Hessigheim: „Die Verunsicherung ist groß“

Der Felsengartenkellerei Besigheim gehören rund 1300 Mitglieder an. Diese hoffen, nach einigen turbulenten Jahren, wieder auf mehr Konstanz an der Spitze der Genossenschaft.
/Werner KuhnleD
as Amt des Vorstandschefs der Felsengartenkellerei hat sich in den vergangenen drei Jahren als schwierig erwiesen. Im September 2023 trat Joachim Kölz, der frühere Erste Bürgermeister von Bietigheim-Bissingen, nach nur zweieinhalb Jahren als Chef zurück. Nach halbjähriger Vakanz folgte im April 2024 Eberhard Wolf aus den eigenen Reihen. Mit Martin Fischer wurde im Juli 2025 wieder ein Externer an die Spitze der Genossenschaft gehievt. Fischer hatte zuvor das Weingut Sonnenhof in Gündelbach geleitet. Er wurde im September dieses Jahres vom Aufsichtsrat von seinen Aufgaben entbunden.
Kein Wunder also, dass die Verunsicherung in den Reihen der rund 1300 Mitglieder groß ist. Das ist auch Heike Ruck (Foto: Lena Lux) klar, der Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Genossenschaft. Austritte von Mitgliedern wegen der Freistellung Fischer habe es nicht gegeben, machte sie im Gespräch mit der BZ deutlich. Doch die Probleme bleiben: Die bewirtschaftete Fläche schrumpft, in den Steillagen entlang des mittleren Neckars werden die Lücken immer größer, der Alkoholkonsum sinkt, der Markt ist insgesamt schwierig. „Wie geht es jetzt weiter, fragen sich die Mitglieder?“, sagte Ruck im Gespräch mit der BZ. Welche Lösungsmöglichkeiten haben Vorstand und Aufsichtsrat?
Uneins in der strategischen Neuausrichtung
In einer Mitteilung anlässlich Fischers Entlassung war die Rede von unterschiedlichen Vorstellungen über die Strategie und einer jetzt bevorstehenden strategischen Neuausrichtung der Genossenschaft. Doch bereits seit 2023 liegt bei der Felsengartenkellerei ein Strategiepapier auf dem Tisch, das den Weg in Zukunft beschreibt. Erstellt wurde es damals laut Ruck von externen Beratern. Warum also ist die Umsetzung so schwierig? „Man muss viele Schlaufen drehen“, charakterisiert Heike Ruck die Aufgaben, um die Felsengartenkellerei wieder aufs Gleis zu bringen.
Das habe auch Martin Fischer versucht, „er hat sich reingekniet“, lobt sie seine Arbeit. Was aus Sicht der Genossenschaft trotzdem zu seiner Freistellung geführt hat, deutet Ruck nur sehr zurückhaltend an. Fingerspitzengefühl ist nötig, um Mitglieder und Gremien einer Genossenschaft auf ein Ziel hin zu vereinen. „Wir können miteinander, aber die Entscheidungswege könnten kürzer sein.“ Die Hauptversammlung hatte dem Vorstand kurz vor Fischers Freistellung die Entlastung verweigert.
Eine der Punkte mit Änderungsbedarf ist aus Rucks Sicht die Sortimentsstruktur. Die Felsengartenkellerei habe ein großes Spektrum unterschiedlicher Sorten und Marken. „Da muss man drübergehen“, sagt Ruck. Auf den Trend zum Weißwein muss ebenso reagiert werden wie auf die Nachfrage nach Mischgetränken. Auch alkoholfreie Weine gehören für Ruck künftig zum Angebot der Felsengartenkellerei – alles Dinge, die Martin Fischer bereits angesprochen hatte.
Ein zentraler Punkt: „Die Mitglieder müssen bei der Stange gehalten werden.“ Seit vielen Jahren sinkt das Traubengeld, das die Wengerter für die angelieferten Trauben erhalten. Aktuell liegt es bei 50 bis 60 Cent pro Kilo. Schon unter der Führung Martin Fischers war es das Ziel gewesen, die Auszahlungen anzuheben, um die Mitglieder zu motivieren, weiterzumachen. „Das streben wir weiter an“, sagte Ruck. Heike Ruck ist allerdings auch klar: „Wir werden nicht alle Flächen halten können.“
Der Schrumpfungsprozess wird also weitergehen. Brachen sind in den Jahren seit der Corona-Pandemie vor allem in den Steillagen entstanden. Doch in welchem Umfang und wo sollen weitere Flächen stillgelegt und gerodet werden? Welche Rebsorten betrifft es? „Darüber sind wir uns noch nicht einig“, räumte Ruck ein.
Mit Jörg Hepfer hat die Kellerei vor kurzem einen neuen Vertriebsleiter eingestellt. Auch diese Entscheidung fiel noch unter der Ägide von Martin Fischer. Hepfer soll die Weine über die Region hinaus national bekannt machen und verkaufen. Die Kundschaft soll er im gehobenen Lebensmittel-Handel suchen, nicht nur bei den vier großen Discountern in Deutschland, die zu den Großabnehmern der Felsengartenkellerei gehören – ein Ziel, das die Kellerei seit Jahren proklamiert.
Der häufige Wechsel an der Spitze hat dem Renommee der Genossenschaft jedenfalls nicht geschadet. Schon kurz nach dem Bekanntwerden der Freistellung Fischers lagen Bewerbungen auf dem Tisch, sagt die Aufsichtsratschefin Heike Ruck: „Wir sind schon ziemlich weit mit der Personalsuche.“ Aktuell fungiert der bisherige Stellvertreter Peter Knoll als Vorstandschef.