Handball-Bundesliga: SG BBM kann Erlangens Flugshow nicht stoppen

Maxim Orlov (am Ball) scheitert kurz vor Schluss frei an Erlangens Keeper Rubens Pierre. Für Bietigheim hätte es einen Punkt bedeutet, doch der Schlussmann vernagelt seinen Kasten,
Marco Wolf- Erlangen gewann bei der SG BBM Bietigheim 35:34 nach einem wechselhaften Spielverlauf.
- Bietigheim lag 20:26 zurück, führte später 33:30, gab den Sieg aber in der Schlussphase ab.
- Der HCE begeisterte mit fünf Kempa-Tricks, was laut Coach Sellin Teil des Plans war.
- Viele Tore fielen, da beide Torhüter kaum Paraden hatten; erst spät steigerte sich Jan Hrdlicka.
- Kurz vor Schluss vergab Bietigheim freie Chancen, Erlangens Keeper Rubens Pierre parierte entscheidend.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Der Kempa-Trick. Der Heilige Gral im Handball. Um ihn zu meistern, braucht es ein enorm gutes Timing und perfekte Präzision, damit der Passgebende seinem Mitspieler den Ball im Sprung liefert und der Empfänger noch in der Luft das Tor erzielt. Nur selten packt eine Mannschaft mal dieses Genussstück aus. Am Freitagabend bei dem Spiel zwischen der SG BBM Bietigheim und dem HC Erlangen verzaubern die Gäste mit gleich fünf dieser Aktionen die Ege-Trans-Arena. Am Ende sind auch diese Kunststücke dafür verantwortlich, dass die Gäste mit 35:34 in einem absoluten Krimi als Sieger vom Platz gehen.
Taktikanalyse fruchtet
„Wir haben im Vorfeld gesagt, dass Bietigheim sehr viel Blindside von den Halben spielt und die beste Lösung dagegen sind Kempas, aber keine Mannschaft hat den Mut das zu spielen“, erklärt HCE-Coach Johannes Sellin nach der Partie. Sein Gegenüber Hartmut Mayerhoffer auf der Gegenseite sagt klar: „Spielerisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen.“ Denn sein Team dreht einen zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand, führt kurz vor Schluss noch und gibt die Führung dann aber doch aus der Hand.
Vom ersten Angriff weg ist Highspeed angesagt. Die SG mit voller Kapelle kommt durch Markus Norrbrink früh mit 1:0 in Führung, ein Tor in Front ist allerdings im ersten Durchgang auch das Höchste der Gefühle. Denn auch Erlangen ist voll da, beide Teams ballern nach Belieben, was auch an einer nonexistenten Torhüter-Leistung auf beiden Seiten liegt. Insgesamt nur sieben Paraden (drei SG, vier HCE) sammeln die Keeper auf beiden Seiten.
Bietigheim wird Mitte des ersten Durchgangs dann aber durch harte Zwei-Minuten-Pfiffe – die Mayerhoffer nur mit einem unverständnisvollen Kopfschütteln quittiert – und einfache eigene Fehler aus dem Tritt gebracht, Erlangen stellt erstmals auf 15:13 und sorgt für die erste Auszeit des SG-Coaches. Den Gästen ist eine Leichtigkeit anzumerken, sie spielen gleich drei Mal den Kempa-Trick in Durchgang eins und fliegen durch die SG-Reihen.
Momentumpendel schwingt um
Schlag auf Schlag geht es bis zur Halbzeitpause, Andri Runarsson schickt seine Farben mit dem Pausenpfiff mit 23:20 in die Kabine und gibt seinen Männern ein gutes Gefühl. Mit dem kommen die Franken auch aus der Pause, drei schnelle Tore sorgen für das 26:20 nur zweieinhalb Minuten nach dem Seitenwechsel.
Eine Hypothek, mit der die SG schon in den letzten Wochen immer wieder zu kämpfen hatte. Doch nicht in dieser Woche. Jan Hrdlicka kommt gut in Durchgang zwei, kann zwar auch einen vierten Kempa-Trick nicht verhindern, sorgt aber mit anderweitigen Paraden dafür, dass Bietigheim verkürzt. Maxim Orlov läuft in dieser Phase heiß, die Hausherren verteidigen nun besser und heizen mit jeder gelungenen Aktion die Zuschauer an.
Hexenkessel Ege-Trans-Arena
Orlov ist es eine Viertelstunde vor Schluss, der die SG wieder auf 27:29 in Schlagdistanz bringt, Nikola Vlahovic erzielt eine Minute später sogar den Anschlusstreffer trifft per Siebenmeter zum 29:29 (48.). Zwölf Minuten vor Schluss ist alles wieder auf Anfang und das Momentum voll und Ganz aufseiten der Gastgeber. Erst Kempa Nummer fünf unterbricht den Lauf. Dennoch erzielt Jonas Josef zehn Minuten vor Schluss den vermeintlichen 31:30-Führungstreffer, der jedoch von den Unparteiischen wegen eines Stürmerfouls zurückgepfiffen wird. Ein Pfiff, der die SG-Fans in Rage bringt und die Halle gleichzeitig in ein Tollhaus für die Schlussphase verwandelt.
Als Till Hermann fünf Minuten vor Ende auf 33:30 stellt, sieht alles nach einem Heimsieg aus. Aber: „Das ist Handball“, erklärt Mayerhoffer. Denn Jonathan Fischer und Orlov scheitern frei vor Pierre, Mathias Larson verbucht ausgerechnet in den letzten beiden Angriffen technische Fehler. Der HCE bleibt derweil in der Crunchtime cool, netzt und dreht die ohnehin schon irre Partie zum 35:34 zu Gunsten der Franken. „Wir müssen ehrlich sein, da war schon sehr, sehr viel Dusel dabei heute“, gesteht der Europameister von 2016 Sellin nach der Partie.
