Fußball: Wie ein Löchgauer nach Fürth kommt

Benedikt Röcker verlässt die SG Sonnenhof Großaspach und wird Teammanager des Zweitligisten Greuter Fürth. Für den Löchgauer eine große Chance.
Pressefoto Baumann/Julia RahnDer Spielplan der Oberliga Baden-Württemberg hätte keine bessere Partie bieten können: Mit dem Derby an diesem Mittwoch (18 Uhr) bei der TSG Backnang verabschiedet sich Benedikt Röcker von der SG Sonnenhof Großaspach. Der Leiter Sport und Organisation beim Dorfklub tritt am Freitag seine neue Tätigkeit als Teammanager beim Zweitligisten Spvgg Greuther Fürth an.
„Das ist eine tolle Geschichte. Ich bin dort für die Organisation der Mannschaft im Tagesgeschäft zuständig und nahe an der Mannschaft und am Trainerteam und soll meine Fußball-Expertise einbringen“, umschreibt Röcker seine künftige Tätigkeit. Dass es so schnell geht mit dem Karrieresprung hätte er nicht erwartet. „Ich war selbst überrascht, als die Anfrage kam, weil ich ja erst seit einem Jahr offiziell bei der SG Sonnenhof tätig bin. Ich wollte in den nächsten Jahren schon in den Profibereich. Aber so schnell ist der Fußball, das ist ein Tagesgeschäft“, so Röcker.
Nähe zur Familie
Eine Rolle in seiner Entscheidung gespielt habe auch die Nähe zu Löchgau und zur Familie. „Das war im Gesamtpaket mit ein Grund. Heimat bleibt Heimat und mein Mittelpunkt. Es ist von Fürth aus eine angenehme Strecke, die in rund eineinhalb Stunden zu fahren ist“, freut sich Röcker, dass er auch schnell mal daheim sein kann.
Der 33-jährige Löchgauer wechselt nun zum zweiten Mal in den Profifußball. Nach der Spielerkarriere folgt jetzt der Einstieg auf der Managementebene und da darf er sich auf schwäbische Landsleute freuen. Zum dritten Mal arbeitet Röcker demnächst mit Greuther Fürths Coach Alexander Zorniger zusammen. Der war eineinhalb Jahre bei der SG Sonnenhof Großaspach in der Regionalliga und drei Jahre in Bröndby Röckers Trainer. Der 55-Jährige stammt aus Mutlangen und pflegt ebenso wie sein Co-Trainer Rainer Widmayer, der aus Renningen kommt, auch in Franken medial den heimischen Dialekt.
Personeller Umbau
In eineinhalb Jahren in verantwortlicher Position hat sich Röcker mit guter Arbeit in der Organisation, einem großen personellen Umbau des Kaders mit meist sehr guten Transfers, der Verpflichtung von zwei innovativen Trainern, sportlichen Erfolgen und einem Stimmungsumschwung bei der SG Sonnenhof nach der Tristesse nach dem Absturz aus der Dritten Liga in die Oberliga einen guten Namen gemacht. Er kann die SG also mit gutem Gewissen verlassen, nachdem der Saisonstart mit vier Siegen aus vier Spielen optimal verlaufen ist, trotz des nicht eingeplanten Wechsels von Trainer Evangelos Sbonias kurz vor dem Vorbereitungsbeginn zum 1. FC Köln II.
Röcker hat in Zusammenarbeit mit dem für den Fußball zuständigen Vorstandsmitglied Michael Ferber beste Voraussetzungen für den Sbonias-Nachfolger Pascal Reinhardt und das sinnvoll verstärkte Team für eine erfolgreiche Saison und die Rückkehr in die Regionalliga geschaffen. „Aspach liegt mir am Herzen. Ich kann die SG Sonnenhof mit gutem Gewissen verlassen und das ist wichtig, wenn man ein Kapitel beendet. Ich habe mich immer zu 100 Prozent mit dem Verein und dem Dorfklub-Flair identifiziert. Was draufsteht ist auch drin. Mir war wichtig, die Werte des Dorfklubs wie Kontinuität, Leidenschaft und die Liebe zum Fußball zu leben und im Management Strukturen aufzubauen. Über Gemeinschaft kann man viel erreichen, und das ist passiert,“ berichtet Röcker von der Arbeit in Aspach.
„Wir haben nächtelang gemeinsam am Kader gearbeitet“, erzählt Röcker von langen Besprechungen „in einem heißen und intensiven Sommer“ mit dem damaligen Coach Sbonias und dem Vorstand Sport Michael Ferber nach dem Abstieg 2022, als nahezu der komplette Kader die SG verlassen hatte. Wichtig war dem Trio „Jungs mit Charakter, Mentalität und Identifikation“ zu verpflichten und auch ein Wir-Gefühl zwischen Mannschaft und dem Umfeld zu schaffen. „Wir haben etwas Tolles aufgebaut, leider hat es noch nicht zum großen Ziel gereicht“, spricht Röcker den knapp verpassten Aufstieg in die Regionalliga an.
Nach dem verletzungsbedingten Ende der aktiven Karriere mit 30 Jahren bot ihm seine Aspacher Berateragentur fair-sport um ihren Gründer Uli Ferber und Geschäftsführer Ioannis Koukoutrigas, die eng mit der SG Sonnenhof verbunden ist, ein Traineeprogramm an.
Schnell Fuß gefasst
Nach einem halben Jahr übernahm Röcker im Januar 2022 bei der SG Sonnenhof den Posten von Koukoutrigas als Sportdirektor, zunächst zusammen mit Peer Lauster, der aber bald zum FC Bayern München als Koordinator Teammanagement und Teammanager der U19 wechselte und seit Juli die Koordinator Spielbetrieb und Management am FC Bayern Campus übernommen hat. „Ich bin froh und dankbar, dass ich nach meinem Karriereende so schnell Fuß fassen konnte und das Vertrauen und die Chance bei der SG Sonnenhof erhalten habe. Das ist nicht selbstverständlich“, berichtet Röcker von seinem Einstieg bei der SG.