Gemeinde Kirchheim investiert in die Zukunft
: Nahwärmenetz wird im „Bachrain“ erweitert

In zwei Bauabschnitten gibt’s in Kirchheim bereits 40 Interessenten. 455 Tonnen CO2 werden eingespart.
Von
Birgit Riecker
Ludwigsburg
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Seit Beginn der Ferien verlegen Bauarbeiter Haupt- sowie Hausanschlussleitungen und Leerrohre für Glasfaser.⇥

Birgit Riecker

Alle reden vom Klima. Kirchheim handelt. Die Neckartalgemeinde baut derzeit ihr Nahwärmenetz im Baugebiet Bachrain aus. Es soll bis 2025 in einem Ringschluss enden.

„Wir beginnen mit zwei Bauabschnitten“, erklärt Kämmerer Jürgen Bothner. „Der erste schließt direkt an der Heizzentrale in der Schule auf dem Laiern an und führt in das künftige Baugebiet auf den ehemaligen Tennisplätzen.“ Dort sind die Bauarbeiter derzeit zu Gange. Sie verlegen seit Beginn der Schulferien die 45 Zentimeter dicken mit Isoliermaterial ummantelten Hauptleitungen aus Metall mit den Vor- und Rücklaufröhren, die dünneren Hausanschlussleitungen und Leerrohre für die immer noch ausstehende Glasfaserversorgung. Sorgsam werden die Kurven in den Heizleitungen einzeln isoliert. Und es gibt in regelmäßigen Abständen einen Sensor zur Lecküberwachung. „Bis in zwei Wochen können die ersten Häuser beheizt werden“, freut sich Holger Schön, Technischer Leiter der Gemeinde.

Anfang September ist Baubeginn im zweiten Abschnitt. Er startet am Rathaus und führt dann durch die Haupt- und die Schillerstraße. Zunächst werden hier aber nur die „Ankerkunden“ angebunden. Noch diesen Herbst kann das neue Dreigiebelhaus in der Ortsmitte versorgt werden. Parallel dazu entsteht eine weitere Wärmeinsel in der Schillerstraße. Von einem Heizkessel im Neubau anstelle der ehemaligen VR-Bank Neckar-Enz wird dann auch das Gebäude der künftigen Pflege-WG angefahren. Bis 2022 soll die Heizzentrale im Rathaus weiter ausgebaut und mit der Kindertagesstätte „Arche“ und der Pelletsheizung im Kultur- und Vereinszentrum „Alte Schule“ vernetzt werden. Die Privateigentümer an der Verbindungslinie, die Interesse haben, werden ebenfalls versorgt.

Der Ringschluss erfolgt dann in den Folgejahren: Von der Heizzentrale an der Schule mit Blockheizkraftwerk, Holzhackschnitzelanlage und zwei Gaskesseln für die Spitzenlast gibt es eine Abzweigung bis hinunter in die Hofener Straße. Dort soll mit einem neuen Baugebiet auch eine große Holzheizung kommen, die auch Restholz verwerten kann. Von dort wird es dann unter Einbeziehung des Blockheizkraftwerks mit Stromspeicher in der Gemeindehalle den Ringschluss geben. Bereits in der Überlegung ist eine Notstromversorgung, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

„Wir haben in den ersten beiden Bauabschnitten bereits 40 Interessenten“, sagt Benjamin Schoor, Ingenieur des Büros IBS in Bietigheim. „Damit sparen wir im Jahr 186 000 Liter Heizöl und 455 Tonnen Kohlendioxid im Vergleich zu Einzelheizungen ein.“ Doch trotz seinem Wunsch nach Klimaschutz ist Kämmerer Jürgen Bothner schon von Berufswegen ein Mensch, der mitrechnet. „Das bereits ausgebaute Nahwärmenetz im Bachrain hat rund 100 Kunden und hat sich nach weniger als zehn Jahren amortisiert“, sagt er. Dass es eine Amortisation auch für den Ausbau gibt, sei klar, betont Benjamin Schoor. Bei allen gemeinsam war die Freude, dass die Gemeinde neben der Förderung durch den Bund auch die Landesförderung „Effiziente Wärmenetze“ bekommen habe.

Ohne großen Aufwand angeschlossen werden können alle Haushalte, die bereits eine wasserunterstützte Heizung haben. Für ein Einfamilienhaus werden für die Einrichtung des Hausanschlusses und der Übergabestation mit Wärmetauscher rund 13 000 Euro fällig. Die jährlichen Verbrauchskosten werden bei knapp 1600 Euro liegen. ⇥

Info Nähere Informationen wird es bei einem „Tag der offenen Tür“ am Samstag, 23. Oktober, geben. Da stehen zwölf Jahre Nahwärme, zehn Jahre Kinderhaus Klecks und natürlich die Erweiterung der Schule auf dem Laiern im Mittelpunkt eines kleinen Festes für alle.