Gemmrigheim
: 27 Millionen für weitere 75 Jahre

Vier Jahre waren für die Erneuerung der linken Schleusenkammer eingeplant. Zehn Wochen früher konnte nun das Bauwerk übergeben werden.
Von
Jürgen Kunz
Besigheim
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In 49 Monaten wurde die (im Flusslauf) linke Schleusenkammer der 1955 eröffneten Schleuse Besigheim erneuert. Rund 27 Millionen Euro wurden in die Anlage investiert.

/Andreas Essig

Ein besonderes Bauvorhaben war nach Einschätzung von Klaus Michels, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Heidelberg, die Instandsetzung der linken Kammer der Schleuse Besigheim. „Bau im Bestand unter Aufrechterhaltung der rechten Schleusenkammer war ein anspruchsvolles Projekt“, erklärte Michels. Hinzu kam der schwierige Baugrund, weshalb auch ein gewichtsneutrales einteiliges Schleusentor verbaut wurde.

Die umfassende Instandsetzung der Schleuse Besigheim ist innerhalb der vorgesehenen Bauzeit von vier Jahren erfolgreich abgeschlossen worden. Es sei nicht unüblich, dass Bauvorhaben im Bestand länger dauern als geplant, sagte Michels: „Hier haben wir sogar zehn Wochen weniger gebraucht.“ Die Investition von 27 Millionen Euro ermöglichen nach seiner Einschätzung „einen sicheren, ökologischen und wirtschaftlichen Gütertransport auf dem Neckar“.

Neue Schleusentore eingebaut

Das Wasserstraßen-Neubauamt Heidelberg hatte den Auftrag für den Ersatz der Schleusentore inklusive der Erneuerung der Antriebs-, Steuerungs-, und Nachrichtentechnik, dem Umbau der Verbindungsstege sowie dem Einbau einer neuen Stoßschutzeinrichtung vor dem Untertor der linken Kammer der Schleuse Besigheim im Juli 2022 erteilt. Ergänzend wurde in diesem Zusammenhang die gesamte alte Beleuchtung der kompletten Schleusenanlage samt Vorhäfen durch eine neue ersetzt. Dass zu den vielen beteiligten Unternehmen auch eine Besigheimer Firma zähle, betonte der Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes besonders. Die Firma Karl Köhler hat die gesamten Stahlbeton-Arbeiten übernommen.

„Der Neckar ist eine wichtige Lebensader für die Wirtschaft und den Güterverkehr in Baden-Württemberg. Mit der erfolgreichen Modernisierung der Schleuse Besigheim stärken wir die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit dieser wichtigen Wasserstraße und schaffen damit gute Voraussetzungen für eine sichere und zukunftsfähige Neckarschifffahrt“, sagte Joachim Abratis, Vizepräsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.

Technisch grundlegend erneuert

Mit der Modernisierung wurde die seit 1955 in Betrieb befindliche linke Schleusenkammer grundlegend erneuert und technisch auf den aktuellen Stand gebracht. Im Blickpunkt der Baumaßnahme standen der Neubau des Betriebs- und Hochwassertores am Oberhaupt sowie der Umbau des bislang zweiteiligen Schleusentores zu einem einteiligen Schleusentor mit entsprechenden Anpassungsarbeiten am sogenannten Unterhaupt. Die zwischen elf und 62 Tonnen schweren Tore wurden über den Wasserweg von Brake nach Besigheim geliefert und mithilfe eines Schwimmkrans eingebaut.

Abratis erinnerte daran, dass ursprünglich ein Neubau der Schleuse in der Diskussion war. Mit der abgeschlossenen Baumaßnahme sei nun die technische Ausstattung der linken Schleusenkammer Besigheim umfassend modernisiert worden. Diese schaffe die Voraussetzung für einen weiterhin zuverlässigen und sicheren Schleusenbetrieb, mit der Option, die linke Schleusenkammer Besigheim zu einem späteren Zeitpunkt von der Ferne aus zu bedienen und zu warten, betonte der Vizepräsident der Generaldirektion Wasserstraße und Schifffahrt.

Die Schleuse Besigheim wurden von 1952 bis 1955 gebaut und ist eine von 27 Neckarschleusen. Sie hat eine nutzbare Kammerlänge von 105,9 Meter. Die beiden Kammern haben jeweils eine Breite von 11,9 Meter. Die Hubhöhe beträgt 6,31 Meter. Die Schleuse steht auf rund 960 unterschiedlich langen Pfählen in einem sehr schlechten Baugrund. Schon zur damaligen Bauzeit waren mindestens vier geologische Verwerfungen bekannt. Jüngste Baugrunderkundungsbohrungen haben bis in eine Tiefe von 54 Meter keinen Fels erkennen lassen. Es wurde ein außergewöhnlich heterogener Baugrund einschließlich Hohlräumen festgestellt, was auch jetzt eine Herausforderung war.

Das Bauwerk liegt auf der Gemarkung Gemmrigheim und trägt lediglich den Namen Besigheim. Das sorgte durchaus für Heiterkeit bei der gestrigen Einweihung, als Klaus Michels, Leiter des Wasserstraße-Neubauamtes, vor seiner Begrüßung erläuterte, dass die mobilen Toiletten für die weiblichen Festgäste auf Gemmrigheimer Gemarkung stünden und die für die Männer auf Besigheim. In seinem Grußwort stellte der Besigheimer Bürgermeister Dr. Florian Bargmann allerdings klar, es ständen tatsächlich alle Toiletten auf Gemmrigheimer Gemarkung.

Seit Fertigstellung 1955 werden jährlich rund 1000 Schiffspassagen in der Besigheimer Schleuse gezählt. Das entspricht rund 2,2 Millionen Tonnen Güter pro Jahr. Rechnerisch entspricht diese etwa 65.000 Sattelzüge auf der Straße, die eingespart werden.