Highland Games in Ludwigsburg: Kraft, Kultur und Kameradschaft

Viele Teilnehmer legten Wert auf traditionelle Kleidung und traten im schottischen Kilt an.
/Martin KalbSorgfältig wird der 7,25 Kilo schwere Stein auf der Hand ausbalanciert, am Hals abgestützt. Dann eine schnelle Drehung, ein wehender rot-schwarz-karierter Rock, ein martialischer Schrei: und der Stein segelt über den Rasen, meterweit, landet mit einem saftigen Wumms hinter der kleinen Flagge, die den bisher weitesten Stoß markiert. Die umstehenden Athleten, alle im Rock, nicken anerkennend: Ein neuer Rekord des Tages.
Trend verbreitet sich
Denn es waren Highland-Games, und so, wie die schottischen Clans einst zu den Festen pilgerten, um die Stärksten unter ihnen zu ermitteln, so pilgerte man am vergangenen Wochenende nach Oßweil. Auf dem Parkplatz standen einige Camper, die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland, erklärt Meike Stöffler vom ASV, auch aus Nordrhein-Westfalen, und natürlich aus Süddeutschland. Von Schottland kommend haben sich die Highland Games und die Begeisterung für diese auch historisch vom Norden in den Süden der Bundesrepublik ausgebreitet, der ASC richtet sie seit 2005 aus. „Ab Ende April können Sie in Deutschland jedes Wochenende irgendwo hin, zum Teil auch zu zwei an einem Wochenende“, erklärt Stöffler, wie verbreitet die Wettkämpfe inzwischen sind. Frankfurt, Leipzig – manche Teilnehmer fahren da schonmal 800 Kilometer. Beim Steinstoßen werden traditionell Natursteine verwendet, im Steinbruch gesucht ist jeder anders und keiner perfekt – nachbearbeitet werden sie nicht. Zum Abwurf muss man im Kasten bleiben, was man darin macht steht einem aber frei, erklärt Stöffler. Zu den Highland Games gehören traditionell die Disziplinen Hammerwerfen, Gewichtweitwurf, Steinstoßen, Gewichthochwurf und Baumstammwerfen, jeder Athlet tritt in jeder Disziplin an. „Das war das erste Mal drei Meter“, bemerkt einer der jüngeren Teilnehmer nach seinem Gewichthochwurf die neue Besthöhe: bei der Disziplin muss ein Gewicht nach oben über eine Stange geworfen werden, bei den „Heavy Events“ wiegt das 19 Kilo.
Am Samstag fanden, neben den Open Heavy Events, bei denen alle antreten können, auch die Deutschen Meisterschaften der U 19 statt. Die Szene wächst, der Verein zählt sieben Jugendliche – „das ist für Highland Games relativ viel“, so Stöffler, auch, weil man nicht so früh anfangen kann. Mit den schweren Gewichten ist man vorsichtig, mit 30 dann die körperlichen Konsequenzen in Ellbogen und Schulter zu spüren, sei nicht das Ziel, stellt Stöffler klar: „Es soll immer noch Spaß machen.“
Am Sonntag stand dann der Wettkampf der A-Heavys an: beim Gewichthochwurf wurden hier bei den Männern schon 25 Kilo hochgeschleudert. Aber das Fest war viel mehr als der Wettbewerb der starken Frauen, Männer und Jugendlichen. Neben natürlich den Klängen des Dudelsacks, die weit über das Festgelände hinausschollen, konnte man am Samstagnachmittag auch Scottish Country Dance auf der Bühne sehen – und einiges lernen: etwa, dass die enge politische Bindung von Schottland und Frankreich im Mittelalter sich auch in der Tanzkultur niederschlug, die Franzosen ihre Tänze mitbrachten. So ist der aufgeführte „Strathspey“ etwas langsamer und majestätischer als der darauf folgende „Ceilidh“, der in der schottischen Tradition etwas quirliger ist, genauso wie der wiederum nächste „Falls of Rogie“.
Hilfsbereitschaft untereinander
In der Zwischenzeit war beim Gewichthochwurf die Stange deutlich nach oben verschoben worden, und die inzwischen ächzenden Athleten feuern sich gegenseitig an, Erfrischungen und Snacks werden geteilt. „Es ist eine unwahrscheinlich gute Gruppe“, beschreibt Meike Stöffler die Stimmung unter den Teilnehmern. Man treffe „unglaublich hilfsbereite Leute: wenn du irgendwas hast, kommen sie und helfen und unterstützen.“ Der verbissene Wettkampfgedanke, der in anderen Sportarten so dominant ist, sei hier viel entspannter: „Hier will man auch gewinnen, so ist es nicht, aber es ist einfach nett untereinander.“ Man zeige sich etwa gegenseitig, wie man den Stein beim Stoß besser halten kann: „Das finden Sie in einem anderen Sport nicht.“ Für sie bedeuten die Highland-Games eine „unheimlich tolle Kameradschaft.“
So griffen sportliches Ereignis und Kultur ineinander, als später am Nachmittag auch die „Metalza“-Abteilung des ASV Zumba mit Heavy-Metal-Sound kombinierte und, nach den Siegerehrungen, das „Paddy goes to Holyhead“-Duo den Abend musikalisch bestimmte. Schon am Nachmittag, als nebenan noch 40 Kilo schwere und fünf Meter lange Baumstämme hochgewuchtet und geworfen wurden, hatten es sich viele mit schottischem Bier oder Whisky auf den Bierbänken gemütlich gemacht – alle Aspekte der schottischen Kultur wurden gefeiert.




