Dienst“, erzählt Schaaf. Als ihr Vater starb fühlte sie sich ziemlich hilflos und es blieben einige Fragen offen. „Das habe ich über Jahre mit mir herumgetragen und jetzt, da drei der vier Kinder ausgezogen sind, habe ich Zeit, mich diesem Thema wieder zu nähern. Ich wollte mehr darüber verstehen“, erklärt Schaaf die Motivation, die sie in den Kurs gebracht hat.

Offene Art mit schwerem Thema

Durch den Kurs sei eine wundervolle Gemeinschaft entstanden, in der man sich auch austauschen kann, das sei ein Aspekt der ehrenamtlichen Arbeit im Hospizdienst. „Sterben und Tod ist ein sehr schweres Thema, doch die offene Art mit der man hier diesem Thema begegnet, ist wundervoll“, sagt die gelernte Hebamme.

Auch Uschi Sauerbrey schätzt die gute Zusammenarbeit im Hospiz. Seit 21 Jahren ist sie ehrenamtlich dort tätig. „Ich war sozusagen eine Quereinsteigerin, da ich vorher im Multiple-Sklerose-Heim gearbeitet habe und kurzer Hand fragte, ob sie mich denn auch im Hospiz gebrauchen könnten“, erinnert sich die Bietigheim-Bissingerin.

Im Rückblick ist sie selbst überrascht wie gut die Umstellung der ehrenamtlichen Arbeit für sie lief. Als sie damals in der Palliativarbeit im Hospiz tätig war, gehörte auch noch das Wäsche waschen dazu, doch das habe sich mittlerweile geändert. „Ein gewisser Anteil an Hauswirtschaft gehört aber auch noch dazu, wir bringen den Menschen das Essen“, erklärt Sauerbrey, die neben der Arbeit im Hospiz auch bei der Arbeit in den Trauergruppen, sowie bei dem Projekt „Hospiz macht Schule“ mithilft. Essen sei immer ein guter Eisbrecher, denn darüber komme man schnell ins Gespräch und Kommunikation ist ein wichtiger Teil der ehrenamtlichen Hospizarbeit, um zu erfahren was sich die Menschen wünschen und was sie brauchen. „Denn der Leitspruch des Hospizes lautet: ‚In Würde leben bis zuletzt’ – und genauso begegnen wir auch den Menschen hier“, sagt Sauerbrey.

Wegbegleiterin sein

Auf die Frage, ob man denn nach einer Schicht einfach so nach Hause gehen und weitermachen kann, antwortet Sauerbrey klar: „Man darf nicht mit einem Rucksack in diese ehrenamtliche Arbeit gehen und genauso wenig damit herausgehen. Aber wenn ich Menschen betreue, die ich kenne, ist es manchmal wirklich schwer. Aber mit der Zeit wird es leichter.“

„Das wundervolle an dieser Arbeit, ist dass man eigentlich ‚nur’ Zeit gibt und Wegbegleiterin für ein Stück der Strecke sein darf. Die Rückmeldungen, die wir von Angehörigen dann zurückbekommen, sind schön“, erzählt Schaaf von ihrer Erfahrung. Mit jeder Sterbebegleitung werde sie selbst auch ein Stück gelassener was den eigenen Tod und das Sterben angeht.

„Wir sind hier im Ehrenamt nie alleine unterwegs. Regelmäßige Supervisionen gehören auch zu der Arbeit, bei der man sich austauschen kann. Wir bekommen immer das Gefühl vermittelt: Du bist wichtig hier“, so Schaaf. Durch ihre Arbeit im ambulanten Hospizdienst seien mittlerweile auch gute Freundschaften entstanden. „Es war die richtige Entscheidung den Kurs zu machen“, ist sich Schaaf sicher.

Einen Tipp hat die erfahrene Sterbebegleiterin Uschi Sauerbrey dann noch für jeden, der sich fragt, ob man das selbst auch könnte: „Trauen Sie sich und probieren es einfach aus. Wenn sie während des Kurses merken, dass es nicht geht, dann haben Sie es wenigstens versucht. Seien Sie einfach mutig.“