Helfer vor Ort in Freudental
: Als Erste beim Notfallpatienten in der Nachbarschaft

Seit zehn Jahren versorgen die Helfer vor Ort aus Freudental innerhalb kürzester Zeit Notfälle bis ins Kirbachtal, bevor das Rettungsteam da ist.
Von
Gabriele Szczegulski
Bönnigheim
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Schilder an den Ortseingängen weisen darauf hin, dass es in Freudental seit zehn Jahren die professionellen Helfer vor Ort gibt. Damit haben der Ort und die Feuerwehr ein Alleinstellungsmerkmal.

/Oliver Bürkle

Vor zehn Jahren gründete der heutige Feuerwehrkommandant Alexander Weidhaus die „Helfer vor Ort“ als professionelle Einsatztruppe mit ausgebildeten Sanitätern und einem Arzt oder einer Ärztin. Heute sind die First Responder Vorbild für andere Gemeinden, zum Beispiel Sachsenheim, wo der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) den ersten Helfer vor Ort ausgebildet hat.

Ausgebildete Helfer und zwei Ärzte sind im Team

„Bisher und seit unserer Gründung vor zehn Jahren“, so sagt Weidhaus, „haben wir das Kirbachtal mitversorgt“. Im Landkreis Ludwigsburg ist das Freudentaler Helfer-vor-Ort-Modell einzigartig. Weidhaus, selbst Notfallsanitäter von Beruf, sah schon vor Gründung der Freudentaler Sondergruppe die Notwendigkeit eines solchen Helferpools, der noch vor den Rettungskräften beim Patienten oder beim Unfall ist. „Oft sind die Patienten bis zu einer halben Stunde alleine, ohne Betreuung, da kann viel passieren“, so Weidhaus.

Er brachte seine Idee vor zehn Jahren bei seinen Feuerwehrkollegen und im Ort an und fand sofort 14 ehrenamtliche Freiwillige, die bei den Helfern vor Ort mitmachen wollten. „Wir konnten von Anfang an eine sehr professionelle Truppe aufstellen, da einige Feuerwehrleute mit dabei waren, die die Ausbildung zum Rettungssanitäter vorweisen können. Zwei sind sogar Notfallsanitäter“, so Weidhaus. Zudem sind zwei Ärzte im Team dabei, sodass – und das ist ungewöhnlich und besonders – bei jedem Einsatz ein Arzt und ausgebildete Rettungssanitäter dabei sind. Zudem müssen die ehrenamtlichen Helfer eine 90-stündige Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen absolvieren. Einige der Freudentaler Helfer vor Ort haben mittlerweile gar für ihr Ehrenamt ihren Beruf stundenmäßig verringert. „Wir sind einfach voll dabei, wenn es um die Rettung von Mitmenschen geht“, sagt Weidhaus. Unterstützung bekommt das Team von Bürgermeister Alexander Fleig, der „stolz ist, dass wir als kleiner Ort so eine Truppe vorweisen können“. Wenn jemand etwas spenden wolle, verweise er gleich auf die Helfer vor Ort.

Finanziert werden die Helfer vor Ort seit zehn Jahren von der Bruker-Stiftung. Stifter Hans-Peter Bruker ist gebürtiger Freudentaler und unterstützt die Kommune bei vielen Projekten. 15.000 Euro kostet die Einsatztruppe pro Jahr, alles wird durch die Bruker-Stiftung oder andere private Spenden getragen.

In wenigen Minuten am Einsatzort

Kommt ein Alarm aus der Ludwigsburger Leitzentrale, der einen Notfall in Freudental, den umliegenden Ortschaften oder dem Kirbachtal anzeigt, sind laut Weidhaus tagsüber innerhalb von oftmals nur zwei Minuten nach der Alarmierung alle einsatzbereiten Kräfte am Freudentaler Feuerwehrhaus – „weil wir alle in der Nähe wohnen“.

So kann schnell ein Team von vier Helfern gebildet werden, das wenige Minuten später schon am Einsatzort ist. „Meistens sind wir fünf bis sieben Minuten alleine vor Ort, bis dann der Rettungsdienst da ist“, sagt Weidhaus.

Aufgrund der hohen Professionalität der Freudentaler Helfer kann der Patient schon erstversorgt werden, eine Anamnese stattfinden, die Medikamentenliste beschafft werden und eine grobe Diagnostik gemacht sowie Zugänge gelegt werden. „Das spart Zeit und der Rettungsdienst ist dankbar, dass der Patient schon erstversorgt wurde und sie genau wissen, was er hat und ihn dann ins Krankenhaus transportieren können, das rettet oft Leben“, so der Feuerwehrkommandant. „Wir bringen Ruhe in den Einsatz“, sagt er. Die Rettungsdienste seien oft „am Limit“, da sei es von Vorteil für die Rettung, wenn schon einiges passiert ist, bis diese kommen.

Regelmäßige Übungsabende helfen zur Verarbeitung

Manchmal sei es schon schwer, so der Freudentaler, wenn man gar Nachbarn oder Freunde in einer schlimmen Lage versorgen müsse. Ihm falle da der Fall eines Babys in der Nachbarschaft ein, das nicht mehr atmete. „Wir versuchten alles, alle verzweifelten, gestandene Männer heulten wir die Schlosshunde, zwei Ärzte beatmeten, reanimierten, aber wir konnten das Baby nicht retten.“ In solchen Fällen greift im Team die Verarbeitung solcher Fälle bei den regelmäßigen Übungsabenden und Gesprächen. Fast alle Helfer seien psychologisch geschult.