Freudental: Vorbereitet auf den Ernstfall

Das Freudentaler Kleeblatt-Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz stellt eine besondere Herausforderung bei einem länger andauernden Stromausfall dar.
/Martin KalbDie Verfügbarkeit von elektrischer Energie ist eine lebenserhaltende Voraussetzung in einer Gemeinde. Wenn der Strom ausfällt, funktioniert von jetzt auf gleich gar nichts mehr“. erklärt Bürgermeister Alexander Fleig in der Freudentaler Gemeinderatssitzung am Mittwochabend.
Besonders ein flächendeckender und länger anhaltender Stromausfall bringe eine große Herausforderung für Behörden und Bürger mit sich. Aus diesem Grund will die Gemeinde ihr vernetztes Gemeinwesen für diesen Notfall rüsten. Deshalb hat die Verwaltung in Kooperation mit Feuerwehrkommandant Alexander Weidhaus einen Notfallplan „Stromausfall“ auf die Beine gestellt.
Ziel: handlungsfähig bleiben
Dieser Notfallplan umfasst Vorkehrungen, die bewirken sollen, das die Gemeinde in diesem Extremfall weiter handlungsfähig bleibt und grundlegende Vitalfunktionen der Verwaltung und der Feuerwehr erhalten bleiben. Aufgrund der sich ändernden Klimaverhältnisse arbeitet parallel das Landratsamt Ludwigsburg an einem Selbsthilfeprogramm zum Krisenmanagement bei Unwetter, Hochwasser und Stromausfall.
Bei einem flächendeckenden Stromausfall muss davon ausgegangen werden, dass eine Hilfe aus Nachbarkommunen oder weiteren Bereichen nicht stattfinden kann, da alle verfügbaren Ressourcen im jeweiligen Bereich benötigt werden. Dies bedeutet, dass Kommunen, Behörden und Betriebe mit eigenen Mittel auskommen müssen.
Zwei Notstromaggregate
Seit längerem befasst sich die Gemeindeverwaltung mit der Ausarbeitung des Konzepts für den Notfallplan. „Im Fall eines Stromausfalls ist ein funktionierender Rettungsdienst mit das Wichtigste“, betont Fleig und beauftragte deshalb Feuerwehrkommandant Alexander Weidhaus mit der Ausarbeitung des „Notfallplans Stromausfall“. Ebenso wichtig seien auch Wasserver- und Abwasserentsorgung. Die Gemeinde lebt zu einem Teil von Eigenwasser. Der Rest kommt aus der Bodenseewasserversorgung. Deshalb wurden bereits Einspeisemöglichkeiten aus den Tiefbrunnen und bei der Kläranlage geschaffen. Die Kosten dafür: 10 000 Euro.
Das erste von zwei bestellten größeren Notstromaggregaten ist schon da und wurde von der Freudentaler Feuerwehr für den Einsatz vorbereitet. Für beide Geräte fallen Kosten von 36 000 Euro an. „Mit beiden Notstromaggregaten sind wir sicher, dass wir die Verwaltung im Krisenfall weiter betreiben können. Die Einspeisungsmöglichkeiten aus den Tiefbrunnen machen möglich, dass der Hochbehälter gefüllt werden kann“, so Weidhaus.
„Wir haben im Notfallplan zwei Szenarien angenommen, ein kurzer Stromausfall von ein bis zwei Stunden, was öfter einmal vorkommt, und ein flächendeckender längerer Stromausfall“, erklärt Weidhaus. Die Bevölkerung sei inzwischen sehr sensibel bei diesem Thema.
Viele Szenarien berücksichtigt
Es zeigte sich wohl beim letzten Stromausfall, dass der Informationsbedarf in der Bevölkerung sehr schnell sehr groß war. In beiden Fällen müsse man handeln können. Vor allem der zweite Fall eines längeren Ausfalls stellt die Gemeinde vor umfassende Vorbereitungsmaßnahmen. Weidhaus: „Die Behörden funktionieren nur, wenn ein Rathaus funktioniert, und das geschieht über die beiden Notstromaggregate. Das Gesundheitswesen hier mit dem Kleeblatt-Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz ist auf eine Versorgung angewiesen. Sauerstoffgeräte müssen funktionieren. Wenn die Schließanlage ausfällt, sind auf einmal demenzkranke Menschen planlos in den Straßen unterwegs.“
Der Notfallplan für den längeren Stromausfall berücksichtige auch die Landwirtschaft. Melkanlagen brauchen Strom. Auch die Viehfütterung funktioniert heute nicht mehr ohne.
Berücksichtigt ist auch die Müllsituation. „Dann werden wohl keine Müllfahrzeuge fahren. Die Müllverbrennungswerke stehen still. Alle Ampeln fallen zur gleichen Zeit flächendeckend aus. Was das heißt kann man sich vorstellen – in den ersten Stunden können sicher keine Rettungswagen hier rauskommen. Zum Glück haben wir unsere Helfer-vor-Ort-Gruppe, die etwas Hilfe leisten kann und die Feuerwehr“, betont der Kommandant.
„Im Katastrophenschutz zählen kurze Wege. Es gibt einen Krisenstab, bestehend aus Feuerwehr und Polizei und Verwaltung, der uns schnell handlungsfähig macht“, stellt Weidhaus klar. Die Freudentaler Feuerwehr hat seit letztem Sommer eine eigene Tankstelle. Dort sind 800 bis 1000 Liter Diesel immer vorrätig.
Der neue Notfallplan sieht vor, Übernachtungsmöglichkeiten in den Hallen zu schaffen. Die Bevölkerung soll in Durchsagen über die Lage informiert werden. Der Pegelstand des Hochbehälters wird dauerhaft überwacht. Die Hallen werden geöffnet, um Bürgern vor allem im Winter eine Unterkunft zu bieten.
Auch Kühlhaus einbezogen
Aufzüge im Ort kontrolliert die Feuerwehr darauf, ob womöglich jemand beim Stromausfall darin stecken geblieben ist. Weidhaus: „Die Menschen im Aufzug holen wir dann raus. Wir benachrichtigen die Leitstelle, dass das Gerätehaus besetzt ist. Im Optimalfall haben wir eine Gruppe besetzt mit dem Löschfahrzeug, das am Gerätehaus steht. Wir stellen einen Plan auf, sodass wir rund um die Uhr das Feuerwehrgerätehaus besetzt haben. Es wird eine Prioritätenliste erstellt, wo zuerst Handlungsbedarf besteht.“ Auch das Kühlhaus, wo Verstorbene weiter gekühlt werden ist berücksichtigt. All diese Bereiche sind im Notfallplan aufgenommen und sollen dabei helfen, im Ernstfall nicht planlos dazustehen.