Freudental: Gemeinsam durch schwierige Zeiten

Solarthermiefeld: In der Energiewende und bei der Nahwärmeversorgung ist Freudental gut aufgestellt.
/Martin KalbEinen Haushalt in schwierigen Zeiten galt es zu beschließen – über die herausfordernde internationale und nationale Lage, die sich direkt in der Gemeindekasse bemerkbar machten, herrschte unter den Fraktionen des Freudentaler Gemeinderats bei der Sitzung am Mittwoch Einigkeit. „Intensiv“ habe man sich gemeinsam mit dem im Januar eingebrachten Zahlenwerk beschäftigt, stellte Bürgermeister Alexander Fleig fest. Gut 7,5 Millionen Euro an Einnahmen stehen acht Millionen Euro an Ausgaben gegenüber: ein Minus von 700.000 Euro – der Haushalt bleibt also weiter im Defizit.
Bürgergruppe Freudental
In „interessanten Zeiten“ lebe man, fand Jörg Eberle von der Bürgergruppe Freudental (BGF) mit einem chinesischen Sprichwort – ob im positiven oder im negativen Sinne müsse sich noch zeigen. „Maximal belastet“ sei die Gemeinde Freudental auf jeden Fall, in Zeiten, in denen von staatlicher Seite „immer mehr Aufgaben nach unten abgegeben“ werden. „Maßnahmen zur Sicherung der Pflichtaufgaben“ seien in der Gemeinde nun entscheidend.
Freudental sei dabei, was die Energiewende angeht, bereits gut aufgestellt, findet man bei der Bürgergruppe. Man regte hier sogar den Handel mit CO2-Emmissionspapieren an der Börse an. Abschließend war man froh, dass in der Gemeinde kein Investitionsstau vorliegt, dadurch hat man „etwas Luft“. Die Pro-Kopf-Verschuldung sinke sogar leicht. Auf zukünftige Investitionen müsse man aber achten, dann könne man die Herausforderungen auch „gemeinsam stemmen“, so die Bürgergruppe.
„Wer bestellt, bezahlt“, stimmte Bürgermeister Fleig angesichts der immer neuen Aufgaben zu, die der Staat an die Kommunen weitergibt, so solle es sein. Beim Klimaschutz setze man in Freudental auf „einfach sinnvolle Maßnahmen“, so Fleig, der nicht sagen kann, ob Freudental schon klimaneutral ist: man hat sich hier nie um Zertifizierungen bemüht, was aber wahrscheinlich bald kommen wird.
CDU-Fraktion
Man müsse sich „in herausfordernden Zeiten auf das fokussieren, was man direkt beeinflussen kann“, fand Karlin Stark von der CDU. Der soziale Zusammenhalt sei entscheidend – und da habe man schon „beeindruckend viele Aktionen in Freudental“. Neben dem Engagement in Vereinen lud sie auch ausdrücklich zur Beteiligung im Gemeinderat ein: man könne hier schon im Kontakt mit den Gemeinderäten bei der Diskussion von schwierigen Punkten mitwirken, nicht erst deren Beschluss beobachten.
Viele der Herausforderungen seien struktureller Natur, fand sie. Es müsse „auf Landes- und Bundesebene ein Umdenken stattfinden“, stellte sie angesichts der immer neuen Belastungen für die Kommunen klar.
SPD-Fraktion
Bei all den Verunsicherungen dürfe man nicht vergessen, wer man ist, betonte Michael Bertet von der SPD die Identität der Gemeinde. Positiv hob er die Flüchtlingsarbeit in Freudental hervor: Jeder Geflüchtete sei so gut untergebracht wie der Gemeinde möglich, „negativen Einzelfällen stehen viele positive gegenüber.“ Der Betreuungsplan der Kitas sei ein weiterhin wichtiges Vorhaben. Die Kinderbetreuung bleibe auch in der angespannten finanziellen Situation relevant. Die Herausforderung des Hochwassers im vergangenen Jahr haben Feuerwehr und Freiwillige dabei zusammen gemeistert – ein gemeinsamer Erfolg.
Freudentaler Mitte
Von der Freudentaler Mitte (FM) konstatierte auch Thomas Gellhaus: „Komplexität, Grundstimmung und Sichtweisen haben sich verändert“, angesichts der Herausforderungen – er spricht nicht von Problemen. „Im Ort wird es konkret“, da wo man wohne. Der Leistungsumfang und die Forderungen an die Kommunen seien immer weiter gewachsen, man sei „gesetzlich verpflichtet, auf großem Fuß zu leben.“ Angesichts der nicht allzu großen Einnahmen Freudentals brauche man hier auch „Mut, Althergebrachtes zu hinterfragen“ – was müsse sein, was könne zurückgestellt werden, sei die Frage. Die verkehrsberuhigte Ortsmitte sei dabei notwendig. Bei der Nahwärme sei man in Freudental schon vorbildlich.
Bürgermeister Fleig schloss sich der Kritik am „Förderdschungel“ an: „Wenn man einmal drin ist, hört es nicht auf.“ Die Fraktionen beschlossen den Haushalt schließlich einstimmig.