Hallenrad-Weltmeisterschaft: Lara Füller gelingt die Krönung

Lara Füller wiederholte ihren Erfolg von 2024 und wurde in Ludwigsburg Weltmeisterin im Kunstradfahren.
Julia Rahn- Lara Füller wird in der MHP-Arena Weltmeisterin im Kunstradfahren – Gold vor Ramona Dandl.
- Sie steigert sich im Finale auf 196,00 Punkte, die beste WM-Wertung im Kunstradfahren.
- Deutschland dominiert die Hallenrad-WM: sechs von sieben Goldmedaillen und insgesamt Top-Team.
- Weitere Titel: Vierer aus Mainz-Ebersheim, Offener Zweier, Frauen-Paar sowie Philipp Thies Rapp.
- Radball: Deutsche Frauen siegen 4:0 gegen die Schweiz, Österreich schlägt deutsche Männer 8:1.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Nebelfontänen zischen in die Höhe als das Team Deutschland am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier der Hallenrad-WM in die MHP-Arena einmarschiert. Allen voran Lara Füller als Fahnenträgerin. Sie war als das Gesicht der Weltmeisterschaften bezeichnet worden – kein Wunder: Die Ludwigsburgerin hat nicht nur Heimspiel, sondern hält auch seit September den Weltrekord im Kunstrad-Einzel. Sie war die Topfavoritin, hatte aber tiefgestapelt: Angesichts der Konkurrenz wäre eine Medaille schon ein Erfolg. Es wurde Gold.
Als bei der Siegerehrung ihr zu Ehren die deutsche Hymne gespielt wurde, atmete die Sportlerin mehrmals tief durch. „Das war ein toller Moment auf dem Podest, als ich mir wieder das Siegertrikot überstreifen durfte“, erzählte die 27-Jährige am Sonntagvormittag über diesen Höhepunkt ihrer Karriere. Nach ihrem Weltmeistertitel 2024 konnte sie diesen Triumph nun in der Heimat wiederholen. Sie sei sehr glücklich darüber, „dem Druck standgehalten zu haben“, sagt sie, „das war super emotional.“
Steigerung zur Quali
Ein Selbstläufer war der Titel keineswegs. Nach der Qualifikation lag sie mit 194,27 Punkten noch hinter ihrer Mannschaftskameradin Ramona Dandl. Dass sie sich „zittrig und nervös“ gefühlt hatte, war in der Halle nicht zu spüren. Im Finale leistete sich die Medizintechnikerin nochmals weniger Abzüge von ihrem Ausgangswert und sicherte sich mit 196,00 Punkten den Titel – niemals zuvor erreichte eine Kunstradfahrerin eine bessere Wertung bei einer WM. Silber holte Ramona Dandl (192,65) vor der Schweizerin Alessa Hotz (188,59). Titelverteidigerin Jana Pfann hatte bei der internen Qualifikation für die WM das Nachsehen und war daher nicht am Start, aber dennoch vor Ort.
22 Nationen vertraten bei der WM ihren Sport. Szenenapplaus gab es von den Zuschauern, als der Präsident von German Cycling, Bernd Dankowski, bei der Eröffnungsfeier berichtete, wie man nicht habe hinnehmen wollen, dass die WM in diesem Jahr ausfallen solle, weil der ursprüngliche Ausrichter im britischen Derby kurzfristig absagte.
Sieben Entscheidungen
Insgesamt sieben Medaillen-Entscheidungen standen auf dem Programm und auch in den anderen Disziplinen sahnte das deutsche Team mächtig ab. Wie bereits vor einem Jahr bei der WM in Göppingen war es weit enteilter Spitzenreiter im Medaillenspiegel, als es bei sechs goldenen insgesamt zehn Medaillen für German Cycling gab. Dieses Mal schaffte das Team bei ebenfalls sechs Goldmedaillen gar die maximale Ausbeute.
Deutsche Teams top
Erster sportlicher Höhepunkt war das Finale im Vierer. Ob das deutsche Quartett die Titelverteidigerinnen aus der Schweiz dieses Mal übertrumpfen können? Als über die bisherige Saison gesehen konstantere Formation, die überdies einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte, galten sie als favorisiert. Und im Gegensatz zur Konkurrenz konnten Tijem Karatas, Annika Rosenbach, Stella Rosenbach und Milena Schwarz ihre Leistung nahezu fehlerfrei abrufen. Die Kür lief noch, da sprangen die Schweizerinnen an der Seitenlinie von ihren Sesseln auf und applaudierten dem Quartett vom RV Mainz-Ebersheim mit stehenden Ovationen. Füller bestätigte: „Es war so schön, dass wir uns zu gemeinsam feiern lassen konnten. Wir gönnen uns den Erfolg gegenseitig und zeigen, dass Konkurrentinnen auch Freundinnen sein können.“
Auch im Offenen Zweier ging der Titel nur über deutsche Teams: Das Titelverteidiger-Duo Lea-Victoria Styber und Nico Rödiger siegte mit einer fabelhaften Leistung (162,34) diesmal vor Julia Hämmerli und Patrick Tisch (146,47) vom RV Magstadt. Bronze ging an Franziska Belmega und Marcel Schnetzer aus Österreich.
In der Kategorie Frauen-Paar wurden Neele Jodeleit und Kim Leah Schlüter ihrer Favoritenrolle gerecht: Nach Silber im Vorjahr konnten sie ihre Karriere nun vergolden und siegten mit 128,82 Punkten vor dem Duo aus der Schweiz (120,42) und dem zweiten deutschen Team Lillith Mester/Mira-Sofie Osterhage (118,30).
Bei den Männern verteidigte Philipp Thies Rapp von der Schwäbischen Alb mit 206,99 Punkten seinen Titel aus dem Vorjahr. Hinter ihm überzeugte der erst 19-jährige Simon Halter aus Bad Friedrichshall (202,98). Bronze ging an Csaba Varga aus Ungarn (164,16).
Neben dem Kunstradfahren gehört auch Radball zum Programm der Hallenrad-WM. In der Frauenkonkurrenz schlugen die amtierenden Weltmeisterinnen Judith Wolf und Danielle Holzer in der Neuauflage des Vorjahresfinales die Schweizerinnen 4:0. Bronze ging kampflos an die Japanerinnen. Im acht Duos umfassenden Teilnehmerfeld der Männer deklassierten die Österreicher das deutsche Duo klar mit 8:1. Im kleinen Finale besiegte die Schweiz Tschechien deutlich mit 10:2.
Karriereende offen
Kunstradfahren ist nicht olympisch, weshalb im Sportförder-System um jeden Euro gekämpft werden muss. Der Druck wird sich zwar voraussichtlich etwas reduzieren, weil der Hallenradsport zum zweiten Mal nach 1989 bei den World Games – 2029 in Karlsruhe – vertreten sein wird. Dennoch bleibt die Situation angespannt. Ob Lara Füller ihre Karriere fortführen wird, ist noch offen. Nach dem Saisonfinale, das in drei Wochen in Frankreich stattfindet, möchte sie entscheiden, ob sie genug Motivation verspürt. Denn Lara Füller hat alles – teilweise mehrfach – gewonnen, was es in ihrem Sport zu gewinnen gibt.