Hitze: Nicht zum Braunbrennen stundenlang in die Sonne legen

Rund 2500 Badegäste tummelten sich täglich bei der Hitzewelle im Sommer 1937 im Bietigheimer Freibad. Dieses befand sich damals neben dem Viadukt. ⇥
Stadtarchiv Bietigheim-BissingenImmer wieder gab es auch früher länger anhaltende Hitzeperioden, die den Menschen hierzulande zusetzten. Oft endeten die hohen Temperaturen mit Blitz und Donner.
Wegen der langanhaltenden Hitze musste das Bietigheimer Stadtschultheißenamt am 25. Juli 1929 die Einwohner zum, wie es hieß, sparsamsten Umgang mit dem Wasser aufrufen. Das Begießen der Straßen gegen den Staub und das Gießen der Gärten mittelst Schlauch wurde sogar verboten. Übertretungen müssten aufs Strengste bestraft werden, so der Bietigheimer Stadtschultheiß Christian Schmidbleicher.
Ein fürchterliches Unwetter beendete die Hitzeperiode und füllte dann schlagartig die eine oder andere Regentonne wieder auf. Allerdings wurden auch etliche Bäume vom Unwetter niedergelegt und Äste abgerissen. „Gefallene Getreide-, Mais- und Kleefelder bezeichnen den Weg, welchen der furchtbare Sturm genommen hat“, berichtete der Enz- und Metter-Bote am selben Tag. Unsere Gegend kam noch vergleichsweise glimpflich davon. In Stuttgart zerriss der Sturm einige Oberleitungsdrähte der Straßenbahnen und entwurzelte viele Bäume. In Münchingen schlug der Blitz in eine Scheune ein. Daraufhin brannten fünf Scheunen nebeneinander ab.
Anfang August 1932 ächzten die Einwohner in Bietigheim und Umgebung mal wieder unter der großen Hitze. Mehrere Tage hintereinander wurden damals Temperaturen von über 40 Grad erreicht. Lediglich ein schweres Gewitter am 14. August 1932 unterbrach die Hitzewelle kurz.
Massenandrang im Freibad
Temperaturen von knapp über 30 Grad führten um den 12. Juni 1937 zu einem Massenandrang im damals frisch eingeweihten und direkt am Viadukt gelegenen Bietigheimer Freibad. Rund 2500 Badegäste aus nah und fern zählte man täglich in den heißen Tagen im Juni 1937.
Nicht alle hatten Freude an der einige Wochen anhaltenden Hitzewelle. Zwischen Besigheim und Kirchheim wurde im Juni 1937 die Verbindungsstraße geteert. Die Straßenbauer verzweifelten an der Hitze. Der Teer wurde nicht fest. Letztendlich kamen die Fachleute zu dem Schluss, dass der mit 120 Grad aufgespritzte Teer infolge der Hitze überhaupt nicht jenen Grad der Abkühlung erreichte, der nötig war, um eine innige Verbindung zwischen Teer und Split herbeizuführen.
Gebote zum Schutz gegen Hitze
Gebote zum Schutz bei großer Hitze veröffentlichte unsere Zeitung aus gegebenem Anlass am 10. Juni 1941. Darunter waren Tipps wie beispielsweise leichte und helle Kleidung zu tragen. Der Kopf solle im Feien bei greller Besonnung bedeckt sein.
Bemerkenswert ist der Hinweis: Es ist nicht ratsam, sich zum Braunbrennen stundenlang in die grelle Sonne zu legen. Stets ist jedoch der Kopf vor praller Sonnenbestrahlung zu schützen. Flüssigkeitsreiche, kühle und fettarme Speisen wurden empfohlen, ebenso Obst und Fruchtsäfte. Alkoholische Getränke seien zu meiden. Unmäßige Flüssigkeitsaufnahme sei in jedem Fall zu vermeiden, da sonst durch einen großen Schweißausbruch eine Abnahme der Leistungsfähigkeit die Folge sei.
Bei einem Hitzschlag, Sonnenstich oder sonstigem Übelbefinden empfahl man 1941, Kleider zu öffnen, damit freie Atmung gesichert sei. Liege keine Ohnmacht vor, so gebe man dem Kranken in kleinen Schlücken Kühles zu trinken. Ratsam sei kalter Kaffee. Bei Ohnmacht, so ein weiterer Ratschlag, solle man den Betroffenen Kölnisches Wasser riechen lassen, kühle nasse Tücher auf den Kopf und auf jeden Fall den Betroffenen in den Schatten legen und gegebenenfalls ärztliche Hilfe herbeiholen.
Kein rasches Tempo fahren
Auch an die Autofahrer dachte man bei den hohen Temperaturen: Die Kraftfahrer sollten kein zu rasches Tempo fahren, da durch die Hitze und grelle Versonnung die Aufnahme- und Entschlussfähigkeit herabgesetzt sein könne und dadurch das Entstehen von Verkehrsunfällen erleichtert werde.