Fußball-Oberliga: Rückzugsgedanken bei der „Macht von der A8“

Duelle zwischen Valentyn Podolsky sowie dem FSV 08 Bietigheim-Bissingen und dem ATSV Mutschelbach könnte es bald in der Oberliga nicht mehr geben.
Avanti/Ralf PollerFünf Spieltage sind in der laufenden Saison der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg noch zu absolvieren. An der Tabellenspitze liefern sich die SG Sonnenhof Großaspach (60 Punkte), der FC 08 Villingen, der 1. Göppinger SV (je 59) und der 1. CfR Pforzheim (54) ein enges Rennen um die Meisterschaft und die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga. In den Kampf um den Klassenerhalt verwickelt sind neun Mannschaften: TSG Backnang (39), FV Ravensburg, ATSV Mutschelbach, VfR Mannheim (je 36), SV Oberachern (34), SSV Reutlingen (33), FSV 08 Bietigheim-Bissingen (32), FC Holzhausen (31) und FC Denzlingen (28). Bereits abgestiegen ist der Offenburger FV (10).
Zwei bis sechs Absteiger möglich
Die Bandbreite der möglichen Absteiger reicht von zwei bis sechs, wobei die günstigste Variante aufgrund der Entwicklung in der Regionalliga – der Abstieg der TSG Balingen steht schon fest – nicht infrage kommt. Da mit dem VfR Aalen oder dem FC Astoria Walldorf womöglich zwei weitere baden-württembergische Klubs runter müssen, erhöht sich in der Oberliga die Anzahl der Absteiger. Ganz bitter wäre es, wenn aus der Dritten Liga Waldhof Mannheim absteigen müsste, denn dann würde es fünf Regionalligisten erwischen. Sollten darunter mit Balingen, Aalen und womöglich Walldorf drei Kandidaten für die baden-württembergische Oberliga sein und der Vizemeister nicht aufsteigen, würde das schlechteste Szenario eintreten: sechs Absteiger aus der Oberliga. Derzeit erscheint die Variante mit vier Mannschaften am ehesten realistisch.
Eine wichtige Rolle in diesem Szenario nimmt der 2022 als „Macht von der A8“ in die Oberliga aufgestiegene ATSV Mutschelbach, nahe der Autobahn Stuttgart–Karlsruhe beheimatet, ein. Das Fußball-Märchen aus dem kleinen Karlsbader Stadtteil scheint nach dem schon im Sommer 2023 erfolgten Ausstieg des Machers und Sponsors Jörg Konstandin zu Ende zu gehen. Heftig brodelnden Gerüchten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der ATSV seine Entscheidung bekannt gibt, sich aus der Oberliga zurückzuziehen und den Platz der in der Landesliga spielenden zweiten Mannschaft einzunehmen.
Großer personeller Aderlass
Belegen die Mutschelbacher bei einem Rückzug in der Oberliga-Tabelle einen gesicherten Platz, wären sie neben Offenburg Absteiger Nummer zwei. Nehmen sie aber einen direkten Abstiegsplatz ein, fallen sie unter das entsprechende Kontingent. Bis zum 31. Mai muss eine Entscheidung fallen, ob Mutschelbach bei sportlicher Qualifikation weiterhin in der Oberliga kicken möchte. Einen Tag später steht der letzte Spieltag der Saison 2023/24 auf dem Programm.
Angesichts des großen personellen Aderlasses scheint eine Zukunft in der fünftklassigen Liga kaum vorstellbar. Der Ligakonkurrent und Nachbar FC Nöttingen hat mit Nils Reißfelder, Moriz Weißer, Jannis Rabold und Dennis Klemm bereits vier Neuzugänge vom ATSV bekannt gegeben. Colin Bitzer, Samir Frank und Jonas Schleich wechseln zum Verbandsligisten SV Spielberg, Torjäger Felix Kendel schließt sich dem Regionalligisten FC Astoria Walldorf an. Marlon Dinger und wahrscheinlich auch Talent Marius Mahle folgen Erfolgstrainer Dietmar Blicker, der den ATSV in die Oberliga geführt hat, zum wiederbelebten Karlsruher SC II, der sich 2018 aus der Oberliga verabschiedet hatte und nun in der Verbandsliga beginnen darf. Dorthin zieht es auch Sebastian Weizel, der Mutschelbach 2023 verlassen hat und ein Jahr beim Bahlinger SC gekickt hat. Dem KSC II schließt sich auch Routinier Dominik Salz von der SG Sonnenhof Großaspach an.
Aufstiegstrainer Blicker hatte den ATSV Mutschelbach bereits im Januar verlassen, interimsmäßig hat Co-Trainer Marco Kratzer die Mannschaft übernommen und wird in der neuen Saison voraussichtlich wieder als Assistent von Blicker tätig sein, dann in Karlsruhe. Claus Pfitzer