Große Sorgen bei Oberligist FSV 08 Bissingen
: Stürmer-Wechsel kommt zur Unzeit

Der Last-Minute-Abgang von Torjäger Konstantinos Markopoulos zum Oberliga-Rivalen SGV Freiberg sorgt beim FSV 08 Bissingen für Kopfschütteln.  Dabei war es ein Abschied mit Ansage.
Von
Sebastian Klaus
Stuttgart
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Für einigen Ärger hat der Abschied von Topstürmer Konstantinos Markopoulos vom Oberligisten FSV 08 Bissingen zum großen Rivalen SG Freiberg gesorgt.  ⇥

Pressefoto Baumann/Imago

Eine ganz besondere Personalrochade erlebten die Fußballfans der Region am Montag. Am sogenannten Deadline Day, dem letzten der Wechselperiode im Winter, überschlugen sich gerade auf der Stürmerposition die Ereignisse, die frei nach dem Motto „Der größere Fisch frisst immer den kleineren“ betitelt werden können. Doch was war geschehen? Zunächst hatte der Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach die Verpflichtung von Torgarant Dominik Salz vom Oberligisten SGV Freiberg bekanntgegeben. Nur kurz darauf drehte sich das Winterwechselkarussel munter weiter und der SGV vermeldete seinerseits den Transfer von Angreifer Konstantinos Markopoulos vom Liga-Konkurrenten und Nachbarn FSV 08 Bissingen.

Besonders pikant an der Geschichte: Aspach hatte ursprünglich Markopoulos verpflichten wollen, am Ende jedoch einen Korb bekommen. Beim Überraschungs-Coup der Nullachter im WFV-Pokal Anfang August letzten Jahres gegen Sonnenhof hatte der 29-Jährige bei den Verantwortlichen des Dorfklubs offenbar mächtig Eindruck hinterlassen. Der Grieche hatte beim 3:2-Sieg des FSV alle drei Treffer für seine Farben erzielt.

Die Nullachter hatten Markopoulos im Sommer 2020 vom griechischen Zweitligisten AO Kavala, seit einigen Wochen Klub des Ex-Herthaners Patrick Ebert, nach Bietigheim gelotst. Noch zwei Jahre zuvor hatte das Portal transfermarkt.de den Marktwert des Stürmers auf 250 000 Euro taxiert. Es war ein Transfer, der schon damals mannschaftsintern nicht nur auf positives Echo gestoßen sein soll, schließlich dürfte der torgefährliche Grieche nicht zum Nulltarif zum FSV gewechselt sein.

Dass Markopoulos nun noch einmal eine – sicher gut dotierte – Herausforderung beim wahrscheinlichen Aufsteiger aus Freiberg sucht, ist dennoch legitim. Doch über das Wie ist man beim FSV alles andere als erfreut, zumal es den Torjäger zum großen Rivalen zieht. „Wir sind brutal enttäuscht von dem Spieler, da er erst im Sommer seinen Vertrag bis 2023 verlängert hatte und uns nun erst Mitte Januar von seinem Wechselwunsch erzählte“, sagt Bissingens Sportlicher Leiter Oliver Dense. Wie es besser geht, verdeutlicht das Beispiel Filimon Gerezgiher. Der Flügelflitzer hatte es im Januar eine Woche lang als Probespieler beim Regionalligisten VfB Stuttgart II versucht, ohne dass am Ende jedoch eine Verpflichtung zustande gekommen war. Doch anders als Markopoulos hatte der 21-Jährige seine Wechselabsichten dem FSV gegenüber sauber kommuniziert.

Abschied am Sonntag

Am 17. Januar war der Oberligist in die Vorbereitung gestartet. Schon da hatte Markopoulos gefehlt. Er habe sich nicht mehr in der Lage gefühlt, weiter für den Klub zu spielen, hatte der Stürmer nur einen Tag vor Trainingsbeginn verkünden lassen, heißt es aus Vereinskreisen. Nach der endgültigen Verabschiedung des mit insgesamt 13 Saisontoren torgefährlichsten Angreifers in der mannschaftsinternen WhatsApp-Gruppe am vergangenen Sonntag, soll selbst seine Fahrgemeinschaft, mit der der Grieche viermal wöchentlich aus Leonberg zum Training anreiste, aus allen Wolken gefallen sein.

Dabei hätte den FSVlern eigentlich der Fall des Kroaten Matej Cosic als abschreckendes Beispiel dienen können. Nach nur einer Saison hatte der eigentlich fest eingeplante defensive Mittelfeldspieler im letzten Jahr nach einem ausgedehnten Heimaturlaub die Vorbereitung zunächst sausen lassen, um dann schließlich trotz eines Zweijahresvertrags sein Glück in der zweiten kroatischen Liga zu versuchen.

In Freiberg freut man sich dennoch über den schnellen Salz-Ersatz. „Wir hatten Kosta schon länger auf dem Schirm und ich bin froh, dass es jetzt geklappt hat. Er hat in der Oberliga seine Qualitäten schon unter Beweis gestellt und diese passen sehr gut zu unserer Spielweise. Jetzt gilt es, ihn so schnell wie möglich zu integrieren, damit wir in der Rückrunde gemeinsam erfolgreichen Fußball spielen können“, sagt SGV-Coach Evangelos Sbonias über den Transfer.

Während die Freiberger neben Markopoulos auch noch den erst 17-jährigen Antonio Babic aus der U19 der Stuttgarter Kickers für die Offensivabteilung nachverpflichten konnten, ist der 08-Angriff deutlich dünner besetzt. Vor allem auch, weil Roman Kasiar mit Kniebeschwerden zuletzt ausgefallen war. „In dieser Woche konnte er das Knie schon wieder etwas belasten“, verrät FSV-Coach Markus Lang im Gespräch mit der BZ. Für Lang ist das Kapitel Markopoulos dagegen abgehakt. „Mir geht es immer ums Team, nicht um einzelne Spieler. Natürlich können wir Kosta nicht adäquat ersetzen, aber als Team werden wir durch seinen Weggang nur noch enger zusammenrücken.“

Für Williams ist Saison gelaufen

Der 45-Jährige setzt dabei große Hoffnungen in eine baldige Rückkehr von Kasiar: „Wenn er gespielt hat, hat Roman eine beeindruckende Quote.“ Auch Kapitän Marius Kunde dürfte in der Rückrunde wieder weiter nach vorne rücken, um mehr Zug zum Tor zu bekommen. Ansonsten bleiben für die Abteilung Attacke nur noch der in dieser Saison erst einmal erfolgreiche Pascal Hemmerich sowie Nachwuchskraft Luis Weber, der mit 22 Saisontoren die Bezirksliga-Torschützenliste klar anführt. „Pascal hat über Jahre bewiesen, dass er es kann. Luis muss sich dagegen erst an das Oberliga-Niveau gewöhnen“, sagt Lang über seine Optionen.

Auf nur noch vier magere Punkte ist der Vorsprung der Nullachter auf die Abstiegsränge geschmolzen. Und statt noch lange nach oben zu schielen, geht der Blick beim FSV, der zwischendurch mal die Tabelle angeführt hatte, nur noch nach unten. „Wir dürfen zum Auftakt nicht in eine Negativspirale kommen“, sagt Lang, dessen Team inklusive der Vorbereitung seit mehr als drei Monaten auf einen Sieg wartet. Doch damit nicht genug der Hiobsbotschaften: Nach einem Innenbandriss im Training fällt Innenverteidiger Pierre Williams für den Rest der Saison aus.